Mein Danebenjob als Saubermann

Jeder hat eine zeitlang einen Nebenjob und erlebt was. Hier erzählt Oliver, 36, wie er einmal unter sehr erschwerten Bedingungen putzen musste.
daniel-schieferdecker

"Eine Zeit lang musste ich nachts, wenn keine Besucher da waren, auf der Berliner Messe sauber machen. Das war immer sehr nett, weil unter meinen Kollegen viele Studenten waren, mit denen es stets sehr lustig zuging. Ich habe den Job damals zusammen mit meinem besten Kumpel gemacht, wir waren für die Reinigung von zwei Messehallen zuständig. Irgendwann haben wir bei der Arbeit den Wachmann Ahmet kennengelernt, der mit seiner durchgeknallten Art wunderbar in einen Fatih Akin-Film gepasst hätte. Ahmet war immer voll auf Sendung und hat sich seine Zeit dort vor allem mit Kiffen vertrieben. An einem Abend hat er uns erzählt, dass sich sein Chef zur Kontrolle angekündigt hätte, sodass er nüchtern bleiben wollte. Er bot uns freundlicherweise seine vorgedrehte Tüte an, die er in einer Toilette deponiert hatte. Mein Kumpel und ich haben das Angebot natürlich dankend angenommen und das Horn weggeraucht. Allerdings schien Ahmet andere Quantitäten gewohnt zu sein, denn der Joint hat uns komplett aus den Schuhen gehauen.

Default Bild

Illustration: Julia Schubert



Zum Glück hatten wir schon gut vorgearbeitet, mussten allerdings noch ein bisschen staubsaugen. Wir waren jedoch so dicht, dass wir unsere Staubsauger nicht mehr gefunden haben. Plötzlich wurden wir total panisch und sind auf der Suche nach den Geräten eine Stunde lang wie bekloppt durch die Messehallen geirrt. Wir dachten, die finden wir nie wieder. Irgendwann habe ich dann jedoch ein Staubsaugerkabel erblickt und mich darüber dermaßen gefreut, als hätte ich Amerika entdeckt. Dann kam jedoch bereits die nächste Panikattacke: Wir dachten, wir werden mit unserer Arbeit bis Messebeginn nicht mehr fertig - dabei waren bloß noch 100 Quadratmeter zu saugen, für die wir noch vier Stunden Zeit hatten. Jedoch waren wir der festen Überzeugung, dass es total knapp werden würde und haben entsprechend Gas gegeben. Als wir die Arbeit irgendwann erledigt hatten, haben wir uns schweißnass, dicht und erschöpft auf einer Bank niedergelassen, mit unseren Kräften komplett am Ende. Wir waren erleichtert, alles überstanden zu haben, als plötzlich unser Vorarbeiter um die Ecke bog - ein richtig unsympathischer Typ, von dem wir uns weitgehend ferngehalten haben. Und der Kerl hatte tatsächlich nichts Besseres zu tun, als sich direkt neben uns auf die Bank zu setzen. Dann fing er auch noch an, uns vollzulabern. Mein Kumpel und ich, wir haben uns nur angesehen und wussten: Wenn der mitbekommt, dass wir dicht sind, bekommen wir tierisch Ärger und sind unsere Jobs los. Die nächste Panikattacke!

Doch irgendwann haben wir gemerkt, dass wir nicht die einzigen sind, die auf Sendung sind: Der Typ war sturzbetrunken. Da saßen also die drei erbärmlichsten Gestalten, die man sich vorstellen kann, mitten in der Nacht auf dieser Bank auf dem Berliner Messegelände. Jeder von uns war komplett auf seinem eigenen Film. Mein Kumpel und ich haben während des Monologs unseres besoffenen Vorarbeiters kein Wort gesagt, bloß abwechselnd genickt und gegrinst, bis er irgendwann aufgestanden ist und sich bedankt hat, dass wir ihm so aufmerksam zugehört haben. Gemerkt hat er zum Glück nichts. Die mörderischen Joints von Ahmet haben wir seit diesem Erlebnis nie wieder angerührt."

Text: daniel-schieferdecker - Illustration: Katharina Bitzl

  • teilen
  • schließen