Paolo kämpft gegen Fast-Food-Ketten und prekäre Arbeitsverhältnisse

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Was ist das Problem? Das Problem ist die mangelhafte soziale und ökologische Nachhaltigkeit der Fleischproduktion. Das betrifft vor allem das Fleisch von Rindern, die mit Futtergetreide ernährt werden. Wer sind die Bösen? Die Bösen sind zahlreich. An der Spitze der Liste stehen aber die Fast Food-Ketten, weil sie für Umweltschäden verantwortlich sind, in der „Dritten Welt” die Ressourcen ausbeuten, in der „Ersten Welt” die Arbeitsbedingungen verschlechtern und einen ungesunden Lebensstil propagieren. Was macht ihr dagegen? Wir sind Teil eines europaweiten Netzwerks von prekären Arbeitnehmern und gehören zu den Organisatoren der EuroMayDay-Parade am ersten Mai. Unsere Vorgehensweise hängt meistens jeweils von den Zielen und der Situation ab. Wir entwickeln alternative Kommunikationskanäle und programmieren zum Beispiel Computerspiele zu politischen Themen. Wir bemühen uns, dem Business unserer Feinde in die Quere zu kommen, mit Ständen vor den Läden oder surrealen Ladendiebstählen. Oder wir versuchen, sie hinters Licht zu führen, mit Aktionen wie zum Beispiel auf dem „International Serious Games Event“ in England. Aber das Wichtigste ist es, Bündnisse zwischen den Arbeitnehmern zu schmieden und die Kräfte zu bündeln.

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Illustration: Julia Schubert

Leite den McDonald's Konzern; Screenshot vom McDonald's Viedeogame Was ist denn das für eine Veranstaltung und wie sah eure Aktion aus? Das war eine Konferenz für Computerspiele mit „ernstem Hintergrund“, mit deren Hilfe man politische oder gesellschaftliche Ansichten ausdrücken kann. Vertreter von Firmen wie Nokia oder British Petroleum waren anwesend. Wir haben uns als Mitarbeiter von „Mc-Donald’s Interactive“ ausgegeben, einer Fake-Abteilung des Fast-Food-Konzerns. Mit dabei hatten wir fünf aktuelle oder frühere Angestellte von McDonald’s. Einer von uns hat eine neue Trainingsmethode für die Manager und Angestellten von McDonald’s vorgestellt, eine Art Videospielsimulation, mit der sie die Geschäftspraktiken ihrer Firma studieren können. Wir haben den Konferenzteilnehmern erzählt, dass die Spieler in den Trainings möglichst wenig unheilbringendende Dinge tun sollten, also möglichst wenig Schadstoffe in die Luft blasen oder Bäume mehr abholzen. Wir hätten jedoch festgestellt, dass sie diese Ziele aus den Augen verloren hätten, sobald sie auf andere Weise mehr Gewinn erwirtschaftet hätten. Wir haben auf der Konferenz dann behauptet, dass das Topmanagement auf unsere Ergebnisse nicht reagiert habe, weshalb sich „McDonald’s Interactive“ von der Firma losgelöst habe, um die Dinge zum Guten zu wenden. Die Zuhörer waren von unserer Präsentation begeistert und haben anschließend lebhaft darüber diskutiert. Wie überzeugt ihr die Leute vom Mitmachen? Wir berichten von den alltäglichen Arbeitsbedingungen. Prekäre Arbeitnehmer werden ja nicht von den Gewerkschaften repräsentiert. Zu unserem Netzwerk gehören viele Gruppen, die Proteste gegen schlechte Arbeitsbedingungen oder unfaire Entlassungen unterstützen. Insgesamt geht es nicht darum, die Menschen davon zu überzeugen, dass sie für eine gerechte Sache irgendwo in der Welt kämpfen sollen, wie das MTV und Bono propagieren. Politische Aktion muss an den Bedürfnissen der Menschen im Hier und Jetzt ansetzen. Die Leute verstehen dann auch schnell, dass viele globale Themen wie Hunger in der Welt, Umweltzerstörung und Krieg zurückzuführen sind auf ihr eigenes Handeln als Produzenten oder Konsumenten.

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Illustration: Julia Schubert

Was habt ihr bisher erreicht? In Italien gehört die internationale Problematik der prekären Arbeitsverhältnisse auch dank uns mittlerweile zu den wichtigen Themen in der politischen Diskussion. Jedes Jahr organisieren wir die größte 1. Mai-Demonstration. Wir haben viele Arbeitskämpfe gewonnen, und das ganz ohne Unterstützung durch die politischen Parteien oder die traditionellen Gewerkschaften. In Europa bewegt sich momentan ziemlich viel. Der bedeutendste Sieg ist derjenige gegen den Abbau des Kündigungsschutzes für junge Arbeitnehmer in Frankreich. Worauf verlasst ihr euch: Geld oder Menschen? Menschen mit wenig Geld. Euer Rat für Sesselrevoluzzer? Nehmt euch ein Beispiel an denen. Fotos: mcdonaldsinteractive.com

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