Wir haben auch Elefanten gesehen...

Jedes Jahr machen Stipendiaten des ASA-Programms Praktika in Entwicklungsprojekten. Simona aus Litauen und Ullika aus Deutschland sind gerade in Zambia und befassen sie sich mit Streitigkeiten zwischen Landbesitzern und Siedlern. Im aktuellen Eintrag schreibt Ullika, warum sie Millionärin ist. Und doch nicht ist. +++ Hier die Übersicht über alle acht ASA-Blogs auf jetzt.de.
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Illustration: Julia Schubert
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2er Wohnheimzimmer in dem Rohlinge verkauft und CD/DVDs gebrannt werden Soviel an dieser Stelle zum Projekt, das wie sich mehr und mehr herausstellte wirklich nicht the only important thing war. Es gibt exotische Erfahrungen und Anekdoten, aber vor allem haben wir den Alltag in Kitwe erlebt. Den Alltag und die täglichen Sorgen und Freuden einer ganz bestimmten Gruppe von nicht in der Prekarität lebenden Angehörigen einer, sagen wir mal: Mittelschicht. Den Alltag der anderen konnte man im vorübergehen sehen. Keine Zambia 2006-Bilanz ohne Impressionen vom Wahlkampf. In dessen heiße Phase sind wir unverhofft mitten reingeraten. Wahlen waren verfassungsgemäß auf jeden Fall noch für 2006 vorgesehen, aber nur weil der erfolgreichste Oppositionskandidat im Mai unerwartet gestorben war, hat Präsident Mwanawasa einen Tag vor unserer Ankunft im Land einen recht frühen Wahltermin verkündet - und die Wahlen mittlerweile gewonnen. Die Zeit dazwischen war extrem spannend, die emotionale Wahlbeteiligung in der Zeit davor und die tatsächliche am Wahltag waren hoch, unser Bekanntenkreis sehr polarisiert. Anders als bei den vorherigen Wahlen, als 11 Kandidaten angetreten waren, standen diesmal nur 5, davon 3 mit ernsthaften Chancen, zur Debatte. Auch wenn Mwanawas schließlich wieder gewonnen hat, schien Wandel tatsächlich möglich, war die Stimmung teilweise am kippen. Zuviele Eindrücke, als dass ich einen schnellen Blogartikel geschafft hätte, da wird wohl eher ne Diplomarbeit draus…

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Kochen bei Stromausfall (1x) Auf die Ortswahl innerhalb Zambias hatten wir ja keinen Einfluß. Im nachhinein bin ich froh, in Kitwe, einer Großstadt in der Industrieregion Zambias gelandet zu sein. Ein Vergleich mit dem eigenen Leben zu Hause fällt damit differenzierter aus, als wenn es uns in ein Bauerndorf irgendwo in der Pampa verschlagen hätte, wo dann wirklich alles ganz anders gewesen wäre. Zwei Monate an einem Ort; eine Annäherung an die Lebensrealität und Einblicke in den Alltag sind in so einer Zeit möglich. Nicht viel mehr, nicht viel weniger. Knapp 50% der Zambier leben in Städten. Es gibt viel Armut, offensichtliche strukturelle Probleme und himmelschreiende Ungerechtigkeit. Ein schrecklicher Populist wäre beinahe Präsident geworden und in den Städten hat er die Wahl gewonnen. Aber: Es gibt auch viele Berührungspunkte mit unserem Leben, Anlässe zur Hoffnung, die durch die Filter der Medien selten durchkommen. Vieles ist in Bewegung, es gibt engagierte zambische Initiativen und vor allem viel „ganz normales Leben“, das sich von unserem gar nicht so unterscheidet. Oder manchmal in ganz anderen Dingen unterscheidet als ich so gedacht hätte. (Für Beispiele schaut mal unsere Liste, 1. Eintrag an...)

