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"Hier sind Hippies, die versuchen, sich gegen Hardcore-Kriminelle zu stellen"

Foto: afp

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In der „Freistadt Christiania“ ist es in der Nacht zum Donnerstag zu einer Schießerei zwischen einem Drogendealer und der Polizei gekommen. Zwei Polizisten sind dabei angeschossen und ein Zivilist verletzt worden. Der Vorfall hat den autonomen Stadtteil Kopenhagens erschüttert. Risenga Manghezi, 42, ist Inhaber eines Fahrradgeschäfts in Christiania. Er und viele andere Bewohner leiden unter der Kriminalität, die von der Drogenszene in der Pusher Street ausgeht.

jetzt: Wie ist gerade die Stimmung in Christiania?

Risenga Manghezi: Wir fühlen mit den Polizisten, die angeschossen wurden. Und mit ihren Familien. Wir sind in Gedanken bei ihnen. Die Schießerei ist das große Thema, über das die Menschen hier heute alle sprechen. Viele haben erwartet, dass so etwas irgendwann passieren würde.

Warum?

Es gab in letzter Zeit mehrere Konfrontationen zwischen der Polizei und der organisierten Kriminalität. Deshalb haben wir gedacht, dass es in einem Vorfall wie dem von heute Nacht enden wird.

Wann haben diese Probleme denn angefangen?

Um ehrlich zu sein: 1971, als Christiania gegründet wurde. Aber damals war die Situation noch eine andere. Es gab kein großes Geschäft um den Drogenhandel. Heute werden jedes Jahr mehr als hundert Millionen Euro auf der Pusher Street umgesetzt. Der Drogenhandel wird durch multinationale kriminelle Netze organisiert.

In der „Freistadt Christiania“ gibt es keine eigene Polizei. Sind in den Straßen trotzdem Polizeistreifen zu sehen?

Sie haben keine Polizeistation, aber sie patrouillieren hier – in letzter Zeit wieder verstärkt. Da gab es öfter Razzien, bei denen Verdächtige aus der Drogenszene festgenommen wurden.

Wackelt die Idee von Christiania angesichts dieser Vorfälle?

Ein Teil der Ideologie Christianias ist, dass es keine Gewalt geben sollte. Dieser Teil ist im Moment natürlich sehr schwach. Ich meine, hier sind Hippies, die versuchen, sich gegen Hardcore-Kriminelle zu stellen, Pistolen mit Blumen zu bekämpfen. Das ist ein Kampf, den man nicht gewinnen kann.

Was könnte Christiania stattdessen tun?

Es ist sehr schwierig. Der Justizminister hat heute gesagt, er sei gespannt, wie Christiania darauf reagiere. Aber ich sehe nicht, was Christiania tun könnte, außer klarzumachen, dass wir gegen die organisierte Kriminalität sind.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Da habe ich eine utopische Antwort und eine realistische. Die Utopie sieht so aus, dass Cannabis legalisiert wird, sodass es in Apotheken verkauft wird und junge Leute gegen Missbrauch geschützt werden. Meine realistische Antwort hat damit zu tun, dass meine Geduld mit der Pusher Street am Ende ist. Ich sehe nicht, warum wir die Pusher Street hier haben. Sie hilft Christiania nicht und auch nicht dem Ziel eines legalisierten Cannabis-Marktes. Die Kriminalität zu bekämpfen, sehe ich aber nicht als Aufgabe von Christiania, das ist etwas, was die Polizei tun sollte. 

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