Die Atomkraft? Ist wie eine lästige Ex-Freundin

Wie ich beinahe die Welt gerettet hätte, Folge elf: Kolumnist Michalis fragt sich, warum wir die Kohle für die erneuerbare Energien auf einmal wieder den Atomkraftwerksbauern zuschustern sollen?
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Illustration: Julia Schubert

Und plötzlich ist die Atomkraft wieder da, wie eine Exfreundin, von der man weiß, dass sie Ärger machen wird, die aber schnellen Sex verspricht – oder in diesem Fall billigen Strom. Und nur darum geht es: billig. Es ist das einzige Argument für die Atomkraft – sollte es denn stimmen, was nicht einmal bewiesen ist – denn alle anderen Probleme löst sie nicht. Klimaschonend? Selbst wenn man außer Acht lässt, wie spaltbares Material gewonnen und transportiert wird, dann ist die ungelöste Lagerung von Atommüll Grund genug einmal laut zu lachen, wenn mal wieder erzählt wird, Atomkraft wäre gut für die Umwelt. Wir sprechen über das giftigste Material, das es je gegeben hat, und es ist nicht erneuerbar, also ebenso endlich wie fossile Brennstoffe. Und das zu einer Zeit, in der es erneuerbare Energien bereits gibt – nur eben noch in teurer. Natürlich kriegen wir ein Energieproblem, wenn wir heute Nachmittag alle Atomkraftwerke abschalten. Aber machen wir uns nichts vor: Das Energieproblem haben wir in jedem Fall. Wenn die Welt sich wie bisher weiterentwickelt, nämlich so, dass jeder Mensch in der entwickelten Welt jedes Jahr mehr Strom verbraucht als im Jahr davor, dann wird es nicht zu lösen sein, ohne den Planeten in weiten Teilen unbewohnbar zu machen, bevor wir eine Lösung gefunden haben. Heute noch in eine Technik zu investieren, von der wir wissen, dass wir sie nicht unter Kontrolle bekommen (und wir hatten Jahrzehnte lang Zeit, das Atommüllproblem zu lösen, ohne es zu schaffen. Warum sollte es jetzt plötzlich gehen?), ist absurd. Und wenn wir es täten, wofür dann? Um Geld zu sparen auf Kosten der Zukunft? Tatsache ist doch: Wir werden das Geld für die erneuerbaren Energien sowieso ausgeben. Warum nicht jetzt? Warum sollten wir jetzt noch Milliarden in die Taschen von Unternehmen stopfen, die in der Vergangenheit bewiesen haben, dass sie nicht verlässlich sind, sondern für ihren Profit lügen, verharmlosen und über Leichen gehen? Um bei dem Bild mit der Ex zu bleiben: Es gibt Ficks, die lohnen nicht. Und die, die lohnen, sind meist nicht billig zu haben.

Text: michalis-pantelouris - Illustration: Katharina Bitzl

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