Grün ist nicht cool. Und Leute, die das behaupten, nerven

Besser leben? Unser Kolumnist, der Chefredakteur des Magazins IVY, hat die besten Absichten. Heute: Die Sache mit der Revolution
michalis-pantelouris

Die eine Sache, die „der Sache“ mehr schadet als alles andere, ist tragisch einfach: Ökos sind immer noch uncool. Egal ob Neo-, Old-School- oder wie auch immer -Öko. Sie nerven. Und ich darf das sagen, denn auf meine betont unangestrengte Art bin ich selbst einer. Ich nerve. Man kann es drehen und wenden wie man will: Leonardo DiCaprio? Jaaaa, der hat es einfach, der ist reich und steigt vom Prius in den Privatjet. Al Gore? Genau so, nur dicker und irgendwie feist. Reinhold Messner? Also bitte! David de Rothschild? Da wird es ganz perfide, denn der sieht irre gut aus, ist gefühlt sicher reich (Rothschild?), ist nett und an Charisma schwer zu überbieten. Natürlich ist der irre cool. Aber ich fühle mich neben ihm noch schlechter als ohnehin schon.

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Illustration: Julia Schubert

Wenn ein lässiger, gut aussehender und reicher Mensch mit einem perfekten Leben mir sagt, ich solle mein Leben ändern, dann ist das noch abstoßender als wenn ein Verrückter in der Fußgängerzone mir sagt, ich komme in die Hölle für meine Sünden. Und da liegt das Problem: Menschen, die Menschen ändern wollen, sind das nervigste Pack auf dem Planeten. Machen wir uns nichts vor: Wir sprechen über eine Revolution. Und die ist überlebensnotwendig. Aber es war noch nie eine Revolution erfolgreich, die Menschen verändern wollte. Dann hat sie ihre Kinder gefressen. Revolutionen sind erfolgreich, wenn sie Lebensumstände zum Besseren verändern: die Sklaverei abschaffen, Tyrannen verjagen oder jedes Lied, das wir je besessen haben, auf einem sexy aussehenden weißen tragbaren Player unterbringen, der es uns erlaubt, einen ganzen Tag lang nur Lieder zu hören, in deren Titel das Wort „Revolution“ vorkommt. Was wir brauchen sind nicht noch mehr Typen, die behaupten, Grün wäre cool. Grün ist kein Trend, Grün ist notwendig. Was wir brauchen ist ein grüner iPod. Etwas, das so cool ist, so eine Ikone, dass es jeder haben will, muss – und kann. Und es reicht nicht, dass es genauso gut ist wie das nichtgrüne Produkt. Es muss so unfassbar geil sein, dass die Menschen vor der Tür Schlange stehen, um es zu kriegen. Am besten jeder. Und so wie der iPod die Art und Weise verändert hat, wie wir Musik hören und kaufen, muss es die Art verändern, wie wir leben und einkaufen. Ich hatte neulich eine brillante Idee, aber nur so im Halbschlaf, und dann habe ich sie vergessen. Nur deshalb sitze ich immer noch hier und nerve. Ich will nicht warten. Aber ich hoffe noch.

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