900 Quadratmeter Kunst

Es gibt viele Ideen in der Hauptstadt. Hier stellen wir sie in unregelmäßigen Abständen vor. Heute: eine ungewöhnliche Street-Art-Sammlung.
eric-mauerle

Berlin bekommt knapp 900 neue Street-Art-Werke, an nur einem Abend, jedes auf einer Fläche von 30 mal 30 Metern – das ist für Samstag Abend in Berlin zu sehen. Wie das gehen soll? Ziehen da Hunderte von Menschen durch die Stadt, bewaffnet mit Spraydosen, Leitern und Kränen, um in einer nie dagewesenen Riesenaktion ihre Riesenbilder in der Stadt zu verteilen?


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Nein. Kein Künstler muss auch nur einen Finger rühren, kein einziges Bild wird neu entstehen. Die Kunst wird in einer endlosen Riesenslideshow auf eine Hauswand projiziert, alle fünf Sekunden erscheint ein neues Bild.

Die Idee dazu hatten die neun Leute des Start-Ups EyeEm, einer Plattform für Handy-Fotografie. Nutzer können hier Bilder hochladen, ansehen, teilen, kommentieren, sich gegenseitig folgen. Vor etwa einem Monat rief man die Nutzergemeinde auf, Street-Art zu fotografieren und einzusenden, auf dass daraus ein neues temporäres Kunstwerk entstünde: eine Sammlung von Bildern aus aller Welt, mit Hilfe des Internet gesammelt und zusammengefasst zu einem neuen Werk an einer Wand gegenüber der Baustelle des neuen BND-Gebäudes in Berlin Mitte.

Nun ist Berlin ja sowieso schon voll von Graffiti, Schablonen-Bildchen und jeder erdenklichen Form von Straßenkunst. Muss man da auch noch „Importe“ aus anderen Ländern an die Wand beamen? Ja, sagt Severin Matusek von EyeEm: „Es geht uns gar nicht so sehr um die Street Art an sich. Sondern um die verschiedenen Perspektiven, die die Leute in unterschiedlichen Ländern einnehmen. Was sie als Street Art verstehen, wie sie sie wahrnehmen. In Asien kann auch mal eine Vase, die auf der Straße steht, als Street Art interpretiert werden. Dort haben die Leute anscheinend ein abstrakteres Verhältnis zu dem Begriff.“ Die meisten Leute, die Fotos geschickt haben, seien wahrscheinlich auch gar keine großen Graffiti-Kenner – wie Severin selbst. Das sehe man auch daran, „dass die Street Art meistens nicht einfach bildfüllend abgeknipst wurde, sondern dass es viele ästhetisch schöne Fotos gibt, mit stimmungsvollem Licht, schönen Straßenszenen, interessanten Kompositionen. Die Street Art selbst rückt da manchmal sogar eher in den Hintergrund.

Die Projektion läuft von 20 bis 22.30 Uhr, es gibt Getränke und Musik, der Eintritt ist frei.

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