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Kochen mit Strom (99% der Zeit) Zurück zu Hause mache ich mir einen Kopf darüber, ob man mit Afrooptimismus was gegen Afropessimismus ausrichten kann. Oder sollte. Letzte Woche habe ich Darwins Alptraum noch einmal gesehen und ärgere mich immer noch. Wer sich nach diesem Film, hilf- und machtlos fühlt und denkt, denen ist nicht zu helfen, damit habe ich ja nun wirklich nix zu tun und da (Tansania, eins der Lieblingsländer für Afrikatouristen) will ich nie hin, den kann ich verstehen. Aber wenn der Kameramann mal nach links und rechts geschwenkt und ein paar andere, weniger fertige Leute interviewt hätte, wäre ein ganz anderes Bild entstanden. Ohne dass man denken würde, alles sei in Ordnung wie es ist. Einseitige Wahrnehmung gibt’s andersrum genauso. Achtet mal drauf, was für Gebäude, Menschen, Autos, Lebensrealitäten von Europamerika in Hollywoodfilmen und deutschen TV-Romanen gezeigt werden. So ungefähr sehen viele Zambier uns Europäer…

[b]7. Eintrag[/b] (online seit 16. Dez 2006) [b]Länderspiel[/b] Irgendwie* waren wir ins Stadion geraten, als die zambische Nationalmannschaft zu Hause Botswana schlug. Damit qualifizierten sich die „Chipolopolo Boys“ wie die zambische Mannschaft bei Fans und Medien heißt, für das Finale des COSAFA-Cups, der südafrikanischen Meisterschaft, die sie mittlerweile gegen Angola gewonnen haben.

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Zambia-Fans * Erst hatten wir das diesjährige Turnier einer Freundin aus Kitwe und ihrer Frauenfußballmannschaft leider verpasst. Weil wir nämlich an einem Samstag recht spontan doch arbeiten mussten und uns dann auf dem Weg zum Fußballplatz verlaufen hatten. Aber ein Kollege, der wegen lauter Fahrbahngeräusche weniger als die Hälfte verstand, nahm an es ginge um das kommende Woche stattfindende Länderspiel in der Hauptstadt. Da müssten wir unbedingt hin. [i]Geht das einfach so, wir haben doch gar keine Karten und Lusaka ist doch auch ganz schön weit…[/i] Überhaupt, Fußball – bei mir hatte es in den letzten Wochen zwar immer zum WM-smalltalk gereicht, während Simona als erklärter Basketballfan derartige Gespräche frühzeitig in eine andere Richtung zu lenken pflegt… [i]klar geht dass, Karten gar nicht so teuer und immer noch welche zu haben, da müsst ihr hin.[/i] Na gut, nach Lusaka hatten wir schon immer mal fahren wollen. Eine Kollegin musste sowieso für eine Hochzeit dort hin und versprach uns mitzunehmen. Wir sollten uns um kurz vor 6h treffen. Bei einer ganz bestimmten der 10 verschiedenen Buslinien, die an fast ebenso vielen verschiedenen Orten in Kitwe abfahren. Dann würden wir einen Platz im ersten der täglichen Busse dieser Linie – nicht zu schnell/gefährlich und nicht zu langsam, Preis ok – bekommen. Schon ab 7h müsste man länger drauf warten, dass sich der Bus füllt und dann abfährt. Das Leben in Zambia geht allgemein recht früh los, aber kurz vor 6h im Zentrum von Kitwe sein heißt ganz schön früh aufstehen. Der Nachtwächter, der unsere und die 20 anderen Wohnungen in unserem Hinterhof und vor allem das große Tor in der hohen Betonmauer bewacht schläft jedenfalls in seinem kleinen Häuschen. Damit hatten wir nicht gerechnet, klopfen, rufen, dickes Vorhängeschloß gegen das Eisentor wummern helfen nix und wir haben Angst, dass der erste Bus ohne uns nach Lusaka fährt. Darum klettern, springen, zur Hauptstraße humpeln. Da fahren entgegen unserer Hoffnungen noch keine Minibusse. Also heute mal in die Stadt mit dem Taxi, die findet man nämlich immer. In Kitwe geht die Sonne gerade auf, ein paar Stände des Marktes, der über Nacht leer geräumt ist, stehen in Flammen, aber das scheint niemanden der umstehenden zu beunruhigen und wir steigen in einen großen Reisebus. Während wir warten, dass sich die letzten Plätze füllen, gehen Leute durch den Bus, die was anzubieten haben. Zeitungen, fettiges Gebäck, Kaugummis, Getränke, Handyaufladekarten vor allem. Wir brauchen nichts und wollen eigentlich schlafen. Das Problem ist dann gar nicht so sehr, dass es Anaconda vor 7h morgens ist, sondern vor allem die Lautstärke mit der Anaconda vor 7h morgens abgespielt wird. Es folgt Hotel Ruanda, etwas leiser nun, und schon bald sind wir in Lusaka. Unsere Kollegin hat noch ein paar Stunden Zeit für uns, aber dann müssen wir uns selber beschäftigen und tatsächlich landen wir in der Gesellschaft von Leuten, die unbedingt zum Fußball wollen. Zambia spielt gegen Botswana, wie sich herausstellt. Die Innenstadt ist voll mit Zebrafans (Botswana-Anhängern in gestreiften Trikots) und überall stehen Typen rum, die mit Tickets wedeln.

