Auch mal an die Männerberufe denken und vice versa, sagt Luise, 27, Öffentlichkeitsarbeiterin in einem Luft- und Raumfahrtunternehmen aus Bremen

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Was hast du gelernt oder studiert? Ich habe Politik und Geschichte in Glasgow studiert. Das Gute an dem Studium war: Im ersten Jahr konnte ich zusätzlich Kurse in Französisch und Anthropologie belegen. Das hat mir ein wenig Abwechslung gegeben. Ich habe mein Auslandsjahr an der UBC in Vancouver, Kanada absolviert. Das war eine der besten Erfahrungen, die ich gemacht habe! Die Berge, immer Snowboarden und gleichzeitig weiter Politik und Geschichte studiert – super! Nach meinem Masterabschluss in Glasgow wollte ich mich spezialisieren (und natürlich habe ich auch gehofft, meine Berufschancen zu erhöhen) - also habe ich in Berlin noch einen Master in Europawissenschaft gemacht. Der Kurs war auf ein Jahr komprimiert und sehr stressig. Ich habe zwar sehr erfolgreich abgeschlossen, aber ich denke, dass der Kurs hätte anders strukturiert werden müssen. Das ist übrigens ein Problem, das vielen Studenten an deutschen Unis zu begegnen scheint. Wie oder warum hast du dich damals für den Weg entschieden? In der Schule war ich im Geschichts-LK und im Politik-GK immer sehr gut. Ich habe mich dann auch für die beiden Kurse als Studienfach entschieden. Zum einen, weil ich mir geschichtliche Daten schnell merken kann und zum anderen, weil ich neugierig bin: Durch Politik und Geschichte kannst du deine Nase unter Anleitung in die großen Abläufe der Weltgeschichte stecken und auch einfacher bestimmte Veränderungen und Gesellschaften nachvollziehen. Was machst du heute beruflich? Ich habe als Geisteswissenschaftlerin sozusagen den Quereinstieg ins Unternehmen gemacht und arbeite in der PR-Abteilung eines großen Luft- und Raumfahrtunternehmens. Übrigens: Meine Masterarbeit, die sich mit der Implementierung des europäischen Galileo-Navigationssystems befasst hat, war mit ein Faktor, weshalb ich genommen wurde. Würdest du dich aus heutiger Sicht wieder so entscheiden? Ja, mir hat das Studium total viel Spaß gemacht. Wenn ich den einfacheren Weg zu meinem jetzigen Job hätte wählen wollen, dann hätte ich besser Wirtschaftswissenschaften studiert. Aber auch über den langen Weg habe ich es ja dahin geschafft. Ich würde auf jeden Fall wieder in Großbritannien studieren: Die Betreuung ist besser, es ist zwangläufig nicht überall teurer als in Deutschland und das Studium ist so strukturiert, dass man es in der angegebenen Zeit gut schafft. Also ist alles einen Schritt weiter als hier, wo mit Bachelor und Master an den studentischen Versuchskaninchen herumexperimentiert wird. Dazu hätte ich länger als ein Master-Jahr keine Lust gehabt. Welchen Rat würdest du Schülern mitgeben, die 2010 die Schule abschließen? Informiert euch vor eurem Studium über die möglichen Jobaussichten, die Inhalte und überlegt euch vor dem Studium auch, was euch Spaß macht und warum ihr etwas studieren wollt. Nehmt alles an Info mit, was ihr kriegen könnt: Tag der offenen Tür, Girls' und Boys' Days während der Schulzeit und Messen. Für Mädchen gilt: Auch mal an die „Männerberufe“ denken und vice versa. Und wenn ihr dann immer noch so wie ich Geisteswissenschaften studieren wollt: Super! Denn die Welt braucht nicht nur Ingenieure und Businessleute, die darüber nachdenken, wie man so schnell wie möglich so viel Geld wie möglich verdient, sondern auch jemanden, der sich mit theoretischen Konstrukten und Gedanken zur Welt an sich auseinandersetzt.

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