Der Sonntag mit... Jim Kroft in Uganda

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Name: Jim Kroft
Alter: 35
Geburtsort: Schottland
Wohnort: Berlin
Liebster Wochentag: Montag. Ich mag das Gefühl, wenn die Welt vor dir liegt und die Herausforderungen, deine Wochenend-Tagträume in die Realität umzusetzen.
Aktuelles Projekt: „Journeys". Das Projekt basiert auf der Idee „ein Mann, eine Gitarre, eine Kamera". Nachdem mein Deal mit EMI auslief, als Universal Music das Label übernahm, machte ich mich daran, meine Karriere dadurch wieder anzukurbeln, dass ich toure und dabei eine sechsteilige Doku drehe.


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Illustration: Julia Schubert

12.36 am
Ich bin gerade in Nairobi, Kenia, gestartet und fliegen nach Entebbe in Uganda. Da spiele ich morgen die 23. Show meiner Tour, die mich schon durch Sansibar, Tansania und Kenia geführt hat.


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Illustration: Julia Schubert

2.45 am
Mein Freund Gisa holte mich ab. Er ist Ruander und ein wahrer Rasta – vom vegetarischen Essen über seine Kleidung bis zu seinen Rauchgewohnheiten. Er hat hier viel für mich organisiert, dass er mich jetzt auch noch abholt, zeigt nur einmal mehr, was für ein zuvorkommender Mensch er ist. Ich hoffe, ich kann jetzt noch ein bisschen schlafen. Der Tag ist ziemlich vollgepackt.


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Illustration: Julia Schubert

9.30 am
Guten Morgen. Das erste, was ich diesen Sonntag erlebe, ist meine übliche Verschlafene-Augen-Verwirrung. "Wo zur Hölle bin ich heute?! … Hm…. Moskitos, … Netz, … China kann es nicht sein… Kein Fernseher… Die USA also auch nicht. Ah, stimmt! Uganda!


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Illustration: Julia Schubert

11.00 am
Es wird Zeit, ein "Bodaboda" zu nehmen und auf Nahrungssuche zu gehen. Meine Gitarre nehme ich auch mit, weil ich später mit meinem Freund Charles Obina für eine Show proben will, die wir diese Woche am Goethe-Institut in Kampala spielen. Auf einem Bodaboda rückwärts zu fahren ist übrigens nichts, das ich wirklich empfehlen kann. Schon gar nicht mit einer Gitarre. Naja, die Einheimischen hat’s amüsiert.


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Illustration: Julia Schubert

2.30 pm
Ich treffe Charles Obina. Er ist ein Ex-Kindersoldat, der mit acht Jahren in den Bürgerkrieg entführt wurde. Wir planen den Dreh seines Videos, ich werde da Regie führen. Wir sind uns einig, dass ich ihn in zehn Jahren auf seiner Afrika-Tour begleiten werde und er mich auf meiner Europa-Tour.


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3.15 pm
Ich habe ein bisschen Zeit, mal diese Jungs zu knipsen, die hier ständig rumwuseln und einen alten Knacker wie mich lehren, wie man auch in schweren Zeiten ein Lächeln im Gesicht behält.


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3.25 pm
Auf dem Weg, eine der ärmsten Gegenden in Kampala zu besuchen. Die Konzerte sind die Anker in meinem "Journeys"-Projekt, durch sie kann ich die Reisen finanzieren. Aber mindestens genauso wichtig ist, was dazwischen passiert: das Lernen über die Kulturen der Orte, an denen ich spiele. Erfahrungen, Herausforderungen der Leute hier. Der Klang ihres Lachens, die Farbe ihrer Träume.


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Illustration: Julia Schubert

4.28 pm
Ich bin in einem "Slum" in der Nähe von Bukoto. Ich finde den Begriff Slum irreführend – er bezeichnet nur das Ökosystem, in dem Leute leben, die wenig haben. In tiefer Armut zu leben ist demütigend, aber trotzdem sind unsere westlichen Wahrnehmungen manchmal beschränkt: Ich habe es auf meiner Reise so oft erlebt, dass die Leute vor Ort sagten, sie wollen Investitionen, keine Hilfe. Eine Geschäftsbeziehung, keine Charity.


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5.30 pm
Nachdem ich eine Weile herumgelaufen bin, werden ein paar Kinder neugierig und wollen einen Song hören. Das endet in einem kleinen Konzert vor einer Moschee. Der Imam ist im Hintergrund in Grün zu sehen – zumindest glaube ich, dass er der Imam war – und nickte wohlwollend und zustimmend. Er schien sich zu freuen, dass die Kinder ein bisschen Abwechslung bekommen.


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5.46 pm
Auf dem Rückweg filme ich ein paar Takes für ein neues Musikvideo für einen Song namens „Beyond the Bloodshed". Mehr neugierige Blicke. Und ein paar Fist Bumps.


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6.35 pm
Zurück nach Hause für eine schnelle Dusche und Wäsche.


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8.47 pm
Gisa und sein Freund Bruno Ruganzu holen mich ab, es geht in Richtung Markt. Ich fühle mich erstaunlich frisch nach der langen Reise – liegt vielleicht an der Energie, mit der die Jungs zur Musik meiner EP mitsingen. Ein Moment, der mich stolz macht.


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9.30pm
First things first: Ich brauche meine „Rollex" (Rolled Eggs), eine ugandische Spezialität aus gebratenen Eiern, die in Brot gewickelt werden. Eddie ist ein Meister darin.


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Illustration: Julia Schubert

10 pm (ungefähr)
Das Konzert beginnt. Draußen und ohne Verstärkung. Es gerät ziemlich schnell außer Kontrolle, weil die Locals tanzen und singen und das ganze irgendwann eher weg von meinem Song in Richtung einer kollektiven Zeremonie geht. Das ist das Schöne daran, in Ostafrika zu spielen: Bei Konzerten geht es hier nicht so sehr um das Individuum, sondern um die Interaktion zwischen Musiker und Publikum.


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10.15pm
Die Dame mit dem besten Lächeln Ugandas ist auch da!


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10.30pm
Ein paar neugierige Nachbarn kommen auch noch vorbei.


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10.47pm
Sowas hab ich auch noch nicht erlebt: Dieser Mann ohne Beine wurde immer euphorischer und begann plötzlich zu jaulen und auf seinen Händen zu tanzen. Und was hatte der für einen Groove und eine Energie!


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Illustration: Julia Schubert

10.53pm
Danach haben wir noch ein bisschen zusammen gesungen.


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Illustration: Julia Schubert

11.50pm
Auf dem Weg nach Hause noch ein letzter Schnappschuss im Rückspiegel des Motorrads.

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