ASA-Blog Nigeria (Ende): Wir haben diesen Kontinent lieb gewonnen

Julia studiert Sport, Nicole Journalistik. Beide machten während ihres ASA-Projekts AIDS-Aufklärung. In ihrem letzten Eintrag ziehen sie Bilanz. Sie fällt gut aus. +++ Hinweis! Nicole unterhält auch einen eigenen, empfehlenswerten Blog zu ihrem Aufenthalt. Der Link dorthin steht am Ende des Textes. +++ Hier die Übersicht über alle neun ASA-Blogs auf jetzt.de und eine Erläuterung zu ASA.
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9. Eintrag An ending story (Geschrieben am 4. Nov, online seit 20. Dez 2006) Es ist seltsam, wenn Projekte wie dieses zu Ende gehen. Die gesamte Zeit über weiß man, dass man am 4. November zurück fliegen wird, aber erst, wenn der Tag vor der Tür steht, realisiert man: Die Zeit ist vorbei. Wir waren sehr traurig. Immerhin hatten wir diese Metropole lieb gewonnen, allen voran die Menschen um uns herum und letztlich auch unser Projekt, trotz aller Schwierigkeiten, was Planung, Organisation und Durchführung betrifft. Eigentlich hatten wir uns für ein Projekt beworben, für das wir Aufklärungskampagnen zu HIV/Aids machen sollten, ein paar Computerschulungen, Pressearbeit und Fundraising. Und das haben wir auch gemacht. Nur unserer Meinung nach: Wir hätten noch mehr machen können mit ein bisschen mehr Unterstützung. Jedoch ist auch das Teil des ASA-Programms: Umgehen mit den Widrigkeiten vor Ort. In Nigeria gibt es nun einmal keinen konstanten Strom und Verabredungen werden nicht eingehalten. Wenn man Informationen übers Telefon erfahren will, hebt oftmals niemand ab in den entsprechenden Organisationen und und und. Unsere europäischen, wenn nicht sogar typisch deutschen Ansprüche an Pünktlichkeit und Einhaltung von Verabredungen gelten hier nicht. Damit haben wir gelernt umzugehen – auch wenn es schwer war an manchen Tagen. Trotzdem haben wir nun am Ende des Projekts ein gutes Gefühl. Wir haben viel getan, viel versucht, angestoßen und sind auch an Einigem gescheitert. Das gehört dazu. Und wir haben ein Land, wenn nicht sogar einen Kontinent lieb gewonnen und wir können nun wirklich mitreden, wenn wieder die miserable Lage in Afrika besprochen wird, dem Kontinent mit den drei Ks: Krisen, Kriege und Katastrophen. Und dass das nicht immer zutrifft, wissen wir nun auch. Wir haben so viel erlebt, dass wir wahrscheinlich ein ganzes Buch mit unseren Erfahrungen schreiben könnten. Vieles ist für Europäer sehr skurril, was wir erlebten: von Strom- und Wasserlosigkeit, über chaotische Straßen bis zu ekligen Insekten. Und das, was am prägnantesten bleibt: Nigeria lebt! Die Nigerianer sind trotz aller Probleme gut gelaunt, offen und freundlich. Von dieser Lebenseinstellung können wir Europäer, vor allem wir Deutsche, um die Stereotype zu bedienen, uns eine Scheibe abschneiden. +++ 8. Eintrag Was machen wir hier eigentlich? Wir berichteten bislang viel von unserem Alltag in Lagos, von den Unterschieden zu Deutschland, Kuriositäten, aber wir sind nicht nur zum Staunen und Gucken hier. Eigentlich arbeiten wir hier. Das schimmerte noch nicht durch die Zeilen durch, erstmal warteten wir viel. Doch seit gestern läuft Einiges anders… Ajegunle ist unser neuer Arbeitsplatz - für diese Woche. Ajegunle ist einer der größten Slums in Lagos, in dem 250 ethnische Gruppen aufeinander treffen. Das sorgt für ordentlich Zündstoff und die meisten Leute, die nicht hier wohnen, meiden die Gegend. Wir Weiße natürlich nicht, was kann uns schon passieren? :-)

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Illustration: Julia Schubert

In Ajgeunle sind wir die Unterhalter für etwa 50 Kinder im Alter von acht bis 15. Heute haben wir ein bisschen HIV/Aids-Aufklärung gemacht, über Deutschland und den deutschen Fußball gesprochen und anschließend noch ein paar Trainingstipps gegeben.

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Illustration: Julia Schubert

Die Kinder sind goldig. Total aufgeweckt guckten sie uns mit ihren großen weißen Augen an. Wenn man eine Frage stellt, reißen sie sich meistens um die Antwort und man muss sie beruhigen. Einigen sieht man an, dass sie aus sehr armen Familien stammen. Sie tragen abgewetzte, löchrige T-Shirts und abgetragene Schuhe. Andere hingegen sehen ganz „normal“ aus. Die Kleidung ist sauber und neu. Aber alle sitzen zusammen auf dem Dach eines Hauses auf Holzbänken und melden sich wie wild. Wir haben heute auch Schulhefte von Search and Groom, unserer Organisation, verteilt. Auf einmal ging es zu wie auf dem Basar: als ob es Fleisch oder Obst zu einem Viertel des Preises gibt. Ein Gedränge und Gequetsche. Wir mussten die Meute immer wieder beruhigen, damit sie sich nicht totschubsen und –drängeln. Unglaublich.

