Dortmund verstehen

Dortmunder werden ist nicht schwer, Dortmunder sein auch nicht mehr. Sagt unsere Autorin Hanna Voß. Und die muss es wissen, die kommt aus Dortmund.
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Illustration: Julia Schubert



Nein, man muss nicht ständig husten, wenn man durch die Stadt geht. Und das weiße T-Shirt ist anschließend auch nicht grau. In Dortmund ist keine einzige Zeche mehr in Betrieb.

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Die beste Zeit, um im Freibad Volkspark schwimmen zu gehen, ist exakt 9.15 Uhr - zu spät für die arbeitende Bevölkerung und zu früh für Jugendliche in den Schulferien.

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Der letzte Satz stammt von Slampoet und Schriftsteller Patrick Salmen. Der wohnt in Dortmund, und wie er dort seinen Sonntag verbringt, ist höchst lesens- und sehenswert.

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Der Dortmunder malocht (= arbeitet), pöhlt (= spielt Fußball), kriegt die Pimpanellen (= die Krise), besucht Omma, geht in die Kiiirche oder auf die Kiiirmes, hasst die ollen Bayern, geht auffe Süd (= die Südtribüne), inne Kneipe oder ma wacka nache Bude (=zum Kiosk), macht kein großes Brimborium (= Aufhebens), findet Kloppo herbe (= mega/geil) und erzählt gerne mal Kappes (= Schwachsinn).

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Das bayerische "Gell?" heißt hier "Woll?" oder "Wonnich?". Und ein typischer Dortmunder Relativsatz geht so: "Dortmunderisch is die schönste Sprache, wo gibt." (Für alle Lernwilligen gibt es die Fan-Seite "Dortmunderisch" auf Facebook).

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Der Hauptbahnhof ist potthässlich. Ja, auch das ist ein Dortmunder Wort. Alles mit Pott passt immer irgendwie.

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Der Alte Markt ist der Platz im Herzen der Innenstadt.

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Wer dort aus dem Brunnen in der Mitte trinkt, ist selber schuld. Der hat bei Meister- und Pokalfeiern schon so ziemlich alles erlebt.

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"Hinter Hornbach" war lange ein geflügelter Ausdruck für den Straßenstrich. Der Witz "Ich habe dich letztens hinter Hornbach gesehen" stimmt aber mittlerweile nicht mehr: Abgesehen von der Linienstraße ist das gesamte Stadtgebiet Sperrbezirk.

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Was außerhalb Dortmunds der Wetter-Smalltalk ist, ist hier der BVB-Smalltalk.

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Deswegen: Unbedingt wissen, was die Abkürzung BVB bedeutet (Ballspielverein Borussia) und dass der Borsigplatz der Gründungsort des BVB ist. Dort beginnen auch die Meisterfeiern (Okay, in diesem Jahr vielleicht nicht).

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Und: Westfalenstadion sagen und nicht Signal-Iduna-Park!

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Mario Götze ist nach wie vor der Stadtfeind Nr. 1. WM-Siegtor hin oder her.

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Wenn jemand von Herne-West spricht, meint er Schalke.

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Über die Brückstraße hört man nicht nur Gutes. Trotzdem dort unbedingt ausprobieren: den Ägypter, Kartoffel-Lord und Mare Baguettes! Außerdem ist in der Brückstraße das Hirsch Q, eine linke Kneipe: günstig, gemütlich, gelegentlich leider auch Ziel von Nazi-Überfällen.

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Apropos: Nein, Dortmund ist keine Nazi-Stadt. Zwar saß mit Siggi Borchardt ("SS Siggi") ein vorbestrafter Rechtsradikaler der Partei Die Rechte im Stadtparlament. Aber das geschah nicht ohne Protest, und es gibt in Dortmund immer wieder Blockaden gegen Naziaufmärsche oder Transparentaktionen im Stadion.


Dieser Text erscheint im "Studentenatlas", ein Projekt von jetzt.de und SZ.de. Mehr Infos dazu findest du hier. Eine interaktive Dortmund-Karte für Studenten findest du hier.  



Text: jetzt-redaktion - Text: Hanna Voß; Illustration: Katharina Bitzl

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