Kurt Cobain is back, oder: Karohemden sind der neue Knaller

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Das ist die Style-Eilmeldung schlechthin, da muss jetzt gar nicht viel eingeleitet und drumrumgeschrieben werden, ja, wirklich: Im sich verabschiedenden Sommer sollen modebegeisterte junge Männer karierte, farbenfrohe Oberhemden tragen. Mustermäßig ist alles erlaubt: Blauweiß gekachelt wie die bayerische Flagge, psychedelische Farbkombinationen oder einfach rotweißschwarz nach Holzfällerart.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Ein Muster-Mann von Lacoste.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Quadratisch, karo, Diesel. Und doch muss man zwischenfragen: Ämm, bunte Karohemden und Coolness - ist das nicht arg inkompatibel? Man kommt ja erstmal nicht umhin, sofort an die Freizeitbekleidung von Kegelclub-Stammtischen zu denken oder an den Dresscode in der Mathe-Mensa, in der es nach Kopfrechnen-Schweiß und Fleiß und Genialität muffelt, aber ganz sicher nicht nach Modegespür. Aber: Kein Designer, kein Fashiondirector hat sich hier inspirieren lassen. Der Grund für´s Kommen der Karos ist ein anderer. Zur kleinen Erinnerung: Es gab Zeiten, da war ein Karohemd das Nonplusultra. Ende der 80er Jahre wurde es zum modischen Ausrufezeichen der Grunge-Bewegung, die sich in der Region um Seattle entwickelt hatte. Nicht ganz unschuldig daran war Nirvana-Frontmann Kurt Cobain, der zu Lebzeiten eigentlich kaum etwas anderes trug als karierte Flanellhemden. Dank Kurt Cobain wurde Grunge nicht nur zur neuen Musiksensation, sondern auch zur Modesensation. Und Herr Cobain damit zum Stilvorbild, ob er das nun wollte, oder nicht.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Der Kurt in karo. Und die Courtney. Das war damals. Heute ist der Grunge auch optisch wieder zurück. Weshalb sich das bunte Karohemd so lange Zeit auf den Leib wenig modebewusster Vertreter diverser Subkulturen zurückgezogen hat, kann man sich nicht so recht erklären. Geht es nach den aktuellen Style-Magazinen, wollen diese dem Karohemd wieder das alte Image verpassen. Auch auf den Laufstegen der Modeschauen für Herbst/Winter mischte sich der Grunge-Look, mit Zweitnamen „Poverty Chic“, unter die Kollektionen. Nach grauschwarz verruchter Rockstar-Mode, Rockabilly-Pünktchen und Britpop-Zebrastreifen ist das Grunge-Karo das neue Mittelpunktmuster des Herbstes. Gerne gesehen auf Hemden, und noch gerner gesehen zu zerschlissenen Jeans, Riesen-Rastafarimützen und "Leck mich doch"-Attitüde. Das Wörtchen Grunge nahm erstaunlicherweise keiner der Designer in den Mund. Und doch schlurfte die verlotterte Rebellion durch die aktuellen Luxusflitter-Modeschauen, auf denen Millionen-Dollar-Roben und Murmeltierpelz-Taschen spazierengeführt wurden.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Karo-Gala á la Ben Sherman. So gesehen lässt sich aus dem guten, soliden Karohemd echt was machen. Solange man dabei nur die Finger von Nickelbrille und gürtellosen Jeanshosen lässt. Fotos: urbanoutfitters.com, nirvana-music.de

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