Buchnotiz. "Die Freibadclique" - ein leichter Roman aus schwerer Zeit.

In "Die Freibadclique" geht es nicht so sehr um die Not der Nachkriegszeit, sondern vielmehr um das, was eben doch noch mächtiger ist: das kleine Leben.
max-scharnigg
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Illustration: Julia Schubert

Der Volkssturm, diese letzte Wahnsinnsidee der Nationalsozialisten, beförderte Kinder und alte Männer noch in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges an die engrückenden Fronten. Sie sollten dort nahezu mit bloßen Händen verteidigen, was längst verloren war. Vor dieser Kulisse und der folgenden Besatzungszeit, erzählt der Filmemacher Oliver Storz die Geschichte einer Clique, deren Revier das örtliche Freibad ist. Diese Clique, das sind eine Handvoll Freunde, aber vor allem eben Jungs des '29er-Jahrgangs - wie auch der Autor einer ist. Zwischen ihnen geht es gleichberechtigt um SS und Schlüpfer. Um die Furcht, von ersteren noch eingezogen zu werden und die Lust, letztere endlich einer Frau auszuziehen. Beides ereignet sich schließlich und beides erfüllt letztlich nicht ganz das Extrem, das die Jungs sich davor ausmalten. So entkommen etwa der namenlose Ich-Erzähler und ein Freund relativ unbehelligt ihrer Kampfgruppe, streifen den Krieg nur und kehren bald zurück in ihre schwäbische Heimat. Dort erleben sie wieder einen Freibadsommer – nur eben mit Amerikanern statt mit Wehrmachtssoldaten als Gesellschaft. Sicher, nicht alle Freunde kommen nach Kriegsende wieder ins Freibad, aber darum geht es nicht in diesem Roman, nicht um die Schrecken und die Angst, auch nicht so sehr um die Not der Nachkriegszeit, sondern vielmehr um das, was eben doch noch mächtiger ist: das kleine Leben. Das Aufwachsen und die Prioritäten, die damit einhergehen, es geht um geschnorrte Zigaretten, warme Septembersonne und rote Badeanzüge und natürlich um Freundschaft. Die verbindet den Erzähler vor allem mit dem großen Knuffke, der ein Musterknabe ist, wie Erich Kästner sagen würde, ein wortkarger Sonderling, der schließlich als kleiner Schwarzmarktkönig ins Freibad zurück kehrt. Die Geschichte geht nicht gut aus. Aber sie liest sich untraurig und kein bisschen altersweise, sie verliert sich weder in Sentimentalitäten noch in historischen Falten, belehrt nicht und klagt nicht. Klar und leicht führt Oliver Storz seine Leser durch eine unklare und schwere Zeit. Keine große Geschichte, aber ein gutes Buch, für alle die „mal wieder ein gutes Buch“ lesen wollen. Mit 19,80 Euro allerdings ein wenig teuer. „Die Freibadclique“ von Oliver Storz, 247 Seiten, ist bei SchirmerGraf erschienen und kostet 19,80 Euro

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