Na Logo!

Ey, du hast da was: Marken-Logos haben sich von der Kritik an ihrer Existenz erholt. Und plustern sich jetzt heftigst auf.
lili-huber

Au weia, Naomi Klein wird die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Hat die aktivistische Journalistin in ihrem Antiglobalisierungs-Manifest „No Logo“ doch so engagiert gegen Markenkleidung und ihre Verherrlichung als Bestandteil der Jugendkultur gepoltert. Und jetzt das. Nachdem sich korrekte Klamottenfirmen wie American Apparel erfolgreich ohne äußerlich erkennbares Markenzeichen etabliert haben, machen andere Firmen einen U-Turn auf die Gegenfahrbahn. Eine Art Style-Loop zurück zum Markenfetischismus Mitte der 90er Jahre, wo von der Sohle bis zum Reißverschluss alles mit Logos tapeziert war. Und heute, von wegen Logo-Overkill: Ein paar Klamottenkäufer scheinen sich wieder nach fluffigen Imagehüllen zu sehnen, die sie beschützen und gleichzeitig repräsentieren.

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Illustration: Julia Schubert

Gott bist du schon wieder gewachsen: Das Big Pony (auf Brusthöhe) Wie das in der Modewelt gemeinhin der Fall ist, trauen sich erst die ganz Großen, einen alten Trend wieder aus der Schublade zu holen. Letzten Herbst begann die High End-Marke Prada damit, den Nachnamen ihrer Gründerin Miuccia Prada übergroß auf die überteuren Taschen zu drucken. Relativ zeitgleich hat Adidas auch dem „Ecstacy“ wieder Leben eingehaucht: Der dicke Turnschuh mit noch dickerem Adidas-Schriftzug an der Ferse war einer jener wenigen Modelle, welche die Mitglieder der Rap-Combo Run DMC in den 80er Jahren an ihren Füßen duldeten – vom „Superstar“ von Adidas mal abgesehen. Inzwischen haben auch andere Marken am „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist das dickste Logo im ganzen Land“-Spiel ihre Freude. Den ersten Platz im aktuellen Logoaufpust-Contest besetzt das uramerikanische Ostküstenlabel Ralph Lauren, Liebling der Polospieler und neuerdings auch offizieller Wimbledon-Ausstatter. Die aktuelle Kollektion „Big Pony“, die auch Poloshirts umfasst, ist nämlich die neue Arbeitsbekleidung von Ballboys, Ballgirls, Schieds- und Linienrichtern des britischen Tennisturniers. Wie der Name schon sagt, ist das Reiterchen, wie es in Textilfachkreisen liebevoll genannt wird, auf Maus-Größe aufgedunsen. Und wird sicher bald auch hierzulande herzlichst von Segelfreunden, Hockeyclubs und Betriebswirtschaftstudenten adoptiert. Der ästhetische Makel, dass manch ein XXL-Logo aus fünf Metern Entfernung wirkt wie ein Häufchen Vogelkacke, soll an dieser Stelle mal außen vor gelassen werden. Wer sich aber an den dicken Logos stört, kann beruhigt wegschauen. Denn das ist das Dufte an der Mode: Auch dieser Trend wird nicht länger dauern als eine fiese Sommergrippe.

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