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Foto: Screenshot / Instagram

Das ist...

Milo Yiannopoulos, wahrgewordener Fiebertraum eines jeden Hipster-Darstellers: Er sieht blendend aus, trägt mit Vorliebe enge T-Shirts mit weitem Ausschnitt, massive Goldketten und Schönwetter-Schals. Der 31-Jährige ist offen schwul und erzählt gerne und ausführlich über seine sexuellen Vorlieben: große schwarze Männer, die er – so eine Anekdote – in Clubs auch schon mal anhand einer Farbkarte darauf abcheckt, ob sie dunkel genug für sein Vergnügen sind.

Der kann...

Trollen. So gut trollen! Milo Yiannopoulos ist der große Shootingstar und leitender Redakteur der rechts-außen Website Breitbart.com und des „alt-right movement“. Die Website wurde zuletzt auch hierzulande bekannt, weil deren Chef (und großer Förderer von Yiannopoulos), Steve Bannon, Trumps Wahlkampf managte und jetzt zum „Chefstrategen“ des zukünftigen Präsidenten ernannt worden ist.

Yiannopoulos’ Strategie als schwuler Star der "Alt-Right"-Bewegung besteht hauptsächlich aus professionellem Trolling. Das ist laut seiner eigenen Aussage die beste Möglichkeit, gegen das sogenannte "linke Establishment".

Seine Strategie dabei: Menschen so lange beleidigen, bis sie ausflippen – und sie dann dafür auslachen, auf den alten Trick hereingefallen zu sein. Im Grunde genommen also dieselbe Strategie, mit der auch Auseinandersetzungen auf dem Schulhof geführt werden.

Seine Strategie macht es aber schwer, mit dem Mann eine ernsthafte Auseinandersetzung zu führen, da für ihn nichts ernsthaft ist. Wenn er in Interviews mit seinen eigenen, teilweise haarsträubenden Aussagen konfrontiert wird („Die Pille macht Frauen hässlich und verrückt“, „Wenn Frauen sich im Internet schikaniert fühlen, gibt es nur eine Lösung: Frauen raus aus dem Internet“), erklärt er immer, er habe das nicht ernst gemeint. Die Texte seien dazu gedacht, Menschen zu provozieren und zum Lachen zu bringen.  

Milo Yiannopoulos ist damit möglicherweise der größte Provokateur, der gerade in den amerikanischen Medien herumläuft. Und er hasst viele Dinge: Er hasst die Linken, er hasst Immigranten, er hasst die Kultur der „political correctness“, er hasst es, dass die Linken nach seiner Überzeugung die Kultur und den Mainstream kontrollieren. Und gegen all das schießt er scharf.

Am liebsten mit einer Armee von Trollen, die für ihn die Drecksarbeit übernehmen. Zuletzt wurde er kurzzeitig bekannt, als er via Twitter seine Anhänger dazu aufforderte, die Schauspielerin Leslie Jones, die in der neuen Verfilmung von „Ghostbusters“ mitspielte, online zu belästigen. Einfach nur, weil sie in dem Film mitspielte und damit ein Symbol darstellt für diese vermeintliche mediale Hegemonie der Linken. Das gelang ihm so nachhaltig, dass er von Twitter gesperrt wurde. Was wiederum für Yiannopoulos ein großer Sieg war, denn damit hatte er sich wieder Aufmerksamkeit verschafft. Und Aufmerksamkeit scheint etwas zu sein, wovon er nicht genug bekommt.

Der geht...

Unter dem klingenden Namen „dangerous faggot“ momentan auf Tour durch Nordamerika. Bei seinen Auftritten, die er bevorzugt auf Uni-Campussen abhält, spult er sein Programm ab: Er provoziert so ausgiebig wie möglich, schießt gegen den "linken Mainstream", Feministinnen, Menschenrechtsaktivisten und andere „Verlierer“ und freut sich darüber, dass wir in einer postfaktischen Welt leben, in der es für ihn darauf ankommt, seine Position so unterhaltsam wie möglich zu verkaufen.

Dabei umgibt er sich mit einer Armee von (meist) bezahlten Bediensteten, die ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen. Seine Tour kostet nach eigenen Angaben mehr als eine Million Dollar. Natürlich wird jeder seiner Auftritte von großen Protestaktionen begleitet, was Yiannopoulos große Freude bereitet. Genauso wie die neueste Nachricht, die er gestern via Facebook verbreitete: dass seine alte Schule ihn wieder ausgeladen hatte, nachdem er dort einen Vortrag hätte halten sollen. Soweit wird es nicht kommen.

Der kommt...

Mit seiner Marke vermutlich auch bald nach Deutschland. Dort und in Frankreich will Breitbart.com nämlich expandieren. Angeblich sucht das Unternehmen bereits nach Redaktionsräumen in Berlin.

Wir lernen daraus...

Dass man auch Hass verbreiten kann, ohne wirklich an ihn zu glauben.

Heidi Beirich, Direktorin des „Intelligence Project at the Southern Poverty Law Center“, einer Institution, die Amerikas rechtsextreme Szene untersucht, ist nicht einmal davon überzeugt, dass Yiannopoulos an das glaubt, was er sagt. Dem Bloomberg Report sagte sie, er sei derjenige, der die als „Alt-Right“ bezeichnete rechtsextreme Bewegung in Amerika in den Mainstream holt.  Auch wenn er zuletzt fast ausschließlich über Donald Trump geschrieben und gesprochen hat, sagt er von sich selbst: „Politik interessiert mich nicht. Ich rede nur wegen Trump über Politik.“  

Sich selbst bezeichnet Yiannopoulos jedenfalls nicht als"alt-right", weil er als Homosexueller, der auf schwarze Männer steht, und Enkel einer Jüdin in dieser Bewegung keine andere Rolle als den Clown spielen kann. Dennoch zählen Menschen wie Richard Spencer, der den Terminus „Alt-right“ erfunden hat und sich selbst einen „white supremacist“ nennt, zu seinen Freunden. Genauso wie der personifizierte Misogynist Daryus „Roosh“ Valizadeh.

Nur Google weiß.....

Dass Milo Yiannopoulos sehr stark kurzsichtig, aber auch sehr eitel ist.

chwa

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