Das ist: Juan Carlos Ramos, Reden-Unterbrecher

Juan Carlos Ramos engagiert sich für die Rechte von illegalen Einwanderern. Dazu unterbricht er schon mal eine Rede - selbst wenn US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton sie gerade hält.
melanie-maier

Das ist...

Juan Carlos Ramos. Der 22-jährige Aktivist ist 2008 illegal aus El Salvador in die USA eingereist. 2010 forderten ihn die amerikanischen Behörden dazu auf, das Land freiwillig wieder zu verlassen. Ein Jahr später sollte er endgültig abgeschoben werden. Dass er noch immer in den USA lebt, verdankt er nur einer Gesetzesänderung von 2012. Grund genug für Ramos, sich für das Bleiberecht illegaler Einwanderer zu engagieren. Noch im selben Jahr wurde er Mitglied von  „United We Dream Action“, dem politischen Flügel der Organisation „United We Dream“. Sie versucht, Abschiebungen zu verhindern und Familien zusammenzuhalten – so wie die von Ramos: Seine Eltern lebten bereits in North Carolina, als er mit 15 Jahren die Grenze überquerte.  

Ramos ist ein erfahrener Reden-Unterbrecher. Als er 2011 zum ersten Mal bei einer Rede dazwischen rief, war er noch ein Teenager. Damals versuchte er, US-Präsident Barack Obama aus dem Konzept zu bringen. Auch den der republikanischen Präsidentschaftskandidaten Marco Rubio unterbrach er schon. Hillary Clinton war am Donnerstag zum zweiten Mal das Ziel seiner Ruf-Attacken, als sie bei der jährlichen Gala des „Congressional Hispanic Caucus Institute“ sprach.  

http://www.youtube.com/watch?v=LnsSG7Lm8TM


Der kann...

ganz schön Wind machen. Zahlreiche Medien – darunter einflussreiche Fernsehsender wie CNN oder Tageszeitungen wie die Washington Times – haben über Ramos berichtet, seit er Clinton unterbrochen hat. Während die Demokratin gerade über die Anti-Einwanderer-Kommentare ihrer Wahlkampf-Gegner lästerte (allen voran natürlich Hetzmeister Donald Trump), fing Ramos an zu rufen: „Hillary, wir schauen zu. Meine Abschiebung wird dich finanzieren“. Dabei hielt er ein Schild in die Höhe: „Hillary for immigrants in prison“.

Der Auslöser von Ramos’ Aktion: Mit ihrer Kampagne #LatinosForHillary buhlt Clinton um die Wählerstimmen der Hispanics, von denen viele selbst einmal illegal ins Land gekommen sind. Es geht um 26 Millionen wahlberechtigte US-Bürger – politisch sind sie die am meisten umworbene Minderheit. Clinton spielt da ganz vorne mit. Das findet Ramos heuchlerisch. Denn: Die Präsidentschaftskandidatin lässt sich im Wahlkampf von Lobbyisten der privaten Gefängnisindustrie sponsern, wie sie vor Kurzem offenlegte. Und die profitieren vor allem von der Inhaftierung illegaler Immigranten: Rund 23.000 Menschen werden jede Nacht in privaten US-Gefängnissen festgehalten. Bezahlt werden die Betreiber, wie im Hotel oder im Krankenhaus, nach der Anzahl der belegten Betten – ein Anreiz, undokumentierte Einwanderer schon wegen einer Bagatelle festzuhalten.

Clinton selbst hat diese Praxis zwar auch schon kritisiert. Ramos glaubt aber, dass sie mit ihrem Lippenbekenntnis nur die Stimmen der Latinos abfischen möchte. Und richtet sich mit einer deutlichen Message an sie: „Die jungen Einwanderer trauen dir nicht. Es ist an der Zeit, auf das Gefängnis-Geld zu verzichten und zu unserer Gemeinschaft zu stehen –beides auf einmal kannst du nicht haben.“ Jeder Dollar, den sie von privaten Gefängnissen empfange, untergrabe ihr  Versprechen an die Latino-Community, sagt Ramos – „und wir lassen uns nicht täuschen.“  


Wir lernen daraus, dass...

es sich lohnen kann, andere zu unterbrechen – auch wenn unsere Mütter uns einmal beigebracht haben, dass das nicht besonders höflich ist. Ramos zumindest hat sein Ziel damit erreicht: Er hat die amerikanische Gesellschaft für die eher zwielichtigen Spendenzuschüsse der Hillary Clinton sensibilisiert und eine Diskussion über sie gestartet. Dass Clinton ihre Sponsoren deshalb absägt, ist aber eher unwahrscheinlich.

Nur Google weiß über ihn, dass...

er davon träumt, ein Haus für seine Eltern zu entwerfen und zu bauen. Er hat es ihnen sogar schon versprochen. Um das zu schaffen, muss Ramos aber noch ganz andere Dinge wuppen, als nur mal eben jemanden bei einer Rede zu unterbrechen. Ein abgeschlossenes Architekturstudium wäre zum Beispiel nicht schlecht oder eine Handwerker-Lehre. Zu wünschen wäre es ihm.

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