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Zambia-Fan Der Eindruck der Zebra-Dominanz täuscht allerdings, denn die Fans der Chipolopolo Boys sind schon auf dem Weg ins vor den Toren der Stadt gelegene Independence Stadion. Ihr müsst früh da sein, hatte man uns gesagt, und so sind wir früh – etwa 3h vor Anpfiff – am Stadion. Wer genug Geld hat (ca. 2€) kriegt problemlos noch eine offizielle Karte. Für den gleichen Preis kaufe ich einen Zambia-Fanschal. Bei über 30 Grad sind die grün-schwarz-rot-orangen Schweißbänder eigentlich angebrachter – und leider schon ausverkauft. Vorbei an bewaffneten Polizisten gehen wir ins Stadion. Wir schauen uns nach geeigneten Plätzen um und stellen fest, dass wir, weiß und weiblich, ab sofort zwei absoluten Minderheiten im Stadion angehören. Da wir uns von der dritten, den Botswana-Fans, allerdings deutlich abheben, entsteht uns daraus kein wirklicher Nachteil und wir sind von nun an hauptsächlich auffällig. Auf dem Weg durch die Reihen schlagen wir erst zaghaft, dann selbstbewusster in unzählige Hände, die uns entgegen gesteckt werden ein, winken den johlenden Leuten zurück und setzen uns irgendwo in einen der mittleren Blöcke. Wir werden von allen Seiten willkommen geheißen – nicht nur hier im Block bzw. ganzen Stadion, sondern in ganz Zambia und überhaupt. Wie so oft, wenn mir die Aufmerksamkeit und die grundlose Vorschusssympathie unangenehm ist, frage ich mich, wie die gleichen Leute wohl in einem deutschen Stadion begrüßt würden, wenn sie es denn hinein geschafft hätten. Jemand schenkt mir eine Trillerpfeife und wieder, [i]Welcome to Zambia, schön dass ihr da seid.[/i] Wir sind viel zu früh da. Der Kameramann, der das Spiel vom Dach der gegenüberliegenden Tribüne filmen soll, überbrückt die Zeit mit schlafen. Wir beobachten und werden beobachtet- wie so oft in den letzten Wochen. Dann kehrt sich eine Situation um. Lange bevor ich mich traue, selber meine Kamera rauszuholen kommt der erste professionell wirkende Fotograf und macht Bilder von uns. Einzelne der Umsitzenden springen auf, setzen sich zwischen uns und wollen auch mit drauf sein. Während sich das Stadion langsam füllt und wir nicht widersprechen – schließlich haben wir schon unzählige Male Fotos von Fremden gemacht, ohne ihnen wirklich eine Wahl zu lassen - kommen andere Fotografen und andere Fußballfans, die ohne groß zu fragen oder zu erklären für ein Bild mit uns posieren. Später erfahren wir das Prinzip: man gibt ein Foto in Auftrag, bezahlt ca. 30 cent und tauscht mit dem Fotografen die Handynummer aus, um dann ein paar Tage später irgendwo in Lusaka eine Übergabe der entwickelten Bilder zu verabreden.

