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Bobi schützt Vögel in Transilvanien

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1991 hast du zusammen mit ein paar anderen Vogel-Enthusiasten die Milvus Group gegründet, da warst du gerade 16. Wie begann deine Faszination für Vögel? Sieben von uns haben Milvus gegründet, da waren wir alle zwischen 15 und 17. Ja, wir waren erstaunlich jung und auch erstaunlich naiv. Ich denke, jeder von uns hat eine Faszination für Vögel und andere Kreaturen um uns herum, das ist ein Instinkt. Wir sollten ihn nur mehr entwickeln, das ist alles.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Wie läuft dein tägliches Leben als Vogelschützer ab? Herumklettern, Nester und Eier zählen, Vögel beringen, und leider noch mehr Bürokratie. In unserem Büro werden auch oft verletzte Vögel abgegeben, die wir dann gesund pflegen. Letztes Jahr hatten wir mehrere Störche, momentan ist es ein Uhu mit gebrochenem Flügel. Hast du einen Lieblingsvogel? Den Rotmilan. Auf Lateinisch heißt er Milvus, daher auch unser Name. Rumänien hat eine Menge anderer Probleme als Vogelschutz. War es deshalb besonders schwer, die Milvus Group am Leben zu erhalten? Ja, und es ist immer noch hart, sie zu weiter zu führen. Engagement außerhalb der Regierungsvorgaben hat keine Tradition in meinem Land, es ist also nicht leicht, eine positive Reputation für uns zu erzeugen. Gibt es neue EU-Verordnungen und Gesetze zum Naturschutz, und unterscheiden die sich von den alten rumänischen Verordnungen? Alle Gesetze gehen jetzt konform mit anderen EU-Ländern, aber ihre Durchsetzung ist in Rumänien am härtesten. Rumänien macht Naturschutz fast ausschließlich nur deshalb, weil es sich um eine Pflicht gegenüber Brüssel handelt. Früher war das im Grunde jedem selbst überlassen, und selbst heute ist es nicht einfach, jemandem begreiflich zu machen, warum er seinen Hausmüll nicht einfach alle paar Wochen in den Wald werfen soll. Heißt du persönlich die EU Willkommen? Der EU beizutreten hat seine positiven und auch negativen Seiten. Das Positivste ist, dass diese riesige Korruption ein bisschen reduziert werden wird. Das Negativste – auch im symbolischen Sinne – ist, dass wir hübsch aussehende Äpfel mit Wassergeschmack aus Südamerika essen werden, während wir hier viele verschiedene, schmackhafte, gesunde und nicht so hübsch aussehende Äpfel mit hübschen Würmern drin haben. Also werden wir den Regeln folgen, die für ein osteuropäisches Land manchmal etwas seltsam sind. Wie verdient die Milvus Group Geld, um ihre Arbeit zu finanzieren? Wir reichen Projektvorschläge ein, für deren Durchführung wir etwas Geld bekommen, aber wir müssen dringend unsere Strategie ändern und nach Sponsoren suchen. Du verbringst eine Menge deiner Zeit draußen in der Wildnis bei Feldstudien und der Suche nach seltenen Vögeln. Ist das nicht gefährlich? In Transsilvanien gibt es eine Menge Braunbären. Hast du jemals einen getroffen? Ich würde es nicht Wildnis, sondern friedliche Umwelt nennen. Und die ist zu 99,99 Prozent sicher. Ich glaube, die Natur ist viel sicherer als eine überfüllte Stadt. Es gibt bei uns in Europa sehr wenige Tiere, die dich theoretisch verletzen können. Darunter ist natürlich der Bär, aber Attacken gegen Menschen sind extrem selten und finden nur dann statt, wenn der Bär seine Jungen oder sein Futter beschützt. Ja, ich habe schon oft Bären gesehen, besonders, als ich noch ein Kind war. Aber wenn du die Distanz bewahrst, ist es ungefährlich. Einmal war ich in akuter Gefahr, aber nicht wegen eines Bären, sondern wegen einer Bärenfalle. Menschen sind gefährlich, nicht Tiere! Erzähl uns was über Transsilvanien. Enthält das romantische westliche Bild von dunklen Bergwäldern, in denen wilde Tiere und Vampire herumstreifen, vielleicht ein Körnchen Wahrheit? Nein, Transsilvanien ist ein friedlicher Platz mit einer Menge erhaltenem landschaftlichen und kulturellem Erbe und einer sehr interessanten und komplizierten Geschichte. Dieses Vampir- und Dracula-Ding wurde in Irland aus der Feder von Bram Stoker geboren und nicht hier. Vampire kommen in den bekannten örtlichen Volkssagen gar nicht vor. Touristen haben sie hergebracht. Besonders Vlad der Pfähler hat überhaupt nichts zu tun mit Transsilvanien, er war Herrscher der Walachei, eines benachbarten Landes. Sein Vater war vier Jahre in einem transsilvanischen Gefängnis, das ist alles. Aber ich muss zugeben, dass der Dracula-Mythos eine großartige Möglichkeit für den Tourismus ist.

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