Keine Entscheidung führt in eine Einbahnstraße, sagt Henning, 27, Mediengestalter in Köln

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Was hast du gelernt oder studiert? Mit einem schlechten Abitur in der Tasche standen für mich nur Studienplätze ohne Numerus Clausus zur Auswahl. Studiengänge mit Aufnahmeprüfungen traute ich mir nicht zu. Viel blieb nicht übrig, trotzdem war ich mit der Wahl Diplom-Logistik zunächst sehr glücklich. Das änderte sich aber im Laufe des Studiums, bis ich dann nach sieben Semestern abbrach. Leider ohne genau zu wissen, was darauf folgen sollte. Also dauerte es knapp ein halbes Jahr, bis ich über ein Praktikum einen Ausbildungsplatz für Mediengestaltung Bild/Ton ergattern konnte. Wie oder warum hast du dich damals für den Weg entschieden? Die Entscheidung für das Studium der Logistik fiel so leicht und schnell, wie sie auch nicht die richtige war. Da ich vor allem in der Oberstufe faul war und stark nachließ, blieb am Ende nur ein Abitur übrig, das für viele Studiengänge lange Wartezeiten bedeutet hätte. Auf Logistik bin ich dann per Studienführer gestoßen. Und nach meinem Besuch bei der Studienberatung und Vorkursen für Mathematik war ich zunächst auch sehr glücklich mit der Wahl. Wie sehr das Studium an den Maschinenbau angelehnt ist, war mir leider zu der Zeit nicht bewusst. Da habe ich mich zu wenig informieren lassen. In meinen Augen leidet der Studiengang zudem massiv darunter, nur aus Vorlesungen anderer Studiengänge (BWL, Maschinenbau) zusammengesetzt zu sein. Nach dem Abbruch hatte ich zwar ein Ziel, die Tontechnik, es war aber sehr schwer, sich über die vielen verschiedenen Berufe in der Medienlandschaft zu informieren. So dauerte es auch ein halbes Jahr, bis ich auf die für mich perfekte Mischung aus Technik und Gestaltung traf. Was machst du heute beruflich? Ich bin immer noch Mediengestalter. Würdest du dich aus heutiger Sicht wieder so entscheiden? Aus heutiger Sicht würde ich mir sehr viel mehr Zeit lassen, ehe ich versuche einen bestimmten Ausbildungs- oder Studienplatz zu bekommen. Ein Praktikum in einer Spedition hätte mir viel leichter als ein Studienführer oder ein Beratungsgespräch deutlich machen können, dass Logistik nicht das Richtige ist. Welchen Rat würdest du Schülern mitgeben, die 2010 die Schule abschließen? Mein Rat wäre, sich unbedingt die Zeit zu nehmen, die es braucht, um sich in Ruhe für einen weiteren Weg zu entscheiden. Kurze Praktika können sehr helfen. Orientierung kann nicht von heute auf morgen entstehen. Noch viel wichtiger ist dabei aber, sich darüber im Klaren zu sein, dass kein eingeschlagener Weg eine Einbahnstraße ist.

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