Jan-Philipp Knoop cover
Foto: Screenshot Facebook / Jan-Philipp Knoop

Das ist…

… Jan-Philipp Knoop, Jurastudent und CDU-Mitglied aus Berlin. Jetzt will er Angela Merkels Nachfolger an der Spitze der CDU werden. Der 26-Jährige hat angekündigt, beim nächsten Parteitag im Dezember gegen die Kanzlerin anzutreten, wenn die sich erneut als Parteivorsitzende zur Wahl stellt. Als Grund dafür gibt er in der Mitteilung auf seiner Facebook-Seite an,  die Regierung habe ein Glaubwürdigkeitsproblem und die CDU werde ihrem Anspruch als Volkspartei nicht gerecht. In einem zweiten Post schreibt er: „Ein Staat, der die Kontrolle über seine Grenzen verloren hat, ist nicht souverän“, und kritisiert Merkels Flüchtlingspolitik. Da klingt schon an, was er mit seiner Kandidatur bezwecken will: AfD-Wähler zurückgewinnen. Er könne verstehen, dass sie sich von der Politik nicht mehr vertreten fühlten, schreibt er in der Ankündigung seiner Kandidatur: „Deswegen sind diese Menschen aber noch lange keine Nazis oder Rechtsextreme.“

Der kann…

… gegen Angela Merkel höchstwahrscheinlich nicht gewinnen. Die ist noch länger Parteivorsitzende, als sie Kanzlerin ist: Seit 2000 führt sie die CDU. In ihrer politischen Laufbahn wollten ihr schon wesentlich einflussreichere Kritiker gefährlich werden – und sind alle gescheitert. Schlaflose Nächte könnte Knoops Kandidatur Merkel trotzdem bereiten. Bei der Wahl als Parteivorsitzender kommt es nicht darauf an, dass man gewählt wird, sondern mit wie viel Prozent Zustimmung. Die Abstimmung gilt als wichtigstes Zeichen dafür, ob der Kandidat oder die Kandidatin die Partei hinter sich vereinen kann. Gerade bei einer Wiederwahl zählt deshalb jede Stimme. In der CDU, die ihre Vorsitzenden immer sehr diszipliniert gewählt hat und deshalb den Spitznamen „Kanzlerwahlverein“ verpasst bekam, wäre ein Ergebnis unter 85 Prozent kein gutes Zeichen. Merkel wurde zuletzt 2016 mit 89,51 % in ihrem Amt bestätigt – das war das schlechteste Ergebnis für sie, seitdem sie Kanzlerin ist. Wenn Knoop ihr jetzt nur ein paar Prozentpunkte abjagt, könnte er sie leicht blamieren. Und: Womöglich folgen ihm jetzt noch andere, die gegen Merkel kandidieren wollen und in der Partei schon profilierter sind als er.

Der kommt…

… aus Berlin-Schöneberg, wo er im CDU-Ortsverband Kleistpark aktiv ist. Vor seinem Jurastudium war er bei der Bundeswehr. Politische Ämter bekleidet er bislang keine. Als Problem sieht er das aber nicht. Im Interview mit dem Berliner Tagesspiegel erklärte er: „Als unabhängiger Kandidat, der nicht schon 20 Jahre Posten besetzt, stehe ich für eine glaubhafte Erneuerung.“ Seinen wichtigsten Unterschied zu Merkel sieht er darin, dass er konservativer sei als sie. Auf seiner Facebook-Seite posiert er in Anzug und weißem Hemd, schaut dabei fast grimmig in die Kamera. Sein Slogan: „Für Deutschland“, das Bild im Hintergrund zeigt das Reichstagsgebäude im Sonnenuntergang und mit schwarz-rot-goldener Flagge. Auch eine Kooperation mit der AfD, aktuell einer der größten Streitpunkte innerhalb der Union, schließt er im Interview nicht aus.

Der geht…

… gerade viral: Vor letzter Woche war der Name Jan-Philipp Knoop noch niemandem im politischen Betrieb ein Begriff. Aber auch Ralph Brinkhaus war noch vor kurzem eher ein Nobody. Und der ist jetzt Chef der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, während Merkels Wunschkandidat Volker Kauder überraschend abgewählt wurde. Das wurde von vielen als Anfang vom Ende – jetzt aber wirklich! – der Ära Angela Merkel gedeutet.

Obwohl Knoop auf absehbare Zeit wohl kaum eine Rolle in der Politik spielen dürfte, kann er sich inzwischen über fast 4.000 Likes für seine Facebook-Seite freuen. Zustimmung kommt allerdings vor allem aus der Ecke rechts der CDU: „Bitte endlich zur AfD wechseln !!!“ postet ein Kommentator, ein anderer schreibt: „Viel Erfolg! #Merkelmussweg“.

Wir lernen daraus, dass…

… in der Politik oft Schlagzeilen macht, wer den passenden Moment nutzt. Ob seine Idee Sinn ergibt, ist da zweitrangig: Mit dem Plan, der AfD durch rechtspopulistische Inhalte Wähler wieder abzujagen, hat sich schließlich schon die CSU verhoben. Aktuelle Umfragen sehen die AfD vor der bayerischen Landtagswahl bei bis zu 14 Prozent. Auch deshalb ist die Stimmung in der Union zur Zeit angespannt. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte Jan-Philipp Knoops Ankündigung vermutlich überhaupt keine Aufmerksamkeit bekommen. Jetzt, da die Kanzlerin als angeschlagen gilt, ist das anders.

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