Hör' im Studium auch in andere Fächer rein, rät Jens, 34, Kommunikationswissenschaftler aus Stuttgart

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Was hast du gelernt oder studiert? Angefangen habe ich mit Politikwissenschaften. Letztlich studiert habe ich dann Kommunikationswissenschaft im Hauptfach und BWL und Psychologie als kleine Beifächer. So kleine Beifächer sind übrigens wie Medaillien: Sie haben zwei Seiten. Man lernt einerseits nie so richtig seine Kommilitonen kennen, weil man zu wenig Zeit mit denen verbringt. Andererseits blickt man über den Tellerrand und kann später jenseits seines eigentlichen Fach auch mal mitreden. Wie oder warum hast du dich damals für den Weg entschieden? Mich hat das Verhältnis von Politik und Medien fasziniert. Das tut es übrigens heute noch. Deshalb die Entscheidung für das Studium. Ich bin nach wie vor leidenschaftlicher Tageszeitungsleser. Politik- oder Kommunikationswissenschaften zu studieren, ohne Tageszeitungsleser zu sein, geht übrigens gar nicht! Was machst du heute beruflich? Ich arbeite an einer Universität und bringe Studierenden der Kommunikationswissenschaft bei, wie man forscht. Nach meinem Studium habe ich eineinhalb Jahre als Projektleiter in der Markt- und Medienforschung gearbeitet. Erst danach bin ich in die Wissenschaft gewechselt. Der Praxisausflug war enorm wichtig - insbesondere für die Arbeit an der Universität. Die Studierenden hören immer sehr genau zu, wenn ich von dieser Zeit erzähle. Würdest du dich aus heutiger Sicht wieder so entscheiden? Wahrscheinlich schon. Der eigene Weg hängt jedoch immer sehr stark von den Personen ab, die man trifft. Wer fördert und fordert Dich? Darum geht es letztlich, nicht um meine vermeintlichen Entscheidungen für oder gegen etwas! Welchen Rat würdest du Schülern mitgeben, die 2010 die Schule abschließen? Ganz generell: Einfach den eigenen Weg gehen und niemals auf Leute hören, die zu wissen meinen, wie schnell oder wie langsam man irgendetwas in seiner beruflichen Ausbildung machen oder getan haben soll. Falls Ihr Euch für ein Studium entscheiden solltet: Geht auch mal in die Veranstaltungen anderer Fächer! Ich hatte während meines Studiums das Glück, den inzwischen verstorbenen Medizinpsychologen Hans-Peter Rosemeier persönlich kennenlernen zu dürfen. Der ist bis heute mein Vorbild, was den Umgang mit Menschen und wissenschaftliche Vorträge angeht. Ich habe seine Vorlesung während meines Studiums drei Mal hintereinander besucht, immer freitags, 10 Uhr. Einfach so, weil es toll war und weil es mich interessierte und nicht weil es gut aussah in meinem Lebenslauf.

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