Wie holt man aus jedem Konflikt das Meiste raus?

Lernen von der CSU: Eskalier it like Seehofer!
Von Christina Waechter
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Gleich kommt sie bestimmt, die Attacke von Hinterhalt-Horst.

Foto: dpa

Mal angenommen, du bist nicht total zufrieden mit der Situation, in der du dich gerade befindest. Vielleicht hat sich deine beste Freundin in einen Volltrottel verliebt und redet nicht mehr mit dir. Oder dein Chef will, dass du ab morgen für die Hälfte des Geldes die gleiche Arbeit machst. Oder dein Koalitionspartner hat sich entschieden, ein Problem auf andere Weise in den Griff zu kriegen, als du dir das vorgestellt hast.

Du könntest jetzt das Naheliegende machen und versuchen, durch Kommunikation und Zusammenarbeit den Konflikt zu lösen – und dabei dein eigenes Gesicht ebenso zu wahren wie das deines Kontrahenten. Ihr könntet einen Termin für eine Supervision machen.

Oder du lässt den Konflikt maximal eskalieren – so lange, bis alle Brücken um dich brennen und ihr euch nie wieder in die Augen sehen könnt.

Wenn das dein Weg ist, solltest du dir ein Beispiel an der CSU nehmen, die gerade in der Flüchtlings-Frage zeigt, wie man einen Konflikt maximal eskaliert. Eine Anleitung in acht Schritten.

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Foto: dpa; Illustration: Katharina Bitzl

1. Du bist unzufrieden? Dann lass es raus.

Es sind ja nur Worte. Und Worte (stell dir hier Seehofers markante Lache vor)  kann man ja immer wieder zurücknehmen. Sag zum Beispiel einfach, dass jetzt endgültig Schluss mit Lustig ist. Von heute an. Für immer und ewig. 

 

Beispiele vom Vorbild CSU:

"Wir sind nicht das Sozialamt für den Balkan – diese Aussage unterstreiche ich ausdrücklich."

"Wir müssen diesen 40-prozentigen Missbrauch, man kann sagen den massenhaften Missbrauch, zurückführen und einstellen. (...) Wir müssen rigorose Maßnahmen ergreifen."

"In aller Ruhe bleibe ich bei meiner Forderung, dass wir im Jahre 2016 eine Wende in der Flüchtlingspolitik – und zwar aller Facetten – brauchen“

"Einfach zu sagen, in unserer Zeit lassen sich 3000 Kilometer Grenze nicht mehr schützen, ist eine Kapitulation des Rechtsstaats vor der Realität."

 

2. Du hast eine Forderung? Du brauchst einen Forderungskatalog! 

Sei mal nicht so bescheiden. Eine Forderung reicht nicht. Bastle dir lieber gleich einen ganzen Forderungskatalog – mit Bildern, Querverweisen, Forderungen und noch mehr Forderungen. 

 

Beispiel vom Vorbild CSU:

Am Mittwoch schaut Angela Merkel bei der Klausurtagung in Wildbad Kreuth vorbei. Dabei will ihr die CSU-Landtagsfraktion einen Forderungskatalog übergeben.

 

3. Kündige deine Schritte an.

Laut und deutlich und bevorzugt in der Presse (Twitter geht auch oder notfalls eine Runde Zeugen auf der Party). Am besten in Zusammenhang mit einem Datum in der Zukunft. Das klingt dann so schön nach Ultimatum und baut ordentlich Druck auf. Ohne dass du tatsächlich konkrete Schritte unternehmen müsstest.

 

Beispiel vom Vorbild CSU:

Seehofer ist der große Horst unter den politischen Hochdruckreinigern. Und zeigt, wie man ein perfides Schein-Ultimatum stellt. Im aktuellen Spiegel sagt er: „In den nächsten 15 Tagen werden wir die Bundesregierung schriftlich auffordern, an den Grenzen wieder rechtlich geordnete Verhältnisse herzustellen. Wenn sie das nicht tut, wird der Staatsregierung gar nichts anderes übrig bleiben, als vor dem Bundesverfassungsgericht zu klagen.“

Klingt bedrohlich, nicht? Aber eigentlich hat er nur angekündigt, wann er ungefähr einen Brief in den Briefkasten zu stecken gedenkt.

