Mais auf dem Balkon: "Bantam-Mais" kämpft für gentechnikfreie Saat

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Das ist: Saskia Dellwing. Die „Aktion Bantam Mais“ kämpft gegen Gentechnik in der Landwirtschaft und für Sortenvielfalt, indem sie Maissamen der Sorte "Golden Bantam" an Do-It-Yourself-Bauern verschickt, die den Mais auf dem Balkon oder im eigenen Garten anpflanzen sollen. Die Aktion will möglichst viele Leute dafür gewinnen, dieses Jahr diese bestimmte Süßmaissorte anzubauen - Ziel des Ganzen ist, nachvollziehen zu können, was passiert, wenn der Bantam-Mais durch gentechnisch veränderten Mais verunreinigt wird, der eventuell auf Feldern in der Nachbarschaft angebaut wird. Was ist das Problem? Das Bundessortenamt hat auf Veranlassung von Landwirtschaftsminister Horst Seehofer bereits fünf gentechnisch veränderte Maissorten für den freien gewerblichen Anbau zugelassen. Problematisch daran ist, dass gentechnikfreier Mais durch gentechnisch veränderte Organismen sehr leicht befruchtet werden kann. Eine Maispflanze bildet bis zu 50 Millionen Pollen. Einzelne Pollen werden durch Wind und Insekten über mehrere hundert Meter, zuweilen auch viele Kilometer weit, getragen, bevor sie eine andere Blüte bestäuben. Ein vollständig gentechnikfreier Maisanbau ist deshalb in der Umgebung der Gen-Felder nicht möglich. Wer sind die Bösen? In der Saatgutbranche setzen vor allem große Konzerne wie Monsanto, Pioneer oder die BASF auf die Gentechnik. Sie wollen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit vorantreiben. Unterstützung erhalten sie dabei derzeit auch von der Bundesregierung, die das bestehende restriktive Gentechnikgesetz lockern will. Was macht ihr dagegen? Bantam-Mais ist eine Aktion, mit der sich Leute privat für den Erhalt der gentechnikfreien Saatguterzeugung einsetzen können. Die Menschen stehen im Vordergrund: Schließlich geht es um ihren Wunsch nach gentechnikfreien Lebensmitteln. Wir setzen darauf, dass möglichst viele Menschen das Golden Bantam-Saatgut aussäen – 12.000 Menschen haben das bisher schon gemacht. Zum Vergleich: An gerade mal 87 Standorten in Deutschland wird Genmais angebaut! Damit soll den wenigen, die sich in diesem Jahr für die Anwendung der Gentechnik auf dem Acker entschieden haben, etwas entgegengesetzt werden. Unsere Aktion verbindet die politische Forderung, langfristig den Anbau von gentechnikfreiem Saatgut zu gewährleisten, mit Spaß, Pflanzerlebnis, Genuss und Saatguternte für neuen Süßmais im nächsten Jahr. Wie überzeugt ihr die Leute vom Mitmachen? Harte Überzeugungsarbeit mussten wir gar nicht leisten. Die Verbände, Organisationen und Unternehmen, die die Aktion mit tragen, waren sofort begeistert. Und den Menschen, die bei der Aktion mitmachen, gefällt die Möglichkeit, aktiv zu werden und politisches Engagement mit dem Genuss des Süßmais zu verbinden. Was habt ihr bisher erreicht? Wir haben schon 100.000 Saatguttütchen mit Bantam-Mais verteilt. Unterstützt wurden wir dabei von vielen Aktiven, die auf Festen, Demos, Informationsveranstaltungen und auf Märkten die Leute angesprochen haben, und von vielen Helfern, die uns beim Versand in unserem Berliner Büro unterstützten. Außerdem haben wir in den Medien eine wirklich große Aufmerksamkeit erhalten, das hat uns natürlich geholfen, die Saatgutproblematik zu vermitteln. Wann hättet ihr euer Ziel erreicht? Wenn Anbaustandorte von Genmais zurückgezogen werden. Das ist zum Teil schon passiert: von ursprünglich rund 2000 Hektar gemeldeter Anbaufläche sind gerade noch 970 Hektar übrig geblieben. Aber auch wenn gentechnikfreie Initiativen durch "Bantam-Mais" in ihrer Arbeit gestärkt werden und "Bantam-Mais" neue Leute dazu bringt, sich für gentechnikfreie Landwirtschaft zu engagieren. Unser größtes Ziel ist aber, dass gentechnikfreie Saatgutarbeit Schutz auf rechtlicher Ebene bekommt! Ist Basisarbeit manchmal frustrierend? Überhaupt nicht! Es macht großen Spaß den Informationsbedarf der tausenden von Anrufern und Mailschreibern ein wenig befriedigen zu können und zu merken, wie Leute, die sich bisher noch gar nicht mit der Thematik auseinandergesetzt haben, mit ins Boot kommen. Wie passt der kleine Konflikt ins große Bild? Die Ausbreitung der Gentechnik in der Landwirtschaft ist kein kleiner Konflikt. Hier geht es darum, wie Weltkonzerne auch mit Hilfe der Politik ihre eigenen Interessen gegen das Wohl und den Willen der Menschen durchsetzen wollen. Es geht um die Frage, in wessen Händen in Zukunft die Sicherung der Ernährung weltweit liegen soll. Wie überwindet man Trägheit? Mit Spaß! Egal, ob die Leute so was vorher schon mal gemacht haben oder nicht. Die haben einfach Spaß daran, Ihre Maispflänzchen großzuziehen, an der Aussicht leckeren Mais zu ernten, und dabei den Saatgutmultis frech ins Gesicht zu blicken. Egal, ob der Mais im Schrebergarten oder auf dem WG-Balkon wächst. Euer Rat für Sesselrevoluzzer? Vielleicht doch noch ein paar Maiskörnchen in die Erde drücken – hm? Und die Antwortpostkarte „Hier wächst Bantam-Mais“ an "Save Our Seeds" schicken- hm? Vielleicht im nächsten Jahr? Oder ansonsten den PC anwerfen und Mails an Herrn Seehofer schreiben: Anregungen dazu gibt es bei keine-gentechnik.de und bei campact.de .

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