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Illustration: Julia Schubert

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Illustration: Julia Schubert

Anschließend, gegen 14 Uhr, ging es auf die Straße zum Fußballspielen – in einem Turnier. Jedes Team repräsentiert ein Land, wie bei einer echten EM oder WM.

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Illustration: Julia Schubert

Die Kleinen fegten barfuß über die staubige Straße und kickten den kleinen abgewetzten Ball hin und her. Wenn er in den stinkenden Kanal am Straßenrand fiel, holten sie ihn rasch wieder heraus, rollten in ein, zwei Mal im Staub und weiter ging’s. In Deutschland hätten sich die Kinder wahrscheinlich schon geweigert, barfuß zu spielen. Am Donnerstag werden wir den Unterricht fortsetzen und am Freitag gibt es dann das große Fußballfinale.

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Illustration: Julia Schubert


7. Eintrag Hochzeit! Der afrikanische Traum in Weiß (Nachtrag aus dem August) Vier Tage in Nigeria und schon stand das erste Wochenende vor der Tür. Was tun? Immerhin sollte das erste Wochenende unvergesslich sein. Unser Chef, Yomi Kuku, lud uns ein: Ein Sprung ins kalte Wasser – eine afrikanisch-nigerianische Hochzeit. 200 Leute, Live-Band, tanzen und essen Non-Stop. Wir saßen unter Garten-Camping-Zelten. Auf der einen Seite die Sippschaft der Braut, auf der anderen die des Bräutigams. Zuerst kamen die Eltern des Bräutigams und setzten sich, dann die Eltern der Braut und schließlich tanzte das Brautpaar, umkreist von 20 Leuten, an seinen Tisch.

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Illustration: Julia Schubert

Die beiden waren westlich gekleidet. Sie in einem weißen Brautkleid, er in schwarzem Anzug, während die Gäste alle in traditionelle Gewänder gehüllt waren. Aus hellem, bunten Stoff. Orange und türkis, pink und violett, die Frauen mit prächtigen Kopftüchern, die Männern mit Mützen.

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Illustration: Julia Schubert

Während das Brautpaar sich setzte, strömten 20 bis 30 Frauen zu mehreren Dutzend Töpfen, die am Rande standen. Das Essen hatten sie wahrscheinlich am Abend zuvor in mehreren Küchen gekocht. Als Gäste hatten wir nicht die Wahl zwischen Fisch und Steak oder Hühnchen. Es gab Moynmoyn mit Jollof Reis und Fried Rice oder Amala – typisch nigeriansches Essen. Während das Essen verteilt wurde, fing der Pfarrer seine Predigt an. Wir haben nicht genau mitgezählt, aber in fünf Minuten sprach er bestimmt 30 Halleluja und 50 Amen aus, alles im Chor mit den Gästen. Und er segnete das Brautpaar und segnete sie und teilte ihnen ihre Aufgaben als Mann und Frau mit, damit die Ehe erfolgreich ist. Dann erfolgte der Spendenaufruf. Zuerst für den Pfarrer. Wir dachten uns, ja mei, ist ja nicht unsere Kirche. Aber wir beiden Weißen waren natürlich von Anfang an aufgefallen und ungefähr 150 Augenpaare verfolgten uns ständig. Auch die des Pfarrers, der schnell verstand, dass wir keine Anstalten machten aufzustehen, um ihm Geld zu geben. Da er Herr über das Mikro war – leider – fielen schnell folgende Worte: „Oyibo, put money in the bucket!“ Jetzt starrten uns wirklich alle an. Und wir sahen uns nun doch gezwungen diesem Pfarrer, den wir wahrscheinlich nie wieder sehen werden, Geld zu geben. Na, ja, nicht dass die Nigerianer noch denken, wir seien geizig. Der Geldkelch ging dann ans Brautpaar und es war Zeit, ihnen Geld zu schenken. Doch das machen die Gäste hier nicht einfach in Briefumschlägen. Sofort fing die Band an zu spielen. Braut und Bräutigam begannen zu tanzen und immer wieder kamen Leute, tanzend, auf sie zu und packten ihnen die Scheine auf die Haut, auf die Klamotten und auf den Kopf. Die Trauzeugen sammelten die herunterfallenden Scheine schnell auf und verwahrten sie. Als wir dann aufstanden und das Gleiche machen wollten, applaudierten die meisten Gäste und feuerten uns an. Es ging gar nicht so sehr um das Geld und die Geste, sondern darum, dass sie gleich zwei Weiße sehen würden, die tanzen. Und die Meinung über tanzende Weiße ist eher schlecht hier. „You really dance?“ „Äh, yes, I like to dance.“ „Really?“ Ende Tanzdialog. Nicht, dass wir sowieso schon von allen Seiten beobachtet wurden, starrten uns jetzt wirklich alle an. Aber wir tanzten ganz gut, klebten das Geld auf Braut und Bräutigam und machten ein paar Erinnerungsfotos.

