Anleitung zum Binge-Watching: "Freaks and Geeks"

In dieser Serie haben alle mitgespielt. Alle!
Von Christina Waechter

Die Serie

"Freaks and Geeks" erzählt die Geschichte von Lindsay Weir (Linda Cardellini) und ihrem jüngeren Bruder Sam im Michigan der 1980er Jahre. Die beiden besuchen die McKinley High School in einem fiktionalen Vorort von Detroit. Lindsay war bisher eher unscheinbar, ein Mathe-Ausnahmetalent mit Hang zu Strebertum und dementsprechend überschaubarem Freundeskreis. 

Doch nach dem Tod ihrer Großmutter beginnt sie, ihre bisherigen Überzeugungen in Frage zu stellen und ihr Leben umzukrempeln. Statt Bluse und Rock trägt sie im neuen Schuljahr Jeans und Parka und interessiert sich sehr für die "Freaks" ihrer High School, die leicht verstrahlten Kiffer ohne akademische Ambitionen, die immer in irgendwelchen Ecken abhängen, "Greatful Dead" hören – und garantiert schon mal Sex hatten.

Sam dagegen ist mit den "Geeks" unterwegs. Sie teilen eine Leidenschaft für das Nacherzählen wichtiger "Star Wars"-Schlachten, den Comedian Steve Martin und die Zauberkraft, für sämtliche Mädchen der Schule unsichtbar zu sein.

Klingt alles erst mal ziemlich schablonenhaft, doch Paul Feig hat vor 17 Jahren mit "Freaks & Geeks" eine Serie so voll Witz, Weisheit und einer Wärme für die Figuren entwickelt, die ihre Zeit überdauert hat. 

Wo findest du die Serie?

Du kannst dir die DVD kaufen, bei Amazon downloaden oder auf Youtube nach einzelnen Folgen suchen.

Der Zeitaufwand:

Zwei Wochen musst du für die 18 Episoden mit je 42 Minuten Laufzeit schon einplanen.

Wo du Zeit sparen kannst:

Den Vorspann mit der etwas arg krachigen Musik kannst du dir nach dem ersten Mal sparen - sind insgesamt immerhin 17 Minuten.

Womit kannst du das vor deinem Gewissen rechtfertigen?

"Freaks and Geeks" ist ein Meilenstein der jüngeren Comedy-Geschichte. Paul Feig hat die Geschichte seiner eigenen Kindheit aufgeschrieben. Sein Kumpel Judd Apatow hatte gerade einen Deal mit dem TV-Sender NBC abgeschlossen und war auf der Suche nach Material. Die beiden taten sich zusammen und begannen zu schreiben. Auch die Besetzung ist der Traum eines jeden Comedy-Freundes: James Franco, Seth Rogen, Jason Segel, Busy Philipps, Martin Starr und  John Francis Daley spielen die Schüler der McKinley-High.

In Deutschland wurde die Serie in der ARD ausgestrahlt - Donnerstag um 2.40 Uhr – die Einschaltquoten waren dementsprechend. Aber in den USA erging es der Serie nicht viel besser. Dort wechselte ständig der Programm-Platz und nach zwölf Folgen wurde sie wegen der miesen Quote vorzeitig abgesetzt. Erst nach Fan-Protesten strahlte Fox die verbliebenen Folgen aus. Doch nach nur einer einzigen, viel zu kurzen Staffel war Schluss.

Heute gilt "Freaks and Geeks" als eine der besten Serien aller Zeiten. Die Fangemeinde ist riesig, es existiert sogar ein eigenes Wiki für die Serie. So gut wie alle, die in der Serie mitmachten, sind heute erfolgreich im Geschäft: James Franco hat gefühlt überall seine Finger drin, Seth Rogen hat quasi im Alleingang das Filmgenre der jüdisch-bekifften Buddy-Comedy erfunden und John Rancis Daley schreibt erfolgreich Drehbücher und wird als Regisseur des kommenden "Spider Man"-Reboot gehandelt. Aus Judd Apatow wurde ein Comedy-Schwergewicht - alles, was der Mann anfasst und bei dem er unter die Arme greift, wird ein Erfolg. Paul Feig selbst hatte mit "Bridesmaids" seinen Durchbruch in Hollywood und dreht gerade eine Fortsetzung von "Ghostbusters" mit rein weiblicher Besetzung.

So fühlst du dich am Tag danach:

Du wolltest noch mal wissen, wie schlimm die Jahre zwischen 13 und 17 wirklich waren? Jetzt weißt du es wieder.

Und jetzt?

Das große Glück ist, dass du nach dem Ende von "Freaks and Geeks" in gar kein Loch fallen kannst, weil die Protagonisten mittlerweile ein ausurferndes Oeuvre geschaffen haben. Eher hast du die Qual der Wahl:

  • Naheliegend wäre es, mit der College-Serie "Undeclared" weiterzumachen, Judd Apatows zweitem, ebenfalls nicht gerade geglücktem Fernseh-Versuch.
  • Etwas aktueller und daher vielleicht auch relevanter: "Girls", Lena Dunhams Serie übers Erwachsenwerden, die ebenfalls von Judd Apatow produziert wird.
  • Du kannst dich auf die Spuren von Martin Starr begeben, der in den letzten Jahren einen echten Lauf hatte - er hat in "Burning Love" mitgespielt, "Party Down" und aktuell ist er in der Nerd-Serie "Silicon Valley" zu sehen.
  • Jede einzelne dieser Serien ist absolut empfehlenswert. Oder du findest heraus, ob man Paul Feigs aktuelle Serie "Other Space" irgendwo (legal) bekommt, von der man wenig weiß, außer dass sie sehr, sehr lustig sein soll. 
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