 

4. Beauftrage enfternte Bekannte damit, Öl ins Feuer zu gießen.

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Gegenüber langsam aber sicher abstumpft gegen all deine Poltereien, ruf einfach ein paar Grundschulfreunde an und bitte sie, auch mal draufzuhauen. Vielleicht sind sie dir ja noch was schuldig - oder du hast was gegen sie in der Hand.

 

Beispiel vom Vorbild CSU:

Peter Gauweiler, der mal Bundestagsabgeordneter und bayerischer Innenminister war, aber inzwischen recht unwichtig ist, hat angekündigt: Falls eine Einigung in der Flüchtlingspolitik unmöglich sei, müsse sich die CDU „für Neuwahlen entscheiden oder den alten Partner CSU durch die Grünen ersetzen".

 

5. Dein Ansatz: Das muss ganz grundlegend anders laufen.  

Mit Kleinkram kommt man nicht weit. Zuhören tun die Leute nur, wenn man großformatige Maßnahmen erfindet. Kündige dann laut an, sie sofort umzusetzen, um das Problem ein für alle mal in den Griff zu kriegen.

 

Das Beispiel vom Vorbild CSU:

Bei ihrer Klausur in Wildbad Kreuth ist die bayrische Partei auf die Idee gekommen, nicht nur ein paar Gesetze, sondern mal eben en passant die bayerische Verfassung zu ändern. In diesem Fall, um Zuwanderer zur Achtung deutscher Grundwerte zu verpflichten. Allzu weit scheinen sie mit dem Plan nicht gekommen zu sein. Bisher sind nur die Kernforderungen bekannt: Es geht um das Bekenntnis zur deutschen Sprache, die Akzeptanz von Traditionen und eine Definition von Toleranz.

 

6. Berufe dich auf guten Willen.

Wenn dein großformatiges Vorhaben sich als zu großformatig für dich entpuppt, geh einfach weiter in die Offensive. Begründe mit den Worten „Alleine die Debatte darüber wird uns weiterbringen“, warum du die Idee überhaupt erst aufgebracht hast.

 

Beispiel vom Vorbild CSU:

Hoppala! Um eine Verfassungsänderung im Landtag durchzubringen, muss man ja eine Zwei-Drittel-Mehrheit in selbigem haben. Das hat die CSU nicht, aber dafür eine neue Idee: Wie wäre es mit einer Volksbefragung zu dem Thema? Und überhaupt: Gut, dass wir darüber geredet haben. "Allein die Debatte wird uns gesellschaftlich weiter bringen und eine klare Erwartungshaltung an die Migranten formulieren."

 

7. Fordern, fordern, fordern.

Sonst lernen die ja nie was. Und sonst könnte man die einzelnen Forderungen ja ernsthaft diskutieren. Damit das bloß niemals passiert: Immer neue Forderungen nachlegen. Damit das Feuerchen schön weiter lodert.

 

Beispiel vom Vorbild CSU:

Bayerns Finanzminister Markus Söder fordert eine Bundestagsabstimmung über die deutsche Flüchtlingspolitik. Horst Seehofer fordert dichte Grenzen. Edmund Stoiber fordert eine Umkehr der Merkelschen Politik. Emilia Müller fordert eine Begrenzung der Zuwanderung.

 

8. Stell noch ein neues, noch viel strengeres Ultimatum.

 

Beispiel vom Vorbild CSU:

Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Ah, der Stoiber Ede. Der stellt Angela Merkel ein interessantes Ultimatum. Maximal bis Ende März muss das ganze Problem gelöst sein. Weil dann der Winter vorbei ist.

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