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Illustration: Julia Schubert

Es war sehr schön und lustig. Und wir nahmen sogar noch Geschenke mit nach Hause. Denn es ist Tradition, dass die Familien des Brautpaares Sachen an die Gäste verschenken. Wir bekamen Eimer, Lappen und Flipflops. Sehr kostbare Geschenke hier.

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Illustration: Julia Schubert

Eimer kann man nie genug haben, denn darin holt man Wasser und bewahrt es auf. Und Flipflops, wer kann die nicht gebrauchen? Nur der Lappen ist ein bisschen überflüssig, aber wer weiß: Eines Tages brauchen wir den vielleicht für irgendwas.


6. Eintrag (Online seit 12. Dez 2006) Kleine Geschichten zum Schmunzeln. Heute aus dem Business Center Ein Plastiktisch samt Stuhl und Sonnenschirm, bewacht von einem Menschen mit Handy in der Hand – an jeder Straßenecke ist hier ein solches Arrangement zu finden.

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Illustration: Julia Schubert

Das Business-Center. Wozu es dient, haben wir uns allerdings nie gefragt. Die Erklärung bekamen wir heute dennoch: Wir sitzen im Auto eines Freundes, als der darauf hinweist, noch schnell telefonieren zu müssen. Er stoppt vor einem der Plastiktische. Was er mit dem Typen am Tisch auf Yoruba bespricht, verstehen wir nicht, verfolgen aber mit ungläubigen Gesichtern, wie der Kerl unserem Freund Ganiyu sein Handy reicht. Ganiyu telefoniert, zückt sein Portemonnaie und drückt dem Typen einen Schein, zusammen mit dem ausgeliehenen Handy, in die Hand. Dann fahren wir weiter. Nach ein paar sprachlosen Sekunden fragen wir vollkommen perplex: „Was war das denn?“ Ganiyu guckt etwas unverständig: „Ich musste telefonieren!“ - „Kanntest du den Kerl denn?“ forschen wir weiter. „Nein“, ist die kurze Antwort. „Warum telefonierst du dann mit seinem Handy?“ Jetzt versteht Ganiyu unsere Ahnungslosigkeit, lacht und erklärt gewissenhaft: „Das ist eine Dienstleistung! Die haben günstigere Tarife für ihre Handys. Ich bezahle weniger als von meinem Handy aus.“ Die Erklärung klingt plausibel und sehr ökonomisch. Wir nicken anerkennend – bis Garniu uns die Bezeichnung für diese bemannten Gartenstuhl-Gruppierungen nennt. Wir brechen in lautes Lachen aus, als er ganz ernsthaft erklärt: „Wir nennen es Business Center!“ +++ 5. Eintrag (Online seit 12. Dez 2006) Hard to cope with – Gepriesen sei NEPA Totale Dunkelheit, Stille, ängstlich klammert sich ein kleiner Junge an den Vater. Im nächsten Moment schreit der Kleine los: „UpNEPA!“ Es ist hell - es gibt wieder Strom! „Up“ ist eine Lobpreisung Gottes auf Yoruba, NEPA steht für „National Energy Power Authority“ (oder auch: „Never Expect Power Always“), bis vor kurzem die Stromgesellschaft Nigerias (jetzt ist es die „Power Holding Company Nigeria“). Schon den ganz Kleinen wird beigebracht, sobald nach einem Stromausfall der Strom wiederkehrt, „UpNEPA“ zu rufen – NEPA zu Ehren und um NEPA milde zu stimmen. Dieses „UpNEPA“ haben wir in den letzten Wochen unzählige Male gehört! Im Schnitt gönnt uns NEPA circa fünf Stunden Strom am Tag. Leider in höchst unregelmäßigen Abständen. Das Problem: Die Gesellschaft schafft es nicht, genug Strom für die 17 Millionen Einwohner von Lagos zu produzieren. Also wird der vorhandene Strom abwechselnd an die verschiedenen Stadtviertel verteilt. Zwei Stunden Ikeja, drei Stunden Agege. Dass das Viertel, in dem NEPA selbst und die Konzernchefs ansässig sind, beinahe konstant mit Strom versorgt wird, wundert hier keinen. Dieses Phänomen hinterfragt niemand, die Lagosianer wehren sich anders – die Stromrechungen werden einfach nicht gezahlt. Den Alltag bestimmt NEPA dennoch. Der erste Gedanke morgens: „Haben wir Strom?“ Wenn ja, schnell das Handy aufladen, den Laptop anschließen und Wasser im Wasserkocher erhitzen. Wenn nicht – hoffen, dass es Strom gibt, wenn wir nachmittags aus dem Büro kommen. Im Büro dann das nächste Stromproblem: Auch hier gibt es keinen! Für diesen Fall hat „Search and Groom“, die Organisation, für die wir arbeiten, einen Generator. Der frisst aber eine Menge Benzin, und das ist nicht billig. Der Generator läuft also meistens nicht. Der Chef muss immer erst einen Praktikanten losschicken, um Benzin zu besorgen. Das dauert, wie alles hier in Nigeria, natürlich eine gaaanze Weile. Wenn es dann einer der Angestellten schafft, den Generator anzuschließen - was nicht immer funktioniert - haben wir zumindest für ein paar Stunden Strom, um zu arbeiten. Ansonsten heißt es: Stundenlang im Büro sitzen, den Laptop anstarren und beten, dass sich NEPA unserer erbarmt. Auf dem Heimweg wieder die große Frage: “Haben wir Strom?“. Die Spannung steigt, je näher wir unserem Viertel kommen – funktionieren die Lautsprecher der kleinen Bretter-Buden-Shops nahe unserem Block, ist die Chance auf Strom auch in unserer Wohnung sehr gut.

