Das ist ... Jordyn Castor, blinde Ingenieurin, die mit 22 bereits Apple verändert

Sie verbessert iPhones und Apps so, dass sie auch für Menschen mit Behinderung einfach zu bedienen sind.
Von Sophie Bamler

Das ist…

Jordyn Castor, 22 Jahre alt. Sie arbeitet als Ingenieurin bei Apple und entwickelt die Bedienungshilfen der Geräte weiter. Jordyn hat für ihr junges Alter bereits eine beachtliche Karriere hingelegt. Und das, obwohl sie seit ihrer Geburt blind ist. Doch ihre Behinderung schadet Jordyn nicht, im Gegenteil: Die 22-Jährige ist als Blinde geradezu prädestiniert dafür, die Barrierefreiheit von Apple-Produkten zu testen.

Die kann…

Apple-Geräte dahingehend verbessern, dass sie auch für Menschen mit Behinderung einfach zu bedienen sind. Das macht Jordyn übrigens schon seit der Schulzeit, nur eben nicht für Apple, sondern für sich selbst: Als Schülerin wurde sie von ihren Lehrern vor einen Computer gesetzt und aufgefordert, sich selbst zurecht zu finden. Das sollte keine Schikane sein, sondern Jordyn zeigen, dass sie trotz ihrer Blindheit alleine mit technischen Geräten zurecht kommt. "Ich habe gemerkt, dass ich meinen Computer so programmieren kann, dass er genau das macht, was ich will", sagt sie. "Mit meinem Wissen über Computer und Technologie kann ich die Welt behinderter Menschen verändern." Bei einer Jobmesse im vergangenen Jahr wurde Jordyns Leidenschaft fürs Programmieren belohnt: Sie wurde von Apple als Praktikantin eingestellt, um das VoiceOver-Feature zu verbessern. Weil sie das richtig gut machte, stellte Apple Jordyn als Vollzeit-Ingenieurin ein.

Die kommt…

von der Michigan State Universität und hätte dort auch noch erfolgreich ihr Informatikstudium zu Ende gebracht, wäre Apple ihr nicht in die Quere gekommen. Jetzt hat Jordyn bereits mit 22 Jahren einen sehr gut bezahlten Vollzeitjob bei einem der größten Technikkonzerne der Welt. Doch so einfach hatte es Jordyn nicht immer: Sie kam 15 Wochen zu früh auf die Welt und wog weniger als ein Kilogramm. Ihr Großvater konnte die kleine Jordyn in seine Handfläche setzen, so winzig war sie. Die Ärzte sprachen von sehr geringen Überlebenschancen – und lagen falsch. Ihre Eltern trieben das Mädchen stets dazu an, für ihre Träume zu kämpfen, neugierig zu bleiben und trotz ihrer Behinderung nicht aufzugeben. 

Die geht…

momentan ziemlich steil. Erst kürzlich trat sie als Rednerin auf einem Event des US-Blinden-Verbandes auf. Dort berichtete sie von ihrer Arbeit, Apple-Produkte behindertengerecht mitzugestalten. Außerdem arbeitete Jordyn bei der Entwicklung der Programmier-Lern-App Swift Playgrounds mit. Diese soll sowohl Kindern als auch Menschen mit Behinderung das Programmieren in einfachen Schritten beibringen. Das Team um Jordyn arbeitet stetig an der Verbesserung der Produkte: "Barrierefreiheit ist etwas, das nie endet", sagt Sarah Herrlinger, Leiterin des Entwicklerteams für Barrierefreiheit. "Das ist nichts, was man einmal entwickelt und dann einfach auf andere Dinge übertragen kann."

Wir lernen daraus, …

dass eine Behinderung noch lange nicht davon abhält, sich seinen Lebenstraum zu erfüllen und anderen Menschen mit seiner Arbeit den Alltag zu vereinfachen. Dass Jordyn so erfolgreich ist, hat sie mitunter einem berühmten Blinden zu verdanken: dem Entwickler der Blindenschrift, Louis Braille. Obwohl viele behaupten, die heutige Technik würde die Brailleschrift irgendwann ablösen: Für Jordyn ist sie unverzichtbar. "Ich nutze die Schrift jedes Mal, wenn ich programmiere", sagt sie. "Braille lässt mich wissen, wie sich Codierungen anfühlen."

Nur Google weiß, ...

dass Jordyn für den Künstler George Wurtzel einmal eine Schildkröte aus Mahagoni-Holz hergestellt hat. Der Künstler vergleicht Jordyn mit einer Schildkröte, weil die ebenso langsam aber beständig arbeite und so am Ende immer gewinne. Ob er das nun komplett als Kompliment meinte, ist nicht dokumentiert.

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