Das ist ... der Typ, der in 401 Tagen 401 Marathons gelaufen ist

Ben Smith unterstützt damit Kinder, die Opfer von Mobbing sind.
Von Melanie Wolfmeier
Foto: Facebook / The 401 Challenge

Das ist ...

... Ben Smith, der seine selbstauferlegte "401 Challenge" geschafft und einen Weltrekord aufgestellt hat: in 401 Tagen 401 Marathons zu laufen. Vom 1. September 2015 weg rannte er die Straßen Englands rauf und runter, um Geld für Mobbingopfer zu sammeln. Gestern schließlich, am 5. Oktober 2016, überquerte er die Ziellinie in seiner Heimatstadt Bristol. Die von ihm zurückgelegte Strecke ergibt insgesamt 10.506 Meilen – umgerechnet sind das knapp 16.908 Kilometer. Damit könnte man 33,5 Mal von München nach Berlin sprinten.

Der kann ... 

... viele Menschen zum Mitmachen inspirieren. Der 34-Jährige ist in 309 verschiedenen Orten gelaufen, fast 8000 Mitläufer haben seine Aktion abschnittsweise unterstützt. Etwa 250 Laufclubs übernahmen die Streckenplanung. Und: Auch 300 Therapeuten waren auf seiner Seite, die wiederum 100 Schulen dazu motivierten, Angebote für Mobbing-Opfer zu stellen. Auf Facebook hat Ben mehr als 40.000 Follower, auf Twitter sind es aktuell 8548.

Was er zudem kann: die schlechten Erfahrungen, die er gemacht hat, in etwas Positives verwandeln. Acht Jahre lang wurde Ben von Klassenkameraden gequält – der Grund dafür, dass er sich der Marathon-Herausforderung gestellt hat. Es ist ihm aber wichtig, dass seine Lauferei nicht als Protest gegen seine Opferrolle verstanden wird. "Es geht nicht darum, dass ich ein Opfer gewesen bin", schreibt er auf der offiziellen Seite seiner 401 Challenge. "Die Herausforderung dreht sich darum, Menschen zu zeigen, dass es egal ist, was du durchmachst, es kann immer etwas Positives entstehen. Wenn du das willst."

Der kommt ... 

... aus einer englischen Familie, die eine Zeitlang in Deutschland gelebt hat. Der Vater arbeitet fürs Militär und war in Deutschland stationiert, als Ben zehn Jahre alt war. Um ihm die sprachliche Hürde zu ersparen, schickte man Ben jedoch auf eine Schule in England. Das jedoch stellte ihn vor andere Probleme: Dass er plötzlich allein war und weit weg von seiner Familie, verunsicherte ihn und machte ihn zu einem leicht angreifbaren Klassenkameraden. Seine Opferrolle wurde er die gesamten acht Jahre Schulzeit nicht mehr los. Als er danach zum Studieren ging, war er ein seelisches Wrack. Auf der 401-Challenge-Seite beschreibt Ben seinen damaligen Zustand: "Ich konnte Menschen nicht vertrauen, keine Freundschaften schließen, an manchen Tage funktionierte ich einfach nicht."

Nachdem er zwei Selbstmordversuche hinter sich hatte und jahrelang so gelebt hat, wie andere es von ihm erwarteten, erlitt er mit 31 einen minder schweren Schlaganfall. Da hatte er genug: "Ich übernahm Verantwortung für mein Leben und hatte mein Coming-out." Seit diesem Tag ist Ben mit sich selbst im Reinen. Er begann zu laufen, um etwas gegen sein Übergewicht zu tun und sich von dem Schlaganfall zu erholen. Aber auch, weil es sich gut anfühlte: Er, der nie sportlich war, nahm plötzlich an Marathons teil. Und 2012 schließlich kam ihm die Idee für die 401 Challenge, die er mit der Unterstützung von Freunden und Familie plante und 2015 schließlich umsetzte.

Der geht ... 

... mit richtig viel Geld aus seiner Challenge raus: 275.000 Pfund (311.950,54 Euro) hat er durch seine Rennerei bisher gesammelt. Und die spendet er an Stonewall und Kidscape, zwei Organisationen, die sich um Mobbingopfer kümmern.

Wir lernen daraus, ... 

... dass man anderen nicht die Kontrolle über sein eigenes Leben geben darf. Denn nur, wenn man selbst Verantwortung übernimmt, ist man stark genug, seinen eigenen Weg zu gehen. Und anderen zu helfen, die noch nicht okay mit sich selbst sind.

Nur Google weiß, ...

... dass Ben während seines Laufs einen Nabelbruch erlitt: Zehn Tage musste er deswegen im Juni pausieren. Die verlorenen Kilometer holte er jedoch in den verbliebenen Monaten wieder auf, sodass er am Ende die 401 Marathons in der gleichen Anzahl an Tagen geschafft hat.

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