Buchnotiz. "Ende einer Nacht" - mit Romy Schneider tot gehen

Lesenotizen zu den Büchern auf unseren Nachttischen.
max-scharnigg
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Illustration: Julia Schubert

Ob das gut geht? Ein Roman, etwas Ausgedachtes also, das sich an einem echten Ereignis, dem Tod von Romy Schneider, entlang hangelt? Die Lust, das aufzuschlagen hält sich jedenfalls in Grenzen - zumal nach dem vergangenen Wochenende, das als einziges großes Romy Siebeck / Wolfram Schneider Gedenk-Double zelebriert wurde. Trotzdem, weil die Blumenbar-Bücher ja stets gut in der Hand liegen, liest man sich dann doch durch diese letzte Nacht eines Weltstars. An deren Ende wird es der 29. Mai 1982 sein und Romy Schneider tot. Herzversagen wird offiziell attestiert werden - aber die Zeitungen werdenvon Selbstmord schreiben. Die Stunden davor also hat Olaf Kraemer nachempfunden. Der hat übrigens auch schon eine Uschi-Obermaier-Biografie vorgelegt, ihm darf also zumindest ein Faible für schwierige Mädchen attestiert werden. Wohltuend ist, dass er den Romancharakter hier nicht als Aufforderung zum Kitsch begriffen hat, hanebüchne Erotik oder fabulierte Dramatik bleiben also aus. Stattdessen verpackt der Autor zwischen die recht plausible Alltagsschilderung dieser Nacht in Paris, Lebensrückblicke der von Tabletten, Champagner und Depression geschüttelten Romy Schneider. Diese biographischen Erinnerungen reichen nun nicht aus, um tatsächlich Übersicht über die zerrütteten Verhältnisse der Schauspielerin zu kriegen. Sie genügen aber, um ihr Verhalten in dieser Nacht annähernd als Ergebnis eines langen Leidens an sich selbst zu begreifen. So richtig spannend ist ihre Drogen-Suche durchs dunkle Paris naturgemäß nicht. Man weiß, wie es ausgeht. Trotz dieser schlechten Voraussetzungen schafft es der Autor, Realität und Fiktion zu einer Atmosphäre zu verdichten, die mitunter seitenlang vergessen lässt, dass es hier um Romy Schneider geht. In ihrer rettungslosen Geworfenheit und der Kapitulation vor dem Alltag gibt sie ja eine passable moderne Romanheldin ab. Ein richtiger Schmöker wird es dennoch nicht - die chronologischen und kurzen Kapitel hacken den Leseflow dafür viel zu zuverlässig entzwei. Irgendwie aber denkt man nach dem letzten Satz des schnell zu lesenden Buchs nur: Blöde Kuh, die Romy. Und nicht: Blödes Buch, das. "Ende einer Nacht" von Olaf Kraemer, 187 Seiten, ist im Blumenbar Verlag erschienen und kostet 17,90 Euro.

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