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Illustration: Julia Schubert

Kein Strom auf dem Markt. Zu Hause angekommen, der erste Griff an den Lichtschalter. Leuchten die Lampen, folgt der erleichterte Schrei: „UpNEPA“ – warme Dusche, Fernsehen, Musikhören und am Laptop arbeiten gerettet. Zeigen die Lampen keine Reaktion, holen wir die Kerzen raus. Bei romantischem Schein sitzen wir dann auf unseren Betten und schicken Stoßgebete an NEPA. Kein warmes Waschen, keine Musik, kein Fernsehen und keine Computer, das gute alte Buch muss reichen, solange die Augen beim schwachen Kerzenschein mitmachen. Bevor wir die Kerzen vor dem Schlafen ausblasen, werden noch alle Lichtschalter auf „ON“ gestellt. Für den Fall, dass NEPA uns den Strom in der Nacht zurückbringt – dann weckt uns die plötzliche Helligkeit und wir können blitzschnell Handys aufladen, Laptops anschließen und Batterien aufladen. Der letzte Gedanke vor dem Schlafen gehen: „Ob wir morgen früh Strom haben?“ UpNEPA! +++ 4. Eintrag (Online seit 12. Dez 2066) Harte Probe für westliche Zungen Wir machen hier praktisch alles zusammen – bis auf eines: das Essen. Während Julia sich eher an europäische Ware hält, ist Nicole die Experimentierfreudige und sie liebt Afrika allein wegen des Essens. Was isst man hier? Man isst pampige Speisen. Alles, was klebt und schön matschig ist. An unserem ersten Abend hier hat uns Yomi noch in ein sehr westliches, nigerianisches Restaurant ausgeführt – mit Klimaanlage, fließendem Wasser auf der Toilette, Plastikanzeigetafeln und uniformiertem Personal. Das Essen war schon nigerianisch. Nicole aß gebratenen Reis mit Hühnchen (Fried Rice mit Chicken). Ein wenig scharf, ein wenig Barbequeue-Geschmack. Alles noch eher wie zu Hause. Zweiter Tag: Tutu bot uns MoinMoin an. Das sind Bohnenklöße. Man stampft die Bohnen zu einem Teig, fügt Chili und andere Gewürze hinzu, zudem getrockneten, zerstampften Fisch und auch ein paar Zwiebeln. Dann wickelt man einzelne faustgroße Klöße in Bananenblätter und kocht die Klößchen so lange bis sie nicht mehr auseinanderfallen. Fertig. Sehr lecker und endlich mal ein bisschen scharf. Ein paar Tage später dann das Highlight: Amala in einem kleinen Seitenstraßenrestaurant. Amala ist zerstampfter Yams, der zu kleinen handgroßen Klößchen geformt in eine scharfe Soße getunkt wird. Das beste: Man isst das Essen mit den Händen.

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Illustration: Julia Schubert

Man greift sich den grauen Amala-Klos, reißt ein Stück ab, tunkt es in die Soße und ab in den Mund damit. Dazu gab es meist Rindfleisch. Alles in einer schön scharfen, rot-braunen Soße. Die Schärfe ist jedoch angenehm. Zuerst merkt man sie gar nicht, dann fängt es langsam an zu kribbeln und breitet sich im Mund aus. Aber man isst weiter, bis die Schärfe auch die Lippen ergreift und man denkt, sie seien angeschwollen. Aber man isst weiter. Irgendwann nimmt man einen Schluck Wasser und die Schärfe ist schlagartig weg, um dann, sobald man das Wasser hinuntergeschluckt hat, wiederzukehren. Aber es ist auszuhalten. Als Nicole fertig war und ein Glas Wasser ausgetrunken hatte, war die Schärfe auch schon fast verschwunden. Julia trieb schon der Geruch der scharfen Soße Tränen in die Augen.

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Illustration: Julia Schubert

