Dichte und Undichte

Warum wird es in den USA immer schwieriger, Hustensaft zu bekommen? In unserer neuen Kolumne geht es um Drogenkonsum und alles, was damit zu tun hat.
philipp-mattheis


Dies ist die erste Folge von "Dichte und Undichte". In dieser Kolumne geht es um Drogen und um alles, was damit zu tun hat. Wir möchten in dieser Kolumne Drogenkonsum weder verherrlichen noch verteufeln, sondern über gesellschaftliche Entwicklungen berichten und nachdenken. "Dichte und Undichte" wird sich einmal im Monat unter anderen mit Fragen auseinandersetzen, was Drogenkonsum für eine Gesellschaft bedeutet, wie man ihn bekämpft und was Verbote bewirken können. "Dichte und Undichte" wird sowohl über die Kriege der Drogenkartelle in Mexiko berichten, als auch über angeblich high-machende Kräutermischungen, die neuerdings im Internet vertrieben werden.

Illustration: Julia Schubert



Verbieten
Dass die USA mittlerweile ein ausgewachsenes Problem mit der Droge „Crystal Meth“ haben, wissen wir nicht zuletzt dank der großartigen Serie „Breaking Bad“. Darin panscht ein Chemielehrer in einem Wohnwagen das Zeug zusammen und finanziert mit den Verkaufserlösen seine Krebsbehandlung. Crystal Meth, oder Methamphetamin, wird tatsächlich vor allem von Süchtigen selbst in kleinen „Meth-Küchen“ hergestellt. Die Zutaten gibt es legal im Baumarkt oder in der Apotheke. Manchmal aber fliegen diese Küchen in die Luft. Allein im Bundesstaat Tennessee wurden im vergangenen Jahr 484 Kinder in Obhut genommen, weil ihre Eltern bei Meth-Küchenexplosion ums Leben kamen oder schwer verletzt wurden. (Wie Meth-Süchtige aussehen, zeigt übrigens d[link=http://www.methmadness.com/facesofmeth.html" target="_blank">iese Website hier und wer wissen will, ob Meth in Deutschland ein Problem ist, guckt auf diesen jetzt.de-Artikel aus dem Jahr 2008) 
Lange Zeit standen die Behörden vor dem Dilemma, den Besitz einer Droge zu verbieten, deren Inhaltsstoffe allesamt legal sind. Einige Bundesstaaten wie zum Beispiel Mississippi haben nun Gesetze erlassen, die die Verfügbarkeit des wichtigsten Inhaltsstoff, Pseudoephedrin, stark einschränken. Seit 1. Juli gibt es in Mississippi Pseudoephedrin nicht mehr im Supermarkt, sondern nur noch in der Apotheke. Jeder Bürger darf zudem nur eine bestimmte Menge davon kaufen. Mit Erfolg: Seitdem gingen Meth-Delikte um 70 Prozent zurück. Nur: Pseudoephedrin braucht man nicht nur zur Methherstellung, sondern vor allem für Hustensaft. Menschen mit verstopften Nasen, Husten und Grippe leiden seitdem unter dem Verbot.

Um die Verschreibungspflicht von Pseudoephedrin ist in den USA eine interessante Debatte entbrannt, die das Dilemma bei der Drogenbekämpfung gut verdeutlicht: Das Verbot einer Substanz führt nicht zwangsläufig zu einem Rückgang der Verfügbarkeit der Droge. Experten streiten seit Jahrzehnten darum, ob ein Verbot von Koka-Blättern sinnvoll ist, um Kokainschmuggel zu unterbinden.
Stanford-Professor Keith Humphreys allerdings hält das Verbot für ein effektives Mittel, um die Methproblematik einzudämmen. In dem Wochenmagazin „The Atlantic“ hält die Autorin Megan McArdle dagegen: Das Verbot ziehe unbescholtene Bürger in Mitleidenschaft und trage nichts dazu bei, Meth-Sucht langfristig zu bekämpfen. Stattdessen seien nun ganze Armeen von „Smurfern“ („Schlümpfen“) unterwegs, die in allen Apotheken des Landes die maximal erlaubte Menge einkaufen. Und der britische „Economist“ schreibt, dass durch das Verbot ein Schwarzmarkt entstanden ist: Smurfer kaufen Ephedrin für 7 Dollar in der Apotheke und verkaufen es für 80 Dollar weiter. Mehr oder weniger willkommene Unterstützung erhält McArdle von der Pharmalobby, die viel Geld locker macht, um Regierungsmitglieder von der Wirkungslosigkeit des Verbots zu überzeugen.

Erlauben
Eben jener Lobby wird ja von mehr oder wenig bekifften Verschwörungstheoretikern immer gerne unterstellt, eigentlich hinter dem Verbot von Cannabis zu stecken. Ob daran etwas dran ist, sei einmal dahingestellt. Auf jeden Fall wird die Legalisierung kommen! Das zumindest behauptet der Economist und belegt die These mit einer Umfrage aus den USA: Eine knappe Mehrheit der über 65-Jährigen ist für eine Legalisierung und Besteuerung von Cannabis. Bei den 30 bis 64-Jährigen sind es schon fast 60 Prozent und bei der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen sind über 60 Prozent für eine Freigabe von Marihuana. Im November wurde in Kalifornien ein Volksbegehren zur Legalisierung knapp abgelehnt. Alle Kiffer, die jetzt Juhuu schreien, sollten sich erstmal dieses Video ansehen, das zeigt, was ein Joint in den Lungen so anrichtet.
http://www.youtube.com/watch?v=lHNDJVWE5hg&feature=player_embedded


Drogenfreigabe = mehr Drogen = mehr Abhängige, könnte man einwenden. Ob diese Gleichung richtig ist, wird zu Recht von vielen Experten bezweifelt. Dass aber Drogenabhängigkeit ein gesellschaftliches Problem ist, dürfte unbestritten sein. Wer sich das nochmals ins Bewusstsein rufen möchte, sieht sich das schockierende und doch zutiefst einfühlsame Projekt von Darcy Padilla an. Die

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