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noch schläft der Kameramann... Als es schließlich auf dem Feld losgeht mit Aufwärmen, Militärkapelle und Hymnen, wacht der Kameramann auf. Das Stadion ist jetzt ganz schön voll aber es gäbe noch viel Platz für die, die draußen stehen und reinwollen. Von oben kann man beobachten, wie sie mit langen Schlagstöcken davon abgehalten werden, ins Stadion zu strömen. Wie bei Pauli wissen sich die Leute zu helfen und setzen sich in die Bäume. Was dann folgt ist halt Fußball. Hin und her und einmal ein Tor, ein paar Chancen davor und danach. Trubel, Jubel, singen und Trainerentscheidungen kritisieren. Enthusiastisches aufspringen, wieder hinsetzen und die noch Stehenden in den Reihen davor anpöbeln. Die Blöcke nebenan erweisen sich als trommel- und singstärker. Bier gibt es nicht, aber komisches Hartalkkonzentrat wird um uns herum fleißig gekauft und in anderen Getränken aufgelöst. Einmal rennt ein Fan aufs Feld, kann unter gejohle der Zuschauer ein bisschen zickzacklaufen bevor er von den Uniformierten rausbegleitet wird.

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billige Plätze>> Practical advice: The most practical option would be falling in love with a girl from “Bemba” tribe. They are much more cheap than, lets say, “Tonga” ladies. The first one you can get for a chicken, however, for the second one you would have to deliver at least several cows for the bride’s family. 2. If you decide to live with Zambian men or women in one apartment without getting married, keep in mind, that according to Zambian Customary law, after six month living together you are considered to be married. >>> Practical advice: We suggest you not to apply European standards to relationship with Zambians. After six month living together, the girl is allowed to make property claims in the High Court. 3. If once your Zambian male friend or colleague just dropped by to say “hello” and at that time you were just having your dinner, don’t be surprised if the man refuses from coffee and snacks. It does not necessarily mean that he is not hungry: could be that he is just married. According to the strict Zambian rules, if man comes back to his wife’s place after his long and hard day, but he is not hungry, it can be a reason for suspicion of cheating. >>> Practical advice: Just try to find other means to express your hospitality. Or … invite him for a cup of coffee during the lunch time. 4. If you are planning to create a family with Zambian man, double check his marriage status. Your beloved especially deserves attention and investigation, if he is coming from the Southern part of the country. In some Zambian tribes, man are allowed to have more than just one wife. And this applies not only to the villagers, but also to the well educated and rich Zambian men. >>> Practical advise: Even if the man seems to be perfect and boosts his title of being a “chief”, better think twice if you would really like to be “only one of many” women in his house… 5. If, at the end of a day, you have decided to get married or maybe you already did, keep in mind some advises towards the divorce procedures. If things are going not in the way you were expecting and cultural differences are annoying you too much, there are few options to get divorced. *The first one is quite simple: if you are a lady, your family just has to return a symbolic payment (called “Insalam”) to your husband. This payment, according to Zambian traditions, is usually given to the bride’s family and means “asking for the hand”. It has to be handed in even before man and girl’s family start negotiating “labola” price. Do not worry: This payment is not bigger than one euro. *The other way to divorce your Zambian beloved would be going straight to the High court. >>> Practical advice: If you really have not that much money left and you want to escape from your marriage as soon as possible, rather go for customary divorce option. But if you want to get things done in “European way” or you were married in the High Court – sorry, you have to go throw all bureaucratic procedures.

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Noch nicht verheiratet: Simona aus Litauen.

