Wochenvorschau: So wird die KW 49

Praktikant Gregor wird in die große Freiheit entlassen. Ein musikalischer Filmriss, ein Buch über Bärenwitze und Pilotensprache erleichtern ihm seinen Vorruhestand.
gregor-rudat

Wichtigster Tag der Woche: Der Montag schon. Da wird zum ersten Mal seit zwei Monaten der Wecker nicht um sechs Uhr in der Früh klingeln. Klar, für viele ist das Normalität. Aber auf irgendwas darf man sich ja freuen, wenn das Praktikum vorbei ist. Deswegen fragt mich nicht nach dem wichtigsten Tag der Woche. Jeder wird wichtig. Ich werde es genießen, mal nicht jeden Morgen alle Newsportale zu durchforsten. Ab Mittwoch kriege ich dann wieder Lust auf Arbeiten. Bestimmt.

Kulturelles Highlight: Ich werde sehen, dass ich es zu der Vernissage eines Freundes schaffe. Der hat nämlich was zu feiern. 10.000€ hat er via Startnext eingesammelt um das „Das Bärenbuch“ zu drucken. Es ist schön dick geworden. Drinnen: nur Witze, die mit dem phonetischen Gleichklang von „Bär“ spielen. Und abgefahrene Illustrationen. Große Kunst mit großem Quatschfaktor.

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Illustration: Julia Schubert

 Politisch interessiert mich... wie es in Ferguson und den USA weitergeht. Ich habe diese Woche mit einer Freundin telefoniert, die in St. Louis studiert. Seitdem weiß ich: Die meisten Mensch zünden keine Autos an. Es gibt viele friedliche Proteste. Aber die Frustration ist hoch – und entlädt sich, wie sie erzählt: „Die Polizei ist nach kurzer Warnung auf uns Protestierende zugegangen und  hat versucht uns abzudrängen. Zwei schwarze Männer, Anfang zwanzig, waren auf Konfrontation aus. Eine Freundin von mir hat versucht die beiden aufzuhalten. Doch den beiden war die Aussicht auf Gefängnis egal. Sie hätten schon so viele Jahre im Gefängnis verbracht, dass ihnen das nichts mehr ausmachen würde.“ Man darf gespannt sein, ob sich durch die Proteste etwas ändert.

Soundtrack: Facebook hat mir befohlen „Konsequence“ zu liken. Ich habe es getan. Und hing geistig auf einmal in einer Mamorvilla im Miami der späten 80er fest. „Wham!" geben ein Konzert und für den Absacker gehts in den Club Tropicana. Zu viele Piña Coladas machen mich total horny. "Bad Girl". Ab da weiß ich nichts mehr. Filmriss.

Wochenlektüre: Eine schwimmende Stadt, die auf dem Meer umherschippert und die Gäste in kleine Fischerstädte ausspuckt, wo dann für kurze Zeit Ausnahmezustand herrscht. Kreuzfahrten - ein seltsames Phänomen. David Foster Wallace hat mit der Reportage „Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich“ eine Luxus-Kreuzfahrt in der Karibik beschrieben. Und die ist genial. Bessere und klügere Gedanken über Kreuzfahrten gibt es wohl nicht. Das ist so gut, wie er das eigentlich von Anfang an schlecht finden will, aber von dem Sog aus All-Inclusive-Luxus und verordneter guter Laune korrumpiert wird. In einer Episode legt ein anderer Mega-Liner neben seinem Schiff an. Er verfällt in tiefe Traurigkeit und Wut: Das andere Schiff sieht viel luxuriöser und sauberer aus als seines. Auf diese Reportage in Romanlänge bezieht sich auch der heutige Buchtipp meinerseits: „Glänze, Gespenst!“ von Steven M. Brown. Das Thema ist hier wieder die Kreuzfahrt an sich. Aber ein bisschen anders diesmal. Zitat vom Buchdeckel: „Ein Schiff. Dreitausend Männer, eine Woche Mexiko und eine Liebesgeschichte.“ Brown beschreibt eine schwule Kreuzfahrt. Es gibt zum Glück  nichts, das es nicht gibt. Der Autor schreibt gelegentlich für das DUMMY – Magazin und  „Glänze, Gespenst“ ist sein erster Roman.

Kinogang? Stell dir vor, du musst deinen Vater und dein Volk verraten und für den Erzfeind spionieren! Zugegeben: Die Situation ist für unsereins eher unwahrscheinlich. Ich wollte nur eure Aufmerksamkeit. Die Doku „The Green Prince“ beschreibt diesen Konflikt. Der Sohn eines Hamas-Führers soll auf einmal für den israelischen Innengeheimdienst „Schin-Bet“  spionieren. Wie das ausgeht? Ich weiß es nicht. Noch nicht. Ab 27. 11 gibt es die Antwort im Kino.

Geht gut diese Woche: Wie gesagt: Praktikum is over. Finito. Bin raus. Ich glaube, ich lerne jetzt Pilotensprache. Die klingt lustig und keiner versteht sie. Genau richtig, um wunderlich zu werden - jetzt, bei soviel Freizeit. Ich gehe auf einen "kalifornischen Riesenslip", weiche dem ein oder anderen "Kuh-Furz" aus, mache eine "Lala", werde hier und da mal "noddeln", den ein oder anderen "Miefquirl" versägen und auf mein "Popometer" hören. Jetzt.de war ein fantastischer "Stratosphärenschlepp". Alles verstanden? Danke für alles.

 

Geht gar nicht: Kommasetzung. Zwei Monate Boot-Camp haben es mir nicht beibringen können. Ich bleibe aber hoffnungsfroh. 

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