"Chronist des Blödsinns" hat ihn der Tagesspiegel mal genannt. Das war 2011, als sein Blog noch "Spiegel Offline" hieß und relativ neu war. Da zeichnete sich schon ab, dass Christian Brandes, einem Werbetexter aus Berlin, mit der Seite ein besonderer Wurf gelungen war. Spiegel Offline oder Schlecky Silberstein, wie das Blog inzwischen heißt, versammelt sorgsam kuratierte Brüller-Videos aus aller Welt: tollpatschige Katzen, tanzende Chamäleons, betrunkene Russen. Wobei Brandes die Komik dieser Filmschnipsel durch seine liebevoll formulierten Überschriften und Vorspänne nochmal gehörig steigert - manche behaupten gar, sie läsen Schlecky Silberstein nur wegen der Texte über den Videos.

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9:00 Uhr. Kurz nach neun sagt die Echtheit. Kurz vor acht sagt der Weckzeiger. "Wodka Mate!" sagte gestern Abend noch Freund Joseph und da bin ich mit einer Stunde Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit noch ganz gut dabei.  

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9:45 Uhr. Bei mir beginnt kein Tag ohne die obligatorischen zehn Kilometer Freistil. Lüge. Mein Orthopäde zwingt mich zum sonntäglichen Planschen. Das Knie.  

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10:45 Uhr. Brötchen holen. Enough said.  

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12:30 Uhr. Arbeiten. Das wichtigste ist ein konstanter Artikel-Flow – auch am Wochenende. Man kann es so toll und leidenschaftlich machen wie man will. Passiert zwei Tage lang gar nichts, hat Dich gefühlt die halbe Leserschaft vergessen.  

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13:30 Uhr. Bloggen geht ganz klar auf die geistige Gesundheit. Meine Leser haben ja keine Ahnung davon, welchen Traumata ich täglich ausgesetzt bin.  

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14:00 Uhr. Schon lange bin ich auf der Suche nach talentierten Schreibern. Momentan plane ich sowas wie DSDS auf Blogger-Basis. Die grobe Idee steht, jetzt geht's an die Detailplanung.  

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14:30 Uhr. Gaaaaaaanz lange Geschichte. Ich habe diesen Krieg nicht angefangen, aber ich werde ihn beenden. Wer die Spinner aus dem Nebenhaus kennt, weiß, dass ich das Richtige tue. Ich komme mir trotzdem gerade unendlich alt vor.  

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15:00 Uhr. Seit ich denken kann, üben Tiere ein magische Anziehungskraft auf mich aus. Mein Favorit ist momentan das Schaf. Aber die sind im Berliner Stadtbild leider noch viel zu unterrepräsentiert.  

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15:30 Uhr. Schöööööönhauser Alleeeeee. Kann man super zur Melodie von "Oh Champs Elysee" singen. Hier in der rechten Herzklappe vom Prenzlauer Berg ist das wilde, das ungezügelte, das fiebrig vibrierende Berlin… ganz weit weg.    

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16:00 Uhr. Wir Werbetexter mokieren uns gern über Plakate, die es nicht auch auf die Art Basel schaffen würden. Aber das hier ist verdammt noch mal eine Arbeit, die verkauft. Lob an unbekannt.  

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16:30 Uhr. Noch ein Hund. Und was für einer! Checkt die Frisur.    

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17:00 Uhr. Ich habe es schon oft gesagt und sage es noch mal: Zu einem perfekten Sonntag gehört eine 11 Freunde.    

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17:30 Uhr. Ich werde eine Göttin heiraten. Einen Engel. Eine Schaumgeborene. Dieses Himbeermuß soll ab jetzt meine einzige Nahrung sein.  

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18:30 Uhr. Der richtige Berliner geht sonntags in den Club. Der Falsche schlurft zur Kneipe. Schön in den Sonnenuntergang blinzeln. 

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19:00 Uhr. Meine Tankstelle. Dort sollen sie mich beerdigen. Ich kann leider keine Details nennen – ist auch so schon immer super voll da.    

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21:00 Uhr. Ich möchte an dieser Stelle ein Lanze für die Institution Spätkauf brechen. Und wenn wir eines Tages alle Waren über das Internet beziehen, diese Läden sind nicht zu ersetzen. Für mich Standortfaktor Nummer eins bis zehn.           


Text: franziska-marr - Fotos: privat