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Woher der Hass auf SUVs?

Illustration: Daniela Rudolf

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In einer Episode der „Simpsons“ kauft Homer den „Canyonero“: Ein SUV, ein Sport Utility Vehicle, ein Stadtauto also, das an einen Geländewagen erinnert. Marge wird im „Canyonero“ zum Straßenrowdy, rettet damit aber später die Stadt vor einer Nashorn-Herde. Im dramatischen Finale geht der Wagen in Flammen auf. 

Die Episode stammt aus dem Jahre 1999, als die SUVs in den USA modern wurden, und vereint viel vom Spott und der Kritik, die diese Autos seitdem und vor allem seit ihrem Siegeszug in Europa auf sich ziehen. „Super unnützes Vehikel“ nennt man sie gerne, weil sie viel Platz wegnehmen, viel Sprit verbrauchen und eigentlich nur auf geteerten Straßen rumfahren, wo man keinen Allradantrieb braucht. Viele SUVs haben auch gar keinen, aber die Karosserie tut so, als sei einer drin. Die Statistiken arbeiten den SUV-Hassern zu: hohes Überschlagsrisiko und bei Unfällen eine Gefahr für die Fahrer kleinerer PKW. 

Auch der Autodesigner Paolo Tumminelli hat in einem Interview dem Anti-SUV-Lager das Wort geredet: Die Autos seien extrem umweltschädlich und verführten zu riskanterem Fahren. 

Umweltschädlich, gefährlich, unpraktisch, das ist natürlich alles ganz schön blöd. Aber das sind andere Sachen auch. Plastiktüten zum Beispiel. Oder Flugzeuge. Über die aber eher rational-besorgt gesprochen wird: Man müsse eigentlich auf Flugreisen verzichten, aber manchmal wolle man ja doch weiter verreisen und der Paul müsse so oft auf Dienstreise in die USA etc. pp. Menschen, die viel fliegen oder sich im Supermarkt eine Plastiktüte mitnehmen, werden nicht gehasst. Sie werden auch nicht ausgelacht. SUV-Fahrer schon. Denn der SUV-Hass ist hämisch. Das liegt vor allem daran, dass es sich bei einem Auto immer noch um ein Statussymbol handelt, mit dem der Besitzer etwas repräsentieren will. Das Problem ist, dass man beim SUV nicht so genau weiß, was es repräsentieren soll – weil sich das Image des Autos von zwei gesellschaftlichen Seiten her speist. 

Auf der einen Seite die Proll-Kultur der USA, der Heimat des SUV: Jungs mit Basecaps und Goldschmuck, die sich wie Gangster fühlen (oder welche sind), und mit einer Hand am Steuer durch die Straßen cruisen, um ihr Revier zu markieren oder zu fünft jemanden hochzunehmen; Notorious B.I.G., einer ihrer berühmtesten Vertreter, wurde gar in einem SUV erschossen. Auf der anderen Seite die obere-Mittelschichts-Mutter, bei der im Kofferraum keine extra Soundanlage verbaut ist, sondern eine Reihe Tüten mit dem Wocheneinkauf steht, und die im SUV Claras Klavierunterricht, Moritz’ Fußballtraining, das Raclette-Essen mit den Schneiders und am Wochenende das Wallis ansteuert. 

Diese beiden Spektren, Gangster und Familie, gehen genauso wenig zusammen wie die beiden Elemente des SUV – Gelände und Stadt. Den Betrachter bringt das durcheinander. Wie kann ein Auto gleichzeitig für Gangster und für Familie sein? Was sagt das über die Gangster, was über die Familien? Sind die einen doch bürgerlich oder die anderen womöglich der wahre Abschaum der Gesellschaft? 

Dass das SUV weder Fisch noch Fleisch ist, dass die Prolls es fahren und die Muttis, dass es zu groß für die Parklücke ist und zu schwach für Paris-Dakar, das können viele nicht gut ertragen. Auf welche Lebenseinstellung soll man denn da jetzt schimpfen? Keine Ahnung, schimpfen wir also auf das, was offensichtlich ist: Größe! Gewicht! Verbrauch! Und natürlich auf das eine, von dem man sichergehen kann, dass Gangster und die obere Mittelschicht es gemeinsam haben: genug Geld, um es zu verschwenden, und den Wunsch, das allen anderen zu zeigen. Denn etwas, dass so sehr und auf so verwirrende Weise stört, würde man ja gerne einfach übersehen, ausblenden, wegschieben. Geht aber nicht, wenn es gleichzeitig so groß ist. Wenn man neben einem SUV steht, ist man ja in der Regel gerade mal groß genug, um durchs Fenster ein paar Flüche hineinzurufen. 
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