4. Eintrag (Online seit 12. Nov 2006) Simona schreibt: A short story about Zambian media Mwila Mutale is a senior journalist in the Zambian National Broadcasting Cooperation (ZNBC). He works in Kitwe, second largest town in Zambia. His office is quite empty, however contains a table, chair and a couch for visitors. No land line, no computer. While we were talking, Zambian president’s portrait, hanged on the wall, was watching us from above, like a “big brother” from the novel “1984” by Goeorge Orwell. With M.Mutale we talked for more than an hour, discussing political situation in the country as well as its shadow on media workers and their daily routine. There follows few explanations about “journalistic reality on the ground”, mostly drawn out from our conversation. Can we talk about the freedom of expression in Zambia? The journalist frankly replays: “No, we can not”. And there are few reasons why. Firstly, Zambia still has got no “Public information” law and that complicates journalists’ work a lot. The only news agency in Zambia (ZANA), in M.Mutales’s words, “is absolutely under the wing of government”. National broadcaster is sponsored by the Government and both ZNBC radio and TV programs are often used as its communication tools. Journalists also find it difficult to walk a thin line between public and officials’ interests. That is why M.Mutale, as well as other media workers in Zambia, applies a “self censorship” to all his production. What is news according to Zambian media? If you turn on ZNBC evening news, most probably you would be surprised by immature news production. Journalists in Zambia do not seem to have very high standards of reporting. Both, lack of experience and modern news production technologies, should be blamed for this. Anchors are still reading news from a sheet of paper in the mean time providing people with short cut from the interview rather than a news report. However, it would be hard to judge journalists for this current media situation. ZNBC is controlled by Government as well as two big newspapers: “Daily mail” and “Times of Zambia”. M. Mutale says: "Our news events are official press conferences and other political issues, about which journalists are usually informed via news agency”. As September turned out to be a very intensive month in political sense (Zambians were having their tripartite election), most of the media air time has been used for political debates and reports from public rallies. Even though ZNBC and other media organization had promised to provide all candidates with equal air time for campaign, it was obvious, that ruling party and their candidate dominated in news. What does the Zambian audience like and dislike about their media? In bigger towns you can find plenty of people selling both Governmental newspapers and so called “independent” ones, like the most popular one “The Post”. In urban areas, people are really keen on reading those newspapers; however radio still remains the most popular media in the country. That is because the majority of Zambians still can not afford to buy a TV or even a newspaper. Those, who are proud to have cable TV at home, often rather prefer watching Nigerian movies and consuming Hollywood production than watching ZNBC. “It’s just simply boring”, - they say. Moreover, people perceive all ZNBC production with a certain degree of suspicion as journalists, working in the National Broadcaster, are often seen as “spies of the Government”. In general, TV culture in urban areas of Zambia is quite wide spread. People are spending most of their free time watching movies and American soap operas. In fact, it ends up being a very special way of communication: If Zambian invites you for dinner and, while eating traditional “nshima”, he offers you a remoter. You schould rather accept it. Letting you choose your favorite movie or program could be a very specific way to express hospitality. 3. Eintrag Stop suffering Simona schreibt: "Stop suffering, it is time to be the best! They are here to pay attention to all your problems and diseases. Treatment is done in seven days and has a guarantee”. This headline is picked up from one of the plenty advertisements in the Zambian newspapers. Traditional healers claim to be able to “bring back lost lover”, “heal from HIV/Aids”, help to win “court cases”, “attain good luck in business”, “recover lost property” and “stop husband or wife from cheating”.

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Was zum heilen, oder was? If you ask a Zambian whether they believe in “spiritual doctors” or not, most probably you would hear either “yes, they have power, they are here” or “no, I am a full time Christian”. However, so called “witch craft” and all “herbal healing” practices still play a role in the daily life of many Zambians. Desperate women, who want to have their runaway boyfriend back, perhaps will rather try to get some magic powder from “healer almighty” than any other means or techniques. Moreover, if one of the family members falls ill, very often relatives will start the healing process not with the treatment in a clinic, but rather with investigation. Because here, in Zambia, you never know. What if the cause of the disease is a curse, coming from jealous neighbor? So if you are in Zambia and you encountered some problems with your libido, want to get rid of any type of STD, have problems with prolonged periods - you could meet one of the local healers. It should not be hard for you to find them. Just go to the nearest market and look around. You would recognize them easily as they usually have huge and much promising advertisements. And of course, tables full of colorful powders, plants, roots or even bones. “We are not witch doctors, we are healers. We are Christians and we have a gift of seeing, that comes from God. Moreover, we can talk to our ancestors’ spirits. We refuse to kill people if someone asks. However, we know how to prepare poisons”, you would definitely hear the most common explanation and excuses used by local traditional doctors if you take the time to talk to them. No surprise. Witchcraft activities in Zambia are considered to be a criminal offence and can lead either to paying penalty (if you are lucky) or even imprisonment. On the other hand, traditional healers are operating so legally, that they even have got official permits issued by the government. Just in case you always dreamed of becoming one of them (traditional healers/fortune tellers): Zambian wizards are ready to introduce you to their healing secrets as soon as you are ready to spend together with them more than a week. If only you are possessed and hardworking, the traditional doctor will gladly take you “to the bushes”, where you both are going to look for tortoises, snakes and some roots. However, if you feel that one week witchcraft course is too long for you, you can always choose to be a consumer. Traditional healers would not charge you a lot for one pile of smoking plants that, hopefully, should make your beloved man or women go crazy about you.

