Die KW 47: Istanbul mit Brauen-Fetisch

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Wichtigster Tag der Woche: Der Freitag! Dann fliege ich direkt nach Redaktionsschluss mit Freund V. nach Istanbul. Wir besuchen eine Freundin, die gerade die älteste Erasmusstudentin der Stadt ist. Zumindest fühlt sie sich so. Wir werden also einen dreitägigen Riesenslalom um Studentenpartys aller Art machen und betont erwachsene Dinge tun. Zeitig aufstehen, fein frühstücken, Friedhöfe besuchen, Kniffel spielen, sowas.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert
Jan flieht vor dem November nach Istanbul. 

Politisch interessiert mich...  ...wie es nach einem skandalösen Gerichtsurteil in Spanien weitergeht. Ich äuge öfters da rüber, seit ich mal dort gewohnt habe - übrigens als Erasmusstudent. Jedenfalls: Letzte Woche hat ein Gericht in La Coruña alle Verantwortlichen der Ölkatastrophe von 2002 freigesprochen. Damals lief vor Galicien ein altersschwacher Tanker auf Grund. Die Regierung leugnete das Unglück wochenlang, am Ende wurde die größte Umweltkatastrophe Spaniens daraus. Berge toter Seevögel, Milliardenschäden, ein Riesenbohei. Und jetzt, elf Ermittlungsjahre später? Wurde lediglich der Kapitän zu neun Monaten Haft verurteilt, die er aus Altersgründen nicht antritt. Ministerpräsident Rajoy war damals übrigens Innenminister. Dementsprechend mächtig brodelt es da jetzt.

Wochenlektüre: Seit meinem Herbsturlaub vor vier Wochen knibble ich an Roberto Bolaños „Das Dritte Reich“ herum. Das muss jetzt mal ein Ende haben. Einerseits ist das Buch toll: Bolaño hat lang in Spanien gelebt und schreibt aus der Perspektive eines deutschen Spanien-Urlaubers. Andererseits ist mir die Hauptfigur so kreuzunsympathisch, dass ich mir alle zehn Zeilen mit der flachen Hand an die Stirn schlage. Bis ich merke, dass der Bolaño da zwar deutlich übertreibt, aber uns verknöcherte Deutsche mit unserer tendenziell immer etwas überheblichen Urlauberdenke im Grunde einfach doch verflixt gut erkannt hat.

Was mir letzte Woche außerdem in mutlosen Momenten geholfen hat: ein paar alte Texte vom guten philipp-mattheis lesen! 

Soundtrack: Aus meinen Kopfhörern nudeln diese Woche vor allem zwei Alben: Einmal die genau auf Novemberabende temperierte Debütplatte von London Grammar, in deren Sängerin ich seit letzter Woche heillos verknallt bin. Genauer gesagt, in ihre Augenbrauen. (Jetzt mal im Ernst, verwendet sie dafür Haarschaum?!)

Und zweitens das neue Album von Messer, das am Freitag erscheint. Deutscher Postpunk, der genauso klingt, wie sich mein Gesicht anfühlt, wenn ich an kalten Dienstagen morgens zur U-Bahn gehe: Kalt und verständnislos und rauh wie Sandpapier. Zugegeben: Nach vier Songs wird es anstrengend, dann höre ich oft nur noch weiter, um meinen Büronachbarn Jakob zu ärgern. Er findet solche Sachen...

Was ich auf jeden Fall tun werde: Im Programm des Festivals der Filmhochschulen rumscrollen, das am Sonntag begonnen hat. Und dann mindestens einen Abend lang so viele Abschlussfilme am Stück anschauen, dass ich mal wieder damit hadere, kein Regisseur geworden zu sein.

 

Und Donnerstag um 23 Uhr ein einziges Mal noch das NeoMagazin mit Jan Böhmermann gucken. Die ersten zwei Folgen fand ich überirdisch witzig, die dritte dann leider atemberaubend uninspiriert. Aber: Eine Chance kriegt er noch!

 

Keine Chance hat diese Woche...

...erstens meine irrwitzig rausgewachsene Frisur, die seit Wochen deutlich ins Germanistikstudentenhafte tendiert. Ab zu meiner Lieblingsfriseurin Gwyn!

 

Und natürlich Büronachbar Jakob mit seiner albernen Forderung, ich solle endlich einsehen, dass Messer in Wirklichkeit überschätzte Betroffenheits-Gitarrenschrammler seien. Pff.

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