Scharfe rote Stewsoße. Da man dieses Essen für gewöhnlich mit den Händen isst, stehen auf jedem Tisch ein Krug mit Wasser, eine kleine Schüssel, Spülmittel und ein Handtuch bereit. Amala ist aber nur eine von vielen nigerianischen Speisen. Ein kleiner Ausflug in die Küche Nigerias: Amala: Hergestellt aus Yamswurzelmehl, das in heißes Wasser eingerührt wird, solange bis die Masse fest und klebrig ist. Eba: Hergestellt aus Garri (Maniokmehl), das ebenfalls in heißes Wasser eingerührt wird, solange bis die Masse fest und klebrig ist. Der fertige Kloß ist im Gegensatz zu Amala weiß. Semovita: Der einzige Unterschied zu Amala und Eba ist, dass diese Speise aus Maismehl gemacht wird. Die Farbe ist wieder weiß. Pounded Yam: Zuerst wird die Yamswurzel wie Kartoffeln gekocht und anschließend gestampft, bis die Masse anfängt klebrig und fest zu werden. All diese Klöße isst man mit einer scharfen Soße. Entweder einer Art Gemüsesuppe mit viel Spinat und getrockneten Krabben, einer Egusi-Suppe, die aus Spinat und gestampften Melonenkernen, sowie getrockneten Krabben gemacht wird, oder einer Schleimsuppe (Draw-Soup). Dazu wird noch ein Stück gekochtes Rindfleisch, Fisch, Hühnchen oder Ziegenfleisch gegessen, meistens gekocht als eine Art Gulasch (Stew). Grundsätzlich isst man in Nigeria immer sehr scharf, auch zum Frühstück. Dann kommt schon Herzhaftes wie Reis mit Fleisch, frittierte Kochbanane mit scharfem Rührei oder Porridge, zerstampfter, kartoffelbreiähnlicher Yams, auf den Tisch. Zwischendurch gibt es auch eine Bohnenmasse, Eba genannt, die aus weißen Bohnen gemacht wird und mit frittierten Kochbananen, Stew oder Reis serviert wird. Neben ihren typisch nigerianischen Speisen essen die Nigerianer aber auch vermehrt Spaghetti. Allerdings wieder mit einer scharfen Soße aus Tomatenmark und den hier sehr beliebten Sardinen.