2. Eintrag Ullika schreibt: "The project is not the most important thing". Diesen Titel hatten sie uns auf den Vorbereitungsseminaren immer wieder mit kreativen Visualisierungsmethoden eingehämmert. Bei den professionellen Konfliktmanagern in Südafrika klang das Ganze etwas anders, aber auch hier sensibilisierte man uns dafür, dass wir aus einem “kulturellen Hintergrund mit Zielorientierung kommen”, uns aber “höchstwahrscheinlich auf ein prozessorientiertes Arbeitsfeld einstellen müssten.” Alles klar, wir sollen bloß nicht enttäuscht sein, wenn es nicht so läuft wie geplant, aber "the project" war für uns natürlich schon "the most important thing", denn sonst wären wir schliesslich nicht mal eben für drei Monate gerade nach Zambia gegangen um uns mit Konfliktforschung zu befassen.

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Ullika. Viel mehr als die Tatsache, dass unser Projektpartner eine Uni ist, hatten wir dennoch vor Abreise nicht herausbekommen können. In seinen Mails hatte Daniel, unser Kontakt in Kitwe, die Frage, was für Konflikte die CBU genau untersucht, konsequent ignoriert. Auf dem Campus angekommen, beginnen wir zu erahnen warum. Daniel ist nicht da, aber Mwangala, Sekretaerin in seinem Institut, heißt uns herzlich willkommen. Sie hat am Abend zuvor das mehrstündige offene Buhlen um uns als Mieter in ihrem Haus gewonnen – gegen Brian. Der ist ein junger aufstrebender Geschäftsmann, den wir anfangs für einen extrem amerikanisierten Angeber hielten, der aber, wie mittlerweile klar ist, einfach ein recht typischer männlicher Zambier ist. Auf einer ausgedehnten Vorstellungsrunde über den Campus lernen wir einiges über zambisches Interesse an Fremden, afrikanische Zeit (unberechenbar) und die besondere Vorliebe für Formalitäten (Titel, Belege, Protokolle & Berichte aller Art). Gleichzeitig erfahren wir nebenbei mehr über “das Projekt”. Wir sind, wie wir einem Protokoll entnehmen, jetzt Teil eines sechsköpfigen Teams. Neben Daniel, Chef des ganzen und abwesend für die nächste Zeit, sind da noch Musoli und Josphat, zwei junge Dozenten und eben Mwangala. “Us we are mappers, they are called interns” erklärt sie allen wichtigen Leuten durch deren Büros sie uns führt stolz. Leise fragt sie uns zwischendurch, ob wir denn genauer wüssten, um was es hier eigentlich gehen soll, wo sich doch Daniel nicht sehr klar ausgedrückt hätte vor seiner Abfahrt. Die drei haben an einem ähnlichen Training wie wir in Südafrika teilgenommen und wurden recht spontan darüber informiert, dass die seit langer Zeit geplante praktische Durchführung einer Konfliktanalyse jetzt beginnt. Das erzaehlt uns Musoli, während sie uns in einem idyllischen Strohdachpavillon beibringt wie man mit der Hand das zambische Nationalgericht Nsima (relative geschmackneutrale Maismehlpampe, aber leckere Beilagen) isst. Und während wir die nächste Woche darauf warten, dass die ganze Sache ins Laufen kommt, haben wir genug Zeit, die diesjaehrige Graduierungsfeier der CBU zu bestaunen, erste Kontakte zu Studenten zu knüpfen und viele dumme Fragen zu stellen. Langsam aber sicher macht sich die Erkenntnis breit, dass das Ergebnis des Projekts, wirklich nicht das wichtigste ist. Von unserem prozessorientierten Leben in Kitwe an dieser Stelle bald mehr.

