Würfelcamping

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Wer in seiner Jugend nicht wenigstens mal darüber nachgedacht hat, nachts in ein Freibad einzusteigen, hat irgend etwas falsch gemacht. „Das ist eine Vorstellung, von der wir oft hören“, sagt Tanja Rathmann. Sie ist Geschäftsführende Gesellschafterin der Berliner Firma „Scube Parks“ und hat diese romantische Jugendvorstellung mit ihren zwei Partnern zu einem Geschäft gemacht.

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Illustration: Julia Schubert



Seit Anfang Juni kann man im Prinzenbad im Szenekiez Kreuzberg übernachten. Wenn das Bad um 19 Uhr schließt und die Badegäste nach Hause gehen, bleibt ein Teil des 24.000 Quadratmeter großen Areals geöffnet. Dort stehen fünf Würfel aus Holz, etwa sieben Quadratmeter sind sie groß und bieten gerade genug Platz für je drei Betten. Geduscht wird draußen, das kalte Bier muss man mitbringen oder an der Rezeption kaufen, einen Grill kann man sich auch leihen. Das Konzept kommt bei den Kreuzbergern an, der kleine Urlaub im Schwimmbad nebenan ist gefragt.

„Wir wollen Campinggefühl mitten in der Stadt schaffen“, sagt Tanja. „Das Prinzenbad ist ja eine unglaublich große Grünfläche, nachts kann man dort bei Rotwein und einem Teelicht die Stille genießen.“

Stille? Das entspricht nicht ganz dem Jugendtraum der nächtlichen Arschbombe vom Dreier. Die ist im Scube Park aber auch gar nicht möglich. Die Holzhütten stehen im hinteren Teil der großen Wiese, und die Pools sind über Nacht auch für die Würfelbewohner gesperrt. „Dafür müsste ja auch ein Schwimmmeister da sein“, erklärt Tanja, „und das lässt sich momentan nicht finanzieren. Für die Zukunft sei es aber vorstellbar, dass Nachtbaden angeboten wird.

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Illustration: Julia Schubert



Überhaupt läuft vieles noch nicht ideal. Eigentlich sollte das Schwimmbadhostel aus 40 Würfelwohnungen bestehen. Aber kurz vor Start des Projekts gab es Probleme mit der Genehmigung: Die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg sprach sich gegen die große Version des Parks aus, auch der grüne Bezirksbürgermeister Franz Schulz findet, dass die Liegewiese eines öffentlichen Bades nicht der richtige Ort für das neuartige Hostelprojekt sei. Und das, obwohl die Berliner Bäderbetriebe den Machern der Scube Parks das Prinzenbad laut Tanja Rathmann extra zugewiesen hatten, weil sie sich davon eine Aufwertung des Rowdy-Bades erhofften, in dem es auch immer wieder zu Schlägereien kommt.  

„Wir versuchen jetzt, weitere Standorte in anderen Bädern zu finden“, sagt Tanja Rathmann. „Mit nur fünf Würfeln lässt sich das Projekt nicht finanzieren.“ Und sie hegt noch Hoffnung, dass das Bauamt den Antrag doch noch genehmigt.

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