Folge deinen Instinkten, sagt Andreas, 37, Leiter der Auslandsvertretung einer politischen Stiftung in Riga

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Was hast du gelernt oder studiert? Ich habe Politikwissenschaft, Neuere Geschichte und Iberoromanische Philologie (Spanisch) in Bonn studiert. Im fünften Semester bin ich für neun Monate an die Universität Jyväskylä nach Finnland gegangen, um Interkulturelle Kommunikation zu studieren. Für meinen Studienabschluss hat das Auslandssemester nicht unmittelbar etwas gebracht, aber dafür habe ich jede Menge tolle Erfahrungen sammeln können, habe Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund kennen gelernt und sehr viel Spaß gehabt. Wie oder warum hast du dich damals für den Weg entschieden? Wir haben Anfang der neunziger Jahre in einer äußerst politischen, historischen und bewegenden Zeit gelebt. In Berlin wurde mit dem Fall der Mauer Weltgeschichte geschrieben. In Bonn, damals noch Bundeshauptstadt, wurde aber die Politik gemacht. Etliche unserer Professoren berieten die Regierung, viele meiner Kommilitonen arbeiteten als studentische Hilfskräfte im Bundestag. Bei zahlreichen Gelegenheiten konnte man die "hohe Politik" hautnah miterleben. Das war für mich als politisch interessierten Menschen sehr aufregend. Ich glaube, es gab bis Ende der neunziger Jahre keinen besseren Ort Politikwissenschaft zu studieren als Bonn. Für Spanisch habe ich mich entschieden, weil mir zum einen die spanische Literatur gefiel und zum anderen die Kommilitoninnen in der Romanistik hübscher waren als in der Politikwissenschaft. Was machst du heute beruflich? Ich leite heute das regionale Auslandsbüro einer politischen Stiftung. Ich konnte damit meinen Traum erfüllen, im Ausland zu arbeiten, mich mit Menschen zu beschäftigen und politisch aktiv zu sein. Würdest du dich aus heutiger Sicht wieder so entscheiden? Absolut. Ich habe meine Studienjahre im In- und Ausland sehr genossen. In meinem Studium konnte ich genau jenes Wissen vertiefen oder mir aneignen, für das ich mich seit jeher interessiert habe. Welchen Rat würdest du Schülern mitgeben, die 2010 die Schule abschließen? Folgt euren Instinkten! Studiert nicht etwas, weil Ihr denkt, damit sind eure Berufsaussichten besonders gut, sondern studiert etwas, das euch tatsächlich interessiert und ausfüllt. Wenn man seinem Studium und später seinem Beruf mit Lust und Freude nachgeht, läßt sich auch die entsprechende Leistung abrufen. Das ist gut für den Arbeitgeber und schafft einem selbst ein hohes Maß an Befriedung.

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