3. Eintrag Freitag der 13. an einem Dienstag. 15. August 2006. An manchen Tagen sollte man lieber im Bett bleiben. Wir hätten das heute tun sollen. Der erste Tiefpunkt im Projekt, die erste unheimliche Begegnung mit afrikanischen Tieren und ein sehr mulmiges Gefühl im Taxi nach Hause. Gut gelaunt starteten wir in den Tag. Der Fahrer, der uns jeden Tag ins Büro fährt, steckte wieder irgendwo fest. Wir warteten. Und fuhren statt 8:30 Uhr erst um 9:30 Uhr los. Langsam wird es zur Gewohnheit. Als wir im Büro ankamen, war außer Eze noch niemand da. Wir setzten uns mit deutschem Fleiß gleich an unseren Arbeitsplan und einen Fundraising-Vorschlag für ein weiteres Projekt. Gegen 12:30 Uhr trudelte unser Chef, Yomi, ein. Eigentlich hatten wir einen Termin um 12 Uhr mit ihm, um unseren Plan zu besprechen. Aber gut. Wir sind nicht pingelig. Natürlich musste er erstmal mit jedem im Büro kurz quatschen. Wir warteten. Gegen 13:30 Uhr kam uns das Internet dazwischen und Yomi musste sich um die Installation kümmern. Wir warteten. Gegen 14 Uhr gingen wir dann mit Anu, der Praktikantin im Büro, zum Supermarkt „Big Treat“. Wenigstens ein paar sinnvolle Sachen wollten wir machen und einkaufen stand heute sowieso auf unserer Liste. Eine Stunde später im Office: Yomi strahlte uns an als wir vom Einkauf zurückkamen: „The Internet is working now.“ Na, endlich. Wir fragten ihn, ob wir nun unseren Plan besprechen können. Yomi: „Just a minute, please!“ Wir warteten. Wenige dutzend Minuten später kam Lanre, der Chef von HEDA, der Partnerorganisation von Search and Groom, ins Büro und lud uns zum Essen ein. Der Haken: „Just a few minutes.“ Wir warteten. Mittlerweile zeigte die Uhr 16:00 an. Wir – höflich wie wir sind – fragten vorsichtig nach, wie es denn mit unserer Besprechung steht und dem Essen. Yomi: „Lanre will come in a few moments. I just need to do some things on the internet. Then we’ll talk.” Wir warteten. Gegen 17 Uhr: Endlich die Erlösung. Nicht die Besprechung, die für 12 Uhr angesetzt war, nein, Lanre nahm uns endlich zum Lunch mit. Zu Steers, der nigerianischen Antwort auf McDonalds und Burger King. Steers, wo die Burger genauso hoch wie breit sind und die Burgerbrötchen sehr süß schmecken. Gegen 18:30 Uhr waren wir zurück. Yomi wollte nun die Besprechung nachholen. Natürlich „in just a few minutes.“ Wir warteten, aber diesmal in seinem Büro und starrten ihn die ganze Zeit an. Er surfte munter im Internet und chatete. Wir warteten. Da es langsam, beziehungsweise, nach nigerianischer Art, ziemlich schnell dunkel wurde, fragten wir ihn mehrfach nach der Besprechung. Er antwortete: „Just let me get this done really quickly. Just five minutes.“ Wir warteten. Gegen sieben reichte es uns. Wir packten unsere Sachen zusammen. Die Besprechung verschoben wir auf den nächsten Tag. Und auch eine ernste Unterredung, denn so geht es nicht weiter. Schon seit letzter Woche werden wir immer vertröstet: „Next week, you’ll be really busy.“ Wer jedoch nach nigerianischer Art „busy“ ist, ist nach deutscher locker beschäftigt. Deutsche Überstrebsamkeit ist auch nicht wünschenswert, aber wir sind Teilnehmer eines Austauschprogramms und werden uns morgen austauschen und ein wenig deutschen Wind ins Büro bringen. Der Tag war damit natürlich noch nicht beendet, denn nun mussten wir noch ein paar Sachen einkaufen mit Lai, unserem geduldigen Lagos-Guide. Alle Einkäufe erledigt, mussten wir nur noch ein Taxi bekommen. Gegen 20:30 Uhr stellte sich das als Problem heraus, weil alle Taxifahrer den doppelten Preis verlangten - auch ohne uns Weiße gesehen zu haben. Nach 15 Minuten hielt endlich ein Fahrer für den normalen Preis an. Das Problem: Nach ungefähr zehn Minuten fingen Lai und der Taxifahrer einen Streit an. Der Fahrer hatte wohl den falschen Weg genommen und Lai machte ihn darauf aufmerksam. Die beiden wurden ziemlich laut und wir guckten uns nur hilflos an, da wir auch nicht verstanden, worum es genau ging. Denn der Streit fand in Yoruba statt. Auf einmal bog der Fahrer in eine Seitengasse ein und hielt an. Licht aus, Wagen aus. Er stieg aus und ging zum Kofferraum. Tausend Gedanken schossen durch unsere Köpfe: Der holt eine Knarre raus, gleich kommen seine fünf Freunde und rauben uns aus und töten uns und was zum Teufel geht hier eigentlich vor? Dann drehte sich Lai von Vorne zu uns um: „Don’t worry. He’s just changing the tire in the front.“ Wie bitte? Er wechselt den Reifen? Aber wir wollen nach Hause … Wir warteten. Als die Fahrt endlich weiterging, war es schon 21:10 Uhr. Gegen neun wollten wir zu Hause sein. Nach wenigen hundert Metern entbrannte der Streit zwischen dem Taxifahrer und Lai aufs Neue. Er hielt wieder an. Stieg aus. Passanten wurden in den Streit um den richtigen Weg hineingezogen. Wir saßen ruhig hinten im Auto. Wir dachten: „Hier steigen wir nicht aus. Wir zahlen ihm jeden Preis, wenn er uns nur nach Hause bringt.“ Schreie, Englisch, Yoruba, Passanten, die den Fahrer beruhigten bis er wieder ins Auto einstieg und anscheinend endlich den richtigen Weg fuhr. Bis wir dann auch noch in einem der vielen Staus stecken blieben. Es gab noch eine Schlägerei direkt neben unserem Taxi. Wir schauten uns wieder nur an: „Bitte, wir wollen nur nach Hause.“ Aber wir warteten. Gegen zehn stiegen wir endlich aus diesem Schrott-Taxi aus und liefen den Rest des Weges. Endlich zu Hause, Duschen, Auspacken, Ausruhen, Lai schnell verabschieden. Küche. Strom ging wieder an. Juhu!!! Schnell noch etwas essen und trinken. Plötzlich schrie Julia auf: An der Wand krabbelte eine Monsterkakerlake. Fünf bis sechs Zentimeter groß, fast zwei breit. Erster Gedanke: „Töten!“ Zweiter: „Aber wie? Mit dem Schuh? Das geht nicht. Die krabbelt an der Wand. Und so schnell.“ Mit einer kleinen Plastikschüssel schmissen wir das Monster in eine große Schüssel, die mit Wasser gefüllt war. Und das unter Mädchengeschrei und –gegacker. Leider unterschätzten wir die Kakerlake, denn die konnte besser schwimmen als die meisten Nigerianer. Tutu kam in die Küche. Hilfesuchend schauten wir sie an: „Cockroach!“ An solche Viecher gewöhnt, nahm Tutu die Kakerlake bei einem der langen Fühler – mit der Hand. Warf sie auf den Boden und schlug zweimal mit einem Besen auf das Tier ein. Zack, Problem gelöst. Die Deutschen beruhigt. Als wir ihr von unserem Tag erzählten, konnte sie unseren kleinen Kakerlaken-Aussetzer verstehen. Wir hoffen, dass Morgen ein besserer Tag auf uns wartet. +++ Ab Mittwoch wieder heiter und sonnig 16. August 2006. So nah liegen Himmel und Hölle manchmal beieinander. Nach den ersten negativen Nigeria Erlebnissen hatten wir heute wieder einen super Tag. Überraschenderweise war unserer Fahrer schon fünf Minuten früher da als verabredet – gegen 6:25 Uhr. Er brachte uns ins Nationalstadion zum Training der Mannschaft von Search and Groom. Weil es für Sportler sonst kaum gute Sportstätten gibt, trainiert hier scheinbar halb Lagos. Einfach mal um den Block joggen, das macht hier keiner.

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Illustration: Julia Schubert

Die Jungs von Search and Groom kicken gar nicht schlecht. Sie hätten beim festival06 in Berlin bestimmt eine gute Chance gehabt, wenn ihnen nicht das Visum verweigert worden wäre.

