Der Musiklehrer und der Vater haben mich vor einer falschen Entscheidung bewahrt, erzählt Corinna, 27, Kulturmanagerin in Essen

Was hast du gelernt oder studiert? Nach meinem Abitur habe ich mein Magisterstudium mit den Hauptfächern Musikwissenschaften und Neuere Deutsche Literatur aufgenommen.
jetzt-Redaktion

Was hast du gelernt oder studiert? Nach meinem Abitur habe ich mein Magisterstudium mit den Hauptfächern Musikwissenschaften und Neuere Deutsche Literatur aufgenommen. Nach meiner Zwischenprüfung und einigen Hospitanzen und Praktika in Opern- und Konzerthäusern und im Orchestermanagement habe ich mich entschlossen einen weiteren Studiengang namens „Wirtschaft für Nicht-Ökonomen“ aufzunehmen. Dieses komprimierte Wirtschaftsstudium war dann sehr prägend für den Weg meiner Berufsfindungsphase. Wie oder warum hast du dich damals für den Weg entschieden? Der Entschluss, nach dem Abitur Musikwissenschaften und NDL zu studieren, wuchs zunächst aus einer „Not“ heraus: Seit meinen ersten Geigenstunden war es immer mein Wunsch gewesen, Musik, also Geige zu studieren. Zunächst war ich mit dieser Passion auch ziemlich erfolgreich. Ich spielte in einigen deutschen Jugendorchestern und war in der studienvorbereitenden Ausbildung, aber dann hat mir wohl der letzte Funken Ehrgeiz gefehlt, um nicht nur das anspruchsvolle Studium, sondern auch die anschließenden Probespiele in Orchestern zu bestehen. Nach dieser Erkenntnis stand ich erst einmal ziemlich hilf- und orientierungslos da. Mein nächster Gedanke war, Kulturwissenschaften zu studieren. Gott sei Dank rieten mir mein Musik-LK-Lehrer und mein Vater, selbst Berufsmusiker, davon ab und brachten mich auf die Idee, Musikwissenschaften zu studieren. Diesen Entschluss habe ich bis heute nie bereut. Das Studium war sehr vielseitig, ich hatte exzellente Professoren und durch das Musikwissenschaftstsudium an einer Musikhochschule immer direkten Kontakt zur Musik und vielen Musikern. Was machst du heute beruflich? Heute arbeite ich an einem großen deutschen Opernhaus im Künstlerischen Betriebsbüro, das ich zusammen mit einem Kollegen leite, der mit mir studiert hat. Ich disponiere das „Tagesgeschäft“ am Opernhaus – also wer mit wem wann wo probiert –, wickle Honorarabrechnungen ab und bin jeden Tag auf eine neue, unvorhergesehene Aufgabe gespannt. Seit fast zwei Jahren arbeite ich nun schon hier und kann jetzt sagen: Für die Lebensphase, in der ich gerade stecke ist dies mein absoluter Traumjob. Würdest du dich aus heutiger Sicht wieder so entscheiden? Eine schwierige Frage. Meinen Magisterstudiengang Musikwissenschaften gibt es leider als Hauptfach so gut wie überhaupt nicht mehr. Die Kombination, wie ich sie studiert habe, ist sicherlich die richtige Entscheidung gewesen, die ich heute wieder so treffen würde. Leider habe ich zugunsten verschiedener Hospitanzen und für einen tollen Studentenjob am Opernhaus kein Auslandssemester gemacht. Das würde ich heute auf jeden Fall in Anspruch nehmen und jedem Studenten dazu raten. Welchen Rat würdest du Schülern mitgeben, die 2010 die Schule abschließen? Auch wenn es doch mitunter viel Geld und Zeit kostet: Praktika machen sich oftmals schon nach einigen Jahren bezahlt und die Erfahrungen sind Gold wert. Informiert euch gut über die Studiengänge, die euch interessant erscheinen, besucht Informationsveranstaltungen, sprecht mit Studenten und Professoren.

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