Liebe Bürgerinnen und Bürger, wenn sich Ihre Sorge auf die fußballerische Glanzleistung unserer Inglourious Basterds im deutschen Nationalleibchen begründet, wischen Sie sich erst einmal den freudentränenverlaufenen schwarz-rot-goldenen Schminkstiftstreifen von der Wange und atmen Sie befreit durch! Nein, es ist keine Schande gegen eine Fußballmannschaft zu gewinnen, deren Trainer seine größten Erfolge im Handball gefeiert hat. Natürlich muss und wird sich die Weltgemeinschaft nach unserem glücklichen 4:0-Kantersieg im Trainingsspiel gegen Argentinien überlegen, wie sie die deutsche Nine Nation Army in die Schranken zu weisen gedenkt. Vielleicht ein Fall für den FIFA-Sicherheitsrat, aber, liebe Bürgerinnen und Bürger, kein Grund, dass uns der Jubel im Halse steckenbleiben sollte. Schließlich riecht dank unserer kunterbunten Multikultitruppe lautstarkes „Deutschland, Deutschland“-Gegröle nicht mehr nach völkischem Revanchismus, sondern bloß nach Bier, Pisse und Schwitze. Harmlos besoffenes Trotteltum, wie wir es von Bundesligaspielen und Junggesellinnenabschieden kennen.

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Auch, dass es aus der Wulffsschanze, dem neuen Amtssitz des ersten Mannes im deutschen Staate, fortan bundespräsidial knödelt, ist kein Grund die schwarz-rot-goldenen Autofähnchen traurig baumeln zu lassen. Da hat es, liebe Gauck-Maniacs, selbst in den neunundzwanzig mickrigen Jahren meiner überschaubaren Lebzeit schon weitaus schlimmere gegeben als Christian Wulff. Aus ehrlichem Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten lasse ich die Namen Johannes „Omi“ Rau und Horst „Wer?“ Köhler jetzt mal unerwähnt. Liebe Bürgerinnen und Bürger, solange sich die Ölpest auf den Golf von Mexiko und die Frisur von Tim Wiese beschränkt, kann auch sie uns nicht runterziehen. Was kümmert es uns, wenn der Amerikaner seine Shrimps inklusive Dressing aus dem Golf fischt? Immer schön weiter Eier schaukeln und ans Bruttoinlandsprodukt denken! Natürlich bin auch ich, sehr geehrte Damen und Herren, manchmal nicht frei von schrecklichen Untergangshalluzinationen. Auf einer schicken Kopfhörerdiskoparty, die ich kürzlich als „Plus Eins“ eines in höheren Kreisen wandelnden Freundes besuchen durfte, sah ich, wie in einer dunklen Ecke Dieter Moor, erhabener, grob gehauener Monolith des deutschen Kulturfernsehens, angeregt und sich unbeobachtet glaubend mit ZDF-Schreckschraube Ingo Nommsen tuschelte. Ich bin mir sicher, dass es Ingo Nommsen war, denn im Gegenlicht zeichnete sich seine markant toupierte Kopfbehaarung ab: die Silhouette eines explodierten Auerhahns. In solchen Momenten wird auch mir bang um unser liebes Schland. Worüber, wenn nicht über die Aufteilung einer am Boden liegenden Nation nach Sendungszielgruppen, könnten sich Dieter Moor und Ingo Nommsen in diesem vermutlich von atemberaubend steilem intellektuellen Gefälle geprägten Geheimgespräch verständigt haben? „Ingo, Du regierst als dunkler, zorniger Boulevardfürst die bräsige ‘Volle Kanne!‘-Fraktion unseres untergegangenen Vaterlandes und ich mache mit den ‘ttt‘-Zuschauern auf meinen Bauernhof gemütlich Käse, Butter und Ponyreiten.“ Doch verfallen Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, nicht in Panik. Mit Deutschland geht es ja nicht bergab. Trotzdem, falls Sie im unwahrscheinlichen Falle einer Apokalypse im lodernden Höllenfeuer die Umrisse eines explodierten Auerhahns erahnen, laufen Sie sicherheitshalber in die andere Richtung!