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Illustration: Julia Schubert

Vom Stadion ging es dann gegen zehn ins Büro. Der Arbeitstag verlief ruhig und schnell. Gegen fünf machten wir Feierabend, besorgten noch ein paar Kleinigkeiten und fuhren dann zu Radio EKO FM, einem der größten Radiosender in Lagos. Wir sollten dort den Schlüssel für unsere Wohnung von Tutus Bekanntem, Mr. T, abholen. Alles ging ganz reibungslos. Wir fuhren sogar das erste Mal in einem Keke Napep. Keke Napep, die aussehen wie eine Mischung aus indischer Rhikscha und Monster-Dreirad. Sie sind in den Farben Nigerias angestrichen, in weiß und grün. Und die Fahrt kostet praktisch nichts: 30 Naira pro Person.

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Im Sender trafen wir einen hier sehr berühmten Sänger und Comedien: „No more loss“. Ohne Lai an unserer Seite hätten wir das gar nicht gewusst, sondern „No more loss“ einfach auf unserer Kennenlernliste abgehackt. Doch Lai meinte gleich zu uns: „Hey, he is really famous.“ – „O.k. Ähh. What do you do?“ – Am Ende kopierten wir uns sein neues Album, das erst noch veröffentlicht wird und er lud uns zu einer Session am Freitag ein. Zugegeben, manchmal hat es schon große Vorteile, weiß zu sein. Man fällt auf und egal wie man aussieht – und wir sahen wirklich fertig und dreckig aus – man wird von den wichtigsten Leuten eingeladen. Alle sind immer nett zu einem. Gleich nach „No more loss“ lud uns dann auch noch ein Radio-Journalist zu seiner Morgensendung ein. Als ob das noch nicht genug Positives für den Tag gewesen wäre, kam gleich noch etwas hinterher. Auf der Suche nach einem Taxi zu unserer Wohnung, halfen uns ein paar Polizisten. Sie überzeugten einen Kleinbusfahrer uns für 500 Naira zu fahren – ganz allein im Bus, in den sich sonst 15 Menschen hineinquetschen. Sie hielten sogar den ganzen Verkehr für uns auf, damit der Busfahrer auf einer großen Kreuzung wenden konnte. Generell grüßten uns die Leute heute den ganzen Tag lang. Sie freuten sich, dass wir nach Nigeria, in ihr Land, gekommen waren und sie besuchten. Immer wieder stellten sie uns die Fragen: „Oyinbo, how are you? Are you enjoying my country?“ Es war einfach ein grandioser Tag. Nachtrag 22:45 Uhr: Wir haben gerade ganz allein unsere erste Monsterkakerlake getötet. Ohne Geschrei, ohne Gegacker, mit der Kraft unserer Beine, Füße und des Besens. Wir leben uns langsam ein.

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2. Eintrag Die ersten Schritte über afrikanischen Boden Wir sind sicher in Lagos angekommen. 14:13 Uhr Ortszeit landete unser tolles Emirates-Flugzeug auf afrikanischem Boden. An dieser Stelle müssen wir noch einmal darauf verweisen, dass wir Emirates nur weiterempfehlen können. Unsere Flüge von Düsseldorf nach Dubai und dann nach Lagos waren super. Vor allem der letzte: eine Auswahl an 50 Filmen (aktuellen), tausende von Alben und Radiosendern, Fernsehserien, Nachrichten, und und und… Egal! Der erste Eindruck: Es ist warm, nicht zu warm, genau richtig. Der Himmel ist immer bewölkt, aber geregnet hat es noch nicht. Das Wetter ist viel besser als in Deutschland, weil die Wärme erträglicher ist. Wir schwitzen überhaupt nicht, um mal persönlich zu werden. Lagos: Es ist dreckig, die Luft voller Abgase, und gleichzeitig wunderschön. Weil die Leute einfach super positiv sind und sehr nett. Die Kinder rufen uns immer Oyinbo, Oyinbo zu. Also Weiße. Selbst ein paar Erwachsene können es sich nicht verkneifen. Wir sind die einzigen Weißen weit und breit. Wir wohnen bei einer Cousine unseres Chefs - bei Tutu. Sie lebt in einer der besseren Gegenden in Lagos. Von außen würden wir Deutschen das Haus trotzdem als heruntergekommen bezeichnen. Der Putz bröckelt von den Wänden, es ist dreckig, die Fenster sind teilweise kaputt und die Eingangstür aus Holz hat Risse und Löcher und lässt sich nicht richtig öffnen - nur mit Gewalt.

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Unsere Wohnung! Die Wohnung an sich ist aber sehr nett. Wir haben ein Zimmer zu zweit. Jetzt auch mit Tür. Die hat Tutu erst einsetzen lassen. Fließend Wasser gibt es auch nicht. Das lässt sich Tutu immer in riesigen Kanistern liefern. Geduscht wird also mit erhitztem Wasser, dass man mit kleinen Schüsselchen über sich gießt. Geht erstaunlich gut. Und man lernt Wasser echt zu schätzen. Fließend Wasser gibt es hier nur in den ganz teuren Restaurants und Wohngegenden. Sonst nirgendwo. Zum Thema Gesundheit lässt sich noch Folgendes schreiben: Uns geht es gut. Die ersten Moskitostiche, die aber nach einer Stunde bereits wieder verschwunden waren, haben wir schon hinter uns. Vielleicht waren es keine Moskitos… Bislang hatten wir jedenfalls noch keine persönliche Begegnung der dritten Art. Angeblich soll es hier nur so von Kakerlaken wimmeln - sagt sogar Tutu. Aber die haben sich uns noch nicht präsentiert. Gott sei Dank, denn die sollen vier Mal so groß sein wie die deutschen. Wir bewegen uns hier nur per Auto fort. Ist auch besser so, denn als Fußgänger wird man leicht überfahren. Es gibt keine Gehwege. Man läuft einfach am Straßenrand und hofft, dass man nicht in den Kanal fällt, die hier überall sind oder von einem Auto bzw. Moped überfahren wird. In den Kanälen sammelt sich alles, was man nicht mehr braucht und das Abwasser. Das schimmert dann immer bläulich oder grünlich. Oder es ist einfach von einer seltsamen weißen Schicht bedeckt. Trotzdem schwimmen da immer ganz viele kleine Fische drin rum.