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... herrjee! Simona schreibt: Even though it is Sunday, seven o’clock in the morning, Zambian people are kicking their kids and relatives out of their beds. That is because Zambia, even according to its Constitution is a ‘Christian nation’ and skipping church ceremonies without any good excuse would be inappropriate. However, three hours in the Church on Sundays could turn out into a really good experience even for the greatest atheists. The venue for praying and church pals’ meeting could even be a classroom in a school. However, on Sundays this space would be crowded with faithful people, who obviously differ in their age, interests and even social status. It seems that here in Zambia, religion really brings people together. And it is not only about praying: practical advises on everyday life, coloured with metaphors and allegories, a glass of juice together with ‘sisters and brothers in Lord’ every Sunday or even church women parties with gift exchange are important parts of the everyday lifes of most people. People are also enjoying themselves while singing songs in vernaculars and dancing traditional dances. And only if you are in Zambian Church for the very first time you will be surprised by ‘mini performances’ prepared by few families from the particular Church community. By the way, even though you might have found yourself in a Zambian Church just out of curiosity or even ‘by chance’, most probably you will have to stand up at some point, introduce yourself to all the rest of the community members, telling why you are there and where are you staying. Could be, that pastor or priest will even invite you for a cup of tea (with a lot of sugar) and a small conversation. If you leave your phone number to any of new church friends, could be that you soon receive a call, telling they are willing to see you back home.

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Ein Zambier. At the very beginning, praying at the beginning and at the end of students’ meeting could be surprising, even though it is a meeting of Christian ‘sign language dance group’ members. Moreover, you should not get confused, if asked to pray in your own language, instead of discussing the latest soccer game results, criticizing politics or even starting ‘easy going’ chats about relationships. And one more, very personal flashback: As we were from the very beginning used to spend ‘everyday with Jesus’ (a headline on a small brown carpet for foot in our room), were taking minibusses, whose ‘Lord is Jesus’ and starting our mornings with the sound of gospel music, we weren’t too surprised by the entertainment programme on our trip to Lusaka by ‘African lines’. Preachers, speaking out of videotape, entertained us by encouraging trusting in God. Moreover, for about an hour their main message was: ‘what is your problem tonight? Alleluia!’ By the way, if a member of an “extended Zambian family” died in mysterious circumstances and relatives suspect that the person could have been poisoned, remaining people most probably would not call police. They simply believe: ‘God will take his revenge!’

1. Eintrag Zum Einstieg: Die Liste Twali temwa Zambia - wir mögen Zambia. Soviel steht nach sechs Wochen fest. Ebenso, dass Bemba verdammt schwierig zu lernen ist. Bevor wir in Zukunft ausführlicher werden, ein paar wichtige und unwichtige Fakten über Zambia und unser Leben in der Groß- und Universitätsstadt Kitwe: 1) Die Leute reden nicht nur ständig davon, wie friedlich, freundlich und offen für Fremde der Zambier an sich ist - die meisten sind es tatsächlich. 2) Zambia ist nachts wesentlich dunkler und sicherer als Südafrika. 3) Die meisten Zambier haben relativ konkrete Vorstellungen von Deutschland. 4) Die wenigsten Zambier wissen etwas mit Litauen anzufangen. 5) Die meisten Zambier sprechen mindestens zwei der über 70 verschiedenen lokalen Sprachen. 6) Geld ist Thema Nummer eins, sowohl bei denen, die es haben, als auch bei denen, die es nicht haben. 7) Religion und Zugehörigkeit zu einer der zahlreichen christlichen Gemeinden haben einen noch viel höheren Stellenwert als wir dachten. 8) Mit spätestens 15 lernt eigentlich jede zambische Frau, wie man ein Huhn schlachtet. 9) Abgesehen von Nachrichten über den Gesundheitszustand von Fidel Castro und aus dem Libanon kriegen wir hier wenig davon mit, was außerhalb Zambias passiert. 10) Seit in Zambia 1991 das Mehrparteiensystem eingeführt wurde, ist die gleiche Partei an der Macht. 11) Vielleicht nicht mehr lange, denn am 28. September finden in Zambia Wahlen statt. 12) Unsere Projektpartner haben ein anderes Verhältnis zur Zeit als wir. 13) In einer Region voller Mangobäume sind wir zu früh für die Ernte. 14) Selbst wenn jemand sein Leben lang in der Stadt gewohnt hat, ist auf seinem Personalausweis die Stammeszugehörigkeit des Vaters, sein Heimatdorf und der Name des traditionellen Chiefs der Region vermerkt. 15) Man gewöhnt sich beschämend schnell an die Dienste von Hausmädchen. 16) Man gewöhnt sich fast genauso schnell daran, nicht nur von kleinen Kindern, sondern auch von Erwachsenen regelmäßig lauthals ausgelacht zu werden. 17) Die Handydichte ist auch in den ärmeren Vierteln recht hoch und die meisten etwas Reicheren rennen mit zwei oder drei Handys herum, damit sie auch bei Netzschwierigkeiten immer erreichbar sind. 19) Es gibt in ganz Zambia keinen McDonalds. 20) Die zambische Verfassung enthält ein Hexerei-Gesetz. 21) Dag Hammarskjöld ist auf dem Weg, die Kongo-Krise zu lösen, ganz in der Nähe von Kitwe abgestürzt. 22) Unsere Mitbewohnerin und ihre Freundinnen kennen zusammen zwei Finalisten und eine Jurorin des zambischen Star Search. 23) Lariam und Moskitonetze schützen vor Malaria nicht. 24) Dass das Leben und Wirken des Zulu-Königs Shaka, der es zwar weit, aber nicht bis nach Zambia geschafft hat, sowohl vom deutschen als auch vom litauischen Schulsystem vernachlässigt werden, hat schon mehrfach Verständnislosigkeit hervorgerufen. 25) Dass Weiße Strecken über 100 Meter zu Fuss gehen und, wenn sie schon kein eigenes Auto haben, auch die Dienste von Taxifahrern ablehnen, hat schon wesentlich öfter Verständnislosigkeit hervorgerufen. 26) Man kümmert sich hier sehr um unsere Bildungslücken - die Shaka Zulu DVD-Kollektion hat zehn Teile in Spielfilmlänge. 27) Wir sind dabei.

