Lasst euch nicht von der Arbeitslosigkeits-Paranoia verrückt machen, sagt Katharina, 27, Dozentin für Englische Literatur aus München

Was hast du gelernt oder studiert? Germanistikstudium auf Magister - obwohl das ja angeblich nichts bringt! Wie oder warum hast du dich damals für den Weg entschieden? Weil ich nach drei Semestern Jura das Gefühl hatte, mich selbst um mein Leben und meine echten Träume zu bescheißen.
jetzt-Redaktion

Was hast du gelernt oder studiert? Germanistikstudium auf Magister - obwohl das ja angeblich nichts bringt! Wie oder warum hast du dich damals für den Weg entschieden? Weil ich nach drei Semestern Jura das Gefühl hatte, mich selbst um mein Leben und meine echten Träume zu bescheißen. Hinzu kamen äußerst spießige Jurakollegen, ein schweres Studium an einer sehr großen Uni und ein Magengeschwür. Jura hatte ich angefangen, weil ich wohl zuviel Ally McBeal gesehen und das schulbeste Abitur hatte - es passte zu gut ins Bild. Die Entscheidung, abzubrechen beziehungsweise zu wechseln, also etwas nicht durchzuziehen und somit einen Irrtum in der Lebensplanung einzuräumen, war die schwerste meines Lebens. Muttern brach in Tränen aus, als sie es erfuhr. Ich habe noch drei Jahre nachher latent an dieser Entscheidung gezweifelt. Heute bin ich darauf stolzer als auf alles andere: Gegen den Elite-"mach was Handfestes, wo Du reich wirst"-Trend den Mut zu haben seinen Weg zu gehen, das ist schwer. In meinem Fall habe ich es nie bereut. Ich finde: Wenn du etwas magst, bist du darin gut. Wenn du gut bist, findest du immer einen Weg beziehungsweise Job. Was machst du heute beruflich? Nach einem Jahr im Verlagswesen (mit übrigens vier unbefristeten Jobangeboten im ersten Jahr - soviel zum Thema der Magister sei nichts wert *pfff*) bin ich nochmal zurück an die Uni, um im Rahmen eines Forschungsprojekts zu promovieren. Ich habe zur Finanzierung der Promotion eine halbe Dozentenstelle - was sehr viel Spaß macht. Zurück in den Verlag werde ich wohl nicht mehr gehen. Würdest du dich aus heutiger Sicht wieder so entscheiden? JA. Welchen Rat würdest du Schülern mitgeben, die 2010 die Schule abschließen? Kein Lebensweg ist schnurgerade. Es ist schon okay, sich umzuentscheiden. Man sollte keine Entscheidungen treffen, um den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Ausbaden muss man es ja selbst - im Zweifel lebenslang. Und: Lasst euch nicht von der "IHR WERDET ALLE ARBEITSLOS"-Paranoia verrückt machen. Das ist Panikmache, die an afrikanische Killerbienen denken lässt.

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