Eine kinderleichte Woche

Illustration: dirk-schmidt Auch diese Woche noch gut: Kinderkram machen - trotz des Gejammers über eine zunehmende Infantilisierung unserer Gesellschaft.
verena-stehle

Illustration: dirk-schmidt
Auch diese Woche noch gut: Kinderkram machen - trotz des Gejammers über eine zunehmende Infantilisierung unserer Gesellschaft. Also einen Nachmittag lang alle Captain Future-Folgen anschauen, alte Yps-Hefte nach übriggebliebenen Urzeitkrebsen durchstöbern oder mal wieder einen Brief von Hand schreiben - ganz stilecht auf Batman- oder Mein-kleines-Pony-Briefpapier. Das Gute am Kind-Spielen: Erinnert so schön an die Zeit, in der das Gras noch sattgrün war und die Zukunft rosarot.
Montag: Klare Ansagen machen Die Woche startet politisch nachdenklich - mit einem kritischen Seitenblick auf das Topthema der letzten Woche: vorgezogene Neuwahlen. Weil bisher noch keiner gefragt hat, was wir uns eigentlich so wünschen, machen wir und viele junge Menschen aus Politik, Wirtschaft und Kultur heute einfach mal unaufgefordert den Mund auf: Auf der jetzt.de-Seite in der Süddeutschen Zeitung rufen wir in die Welt hinaus, was wir wollen – so laut und mehrstimmig, dass uns in Berlin vielleicht jemand hört.
Dienstag: Kippe ausdrücken Heute ist Weltnichtrauchertag. Einen andächtigen Knicks vor allen, die es heute schaffen, die ungesunde Zwischenmahlzeit unberührt zu lassen. Die Schwachen dürfen basteln: Schwarzgerahmte Warnhinweise auf den Packungen ausschneiden und auf die Kühlschranktüre kleben. Und spätestens wenn der Kühlschrank vollgepflastert ist und aussieht wie eine riesige Todesanzeige, gilt es, das mit dem Rauchen nochmals zu überdenken. Und dann vielleicht im nächsten Jahr an diesem Tag standhaft zu bleiben.
Mittwoch: Kerzen ausblasen Ein perfekter Tag, um der Schönheit zu huldigen: Heute sind gleich zwei wohlproportionierte Geschöpfe auf die Welt gekommen. Heidi Klum wird 32 Jahre alt, Marylin Monroe hätte heute 79 Kerzen auspusten dürfen. Wer doch eher die inneren Werte vorzieht, der kann heute noch was für seine Bildung tun und zu einem guten Buch greifen: Der "Steppenwolf" von Hermann Hesse wurde vor genau 78 Jahren veröffentlicht. Ach ja: Wer heute lieber den ganzen Tag in Babysprache reden möchte - auch kein Problem. Denn heute ist außerdem noch Kindertag.
Donnerstag: Künste preisen Fast wie ein Ritterschlag ist alleine schon die Nominierung junger Künstler für den Turner-Preis: Der bedeutendste britische Kunstpreis wird heute verliehen. Apropos Kunst: Heute läuft der durchaus kunstvoll kitschig inszenierte Hollywood-Film "Ice Princess" in den Kinos an. Ein Ereignis war der Film im Theatre am Hollywood Boulevard in Los Angeles deshalb, weil man nach der Vorführung auf einer extra angelegten Eisfläche im Kino Schlittschuh laufen konnte.
Freitag: Kuttner anlächeln Pflichttermin heute abend ist das jetzt.de-Sommerfest im Münchner Literaturhaus. Hoher Angeberfaktor mit zwei Sternen: Sarah Kuttner und der Sprechdichter Timo Brunke sind auch da. Ausweichmanöver für alle Berliner: Radio anschalten und zum Fernsehturm raufgucken: Heute startet die "Sparkling Love Towers World Tour", ein Projekt des Künstlers Friedrich Liechtenstein – mit ganz viel fotografischem Blitzlichtgewitter, das synchron zu einem Musikstück abgefeuert wird.
Samstag: (The) Kills bespringen Passionierte Head-Banger und Stage-Diver aufgepasst: Wer die wochenendfüllenden Festivals am Ring oder im Park zu teuer oder ausgelutscht findet, der hat heute eine eintätige Alternative: das Berlin Festival in, na wie der Name schon sagt. Getreu dem Motto "klein, aber oho" gibt es unter anderem The Kills, Die Sterne und das Jeans Team zu bejubeln. Ebenfalls "oho", die Lesung von jetzt-Usern.
Sonntag: Kicken gucken Dass Frauen nicht Fussball spielen können, sollten Männer heute nicht allzu laut rumproleten - und sich eines Besseren belehren lassen: Heute beginnt die Europameisterschaft der Damen. Außerdem wird im Landesmuseum Koblenz die Ausstellung zur Geschichte der Gummibärchen eröffnet. Hand drauf: Ab morgen ist dann Schluss mit dem infantilen Gehabe. Dann tun wir wieder richtig groß und machen ganz erwachsene Sachen.

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