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Einer der vielen Abwasserkanäle Am Straßenrand wird übrigens alles verkauft, was man sich vorstellen kann. Leute mit riesigen Tellern auf dem Kopf verkaufen Zitronen, Autozubehör, Bananenchips, Telefonkarten, und und und. Eigentlich braucht man keinen Supermarkt mehr.

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Neben den Einzelhändlern gibt es auch allerhand Buden. Das sind aus verschiedenen Brettern zusammengezimmerte Häuschen mit Wellblechdach. Letztens sind wir an einer Bude vorbeigefahren, die fast auseinanderfiel. Die Bretter waren teilweise ab oder hingen herunter. Aber der Händler hatte eine große Auswahl an HP-Druckern. Eine kleine schlechte Nachricht gibt es noch: Unser Südpartner Eze wurde gefeuert. Er ist nicht mehr im Projekt und wir müssen deshalb erst einmal neu planen. Aber wir haben viele andere neue, nette Leute hier. Und es wird von Tag zu Tag schwieriger sie auseinander zu halten.


1. Eintrag Lagos. Chaotisch, lebensfroh und fußballverrückt? Wir sind für drei Monate in Lagos, Nigeria, bis November.

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Wir, das sind: Julia Klingner, Diplom-Sportwissenschaftlerin (rechts) und Nicole Scherschun, Journalistik-Studentin. Was machen wir da eigentlich? Entwicklungszusammenarbeit, wie es neuerdings heißt. Wir werden für eine Nichtregierungsorganisation arbeiten. Die NGO heißt Search and Groom und versucht, über Straßenfußball benachteiligte Jugendliche zusammenzubringen. Gleichzeitig will die Organisation auch über HIV/Aids aufklären und zum Beispiel das Umweltbewusstsein stärken. Wie das geht? Noch haben wir es nicht gesehen, aber wir haben uns sagen lassen und gelesen, dass die Teams vor einem Straßenfußballturnier beispielsweise erst einmal Müll in der Umgebung aufsammeln.

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Genauer können wir das natürlich erst berichten, wenn wir dort sind und es mit eigenen Augen gesehen haben. Wir wollen an den laufenden Projekten in Lagos mitarbeiten, außerdem stehen Fundraising und PR-Arbeit auf unserem Arbeitsplan.

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Illustration: Julia Schubert

Wie wir nach Nigeria kommen? Wir haben uns beim ASA-Programm beworben, ASA heißt Arbeits- und Studienaufenthalte im Ausland. Dabei werden dreimonatige Aufenthalte in mehr als 150 Projekten auf der ganzen Welt gefördert. Voraussetzung: Schriftliche Bewerbung und der Besuch eines Workshop. Vor der Ausreise haben uns ehemalige Teilnehmer in zwei Seminaren gründlich auf den Aufenthalt vorbereitet: Was man beachten und organisieren muss. Flug, Unterkunft, Impfungen und alles andere haben wir selbst arrangiert. Unser Projekt ist übrigens ein Nord-Süd-Projekt. Eine Besonderheit unter den ASA-Projekten. Normalerweise gehen zwei Leute aus dem Norden (Deutschland, Schweiz oder Österreich) in den Süden. Bei Nord-Süd kommt auch jemand aus dem Süden nach Deutschland. In unserem Fall war das Eze von Search and Groom, der drei Monate - von April bis Mitte Juli - in Berlin verbrachte. Dort haben wir die letzten vier Wochen für streetfootballworld gearbeitet. Ein Netzwerk, das mehr als 80 Straßenfußballprojekte auf der ganzen Welt koordiniert. Gemeinsam mit Eze und weiteren elf ASA-Teilnehmern, die nach Kenia, Peru oder Süd-Afrika gehen, haben wir das festival06 mitgestaltet - die erste Straßenfußball-WM, die vom 02. bis zum 08. Juli in Berlin stattfand. Dort hätten wir das Team von Search and Groom betreuen sollen, was aber leider nicht möglich war: Die deutsche Botschaft hat der Mannschaft die Visa und somit die Einreise verweigert. Umso mehr fiebern wir nun den drei Monaten entgegen, um auch endlich unser Team kennen zu lernen. +++ Mehr in Nicoles eigenem Blog zu ihrer Zeit in Nigeria. Hier findest du einen Überblick über alle ASA-Blogger.

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