Sei nicht so lebenslauffixiert, sagt Johanna, 26, Internetfernsehproduzentin aus Hamburg

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Was hast du gelernt oder studiert? Ich habe Medienkultur, Geschichte und Politik in Hamburg studiert. Im ersten Semester habe ich kurz aus opportunistischen Gründen mal in BWL reingeschnuppert, habe es aus hedonistischen Gründen aber schnell sein gelassen. Zwischendurch war ich noch ein Jahr in Dublin und habe Geschichte und Film Studies studiert. Wie oder warum hast du dich damals für den Weg entschieden? Ich wusste, dass ich auf jeden Fall „was mit Medien“ machen möchte (wie ungewöhnlich ...) und habe mich schnell für das Studium der Medienwissenschaft entschieden. Zu dem Zeitpunkt konnte man Medienwissenschaft in Bonn, Trier und Hamburg studieren. Tja, und da ich aus Bonn komme und mir Trier ein wenig zu klein war, habe ich mich schnell für Hamburg als meine Traum-Studienstadt entschieden. Wobei die Bezeichnung Traum-“Studien“stadt vielleicht etwas irreführend ist, da ich mich unter anderem gerade wegen der medienaffinen Betätigungsfelder, die man in Hamburg jenseits des Studiums finden kann, für die Hansestadt entschieden habe. Von den Fächern her fiel meine Wahl auf Medienkultur (da Medien- bzw. Film- und Fernsehwissenschaften mein Hauptinteresse war und ist), auf Politik (da ich zu dem Zeitpunkt noch ganz klassisch Printjournalismus mit Schwerpunkt Internationale Politik als Berufsziel im Auge hatte) und auf Geschichte, da mich Geschichte immer schon sehr interessierte. Was machst du heute beruflich? Hauptsächlich bin ich dem Thema Internetfernsehen sowohl in der Theorie als auch in der Praxis „verfallen“. Soll heißen, ich promoviere derzeit über Angebotsformen des IPTV und WebTV in Deutschland und betreibe zudem einen eigenen kleinen Internetfernsehsender von Hamburg aus. Darüber hinaus tummel' ich mich auch als Moderatorin ab und zu im Netz. Würdest du dich aus heutiger Sicht wieder so entscheiden? Ja! Ich hatte zwischendurch zwar mal daran gedacht, den Studienort zu wechseln, da Hamburg samt Massenuni eben doch keine ideale „Studien“stadt ist – aber dann habe ich angefangen, an der Uni zu arbeiten, Tutorien zu geben und mein Interesse für's Internetfernsehen zu entdecken. Auch kurz nach dem Studium habe ich mich noch mal gefragt, warum mein Interesse ausgerechnet der Medienkultur und nicht der Informatik galt, denn dann wäre der Übergang vom Studium in den Beruf sicherlich etwas einfacher. Aber dennoch halte ich es mit Madame Piaf: Je ne regrette rien. Welchen Rat würdest du Schülern mitgeben, die 2010 die Schule abschließen? Seid nicht zu lebenslauffixiert! Wenn man beim ganzen Bachelor-Credit-Points-und-Praktika-Stress nicht über den Teller- beziehungsweise Computerrand schauen kann, läuft was schief. Denn der lateinische Spruch „Non scholae sed vitae discimus“ (nicht für die Schule/Uni, sondern für's Leben lernen wir) bewahrheitet sich doch: Es gehört sich auch mal ein rein aus Interesse belegter Kurs oder ein Hobby, das man nicht nur macht, damit es sich im Lebenslauf besonders „speziell“ anhört, wie zum Beispiel Origami oder Springreiten.

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