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Simona. Über Zambia Zambia ist fast so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen, aber mit 11 Millionen Einwohner nur dünn besiedelt. Über 40 Prozent der Bevölkerung lebt in Städten. Trotz reicher Bodenschatzvorkommen gehört Zambia, das bei Unabhängigkeit 1964 eines der reichsten Länder des subsaharischen Afrikas war, heute zu den ärmsten Ländern der Erde. Dazu beigetragen haben der Einbruch der Weltmarktpreise für Kupfer in den 70ern, die daraus resultierende Schuldenkrise und politisches Missmanagement. Trotz kriegerischer Auseinandersetzungen in vielen Nachbarländern (Kongo, Angola, Mosambik, Zimbabwe) ist Zambia seit der Unabhängigkeit friedlich geblieben. Dennoch gibt es in Zambia auch nach friedlicher Einführung des Mehrparteiensystems 1991 zahlreiche ungelöste gesellschaftliche Probleme. Das Konfliktpotential hat im Kontext von Liberalisierung und Privatisierung, hoher Armut und sinkenden Lebensstandards eher zugenommen. Besonders die Landfrage ist von Bedeutung, da unter prekären wirtschaftlichen Bedingungen der Zugang zu Land für einen Großteil der Bevölkerung zur Existenzfrage wird. Kitwe ist die zweitgrößte Stadt des Landes und liegt im “Copperbelt”, der Bergbauregion Zambias an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo. Hier befassen wir uns in Zusammenarbeit mit der Copperbelt University (CBU) mit Konfliktmanagement und führen ein sogenanntes “Conflict Mapping” durch. Gegenstand der Konfliktanalyse ist ein Streit zwischen einem Landbesitzer, und über 300 “illegalen Siedlern” bzw. Familien, die teilweise seit über 40 Jahren auf diesem Land leben und anbauen. Unsere Arbeit ist Teil des größeren Projektes “Conflict Analysis in Southern Africa” an dem insgesamt drei ASA-Tandems beteiligt sind. Nach einer zehntägigen gemeinsamen Trainingsphase in Pretoria haben wir uns für zwei Monate in verschiedenen Ländern im südlichen Afrika (Zambia, Malawi, Südafrika) verteilt. Nach der gleichen partizipativen Methode sollen in dieser Zeit Konflikte untersucht und ein Dialog der beteiligten Gruppen ermöglicht werden. Nach Ende der Feldforschung treffen sich alle drei Teams wieder in Südafrika, um ihre Ergebnisse auszutauschen und das Projekt auszuwerten. Hier findest du einen Überblick über alle ASA-Blogger.

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