Travestie für Deutschland II
Travestie für Deutschland Stephen P. Carnarius/ Travestie für Deutschland

In Deutschland ist Wahlkampfzeit. Während bei den etablierten Parteien allerdings der Schalter für den Wahlkampfmodus noch zu klemmen scheint, sorgt eine neue, fiktive Partei für Aufsehen: Die „Travestie für Deutschland” kurz TfD. Klingt ähnlich wie die rechtspopulistische Alternative für Deutschland - soll es auch. Der aufwärts gerichtete rote Pfeil des AfD-Logos wird bei der TfD durch einen roten Pump ersetzt, auch das Layout der Wahlplakate ähnelt stark dem der AfD. Die Botschaft ist allerdings eine andere.

Mit Slogans wie „Bitch, please! Populisten sind so Berlin, 1945” oder „Wie? Wenn Sie Nazis wählen, bekommen Sie auch Nazis?” setzen sie sich für Vielfalt und Toleranz ein. Gemeinsam mit den Hashtags #NoAfD oder #GegendenHass wollen sie auf das veränderte gesellschaftliche Klima für LGBTQ-Personen aufmerksam machen.

Die Idee sei eher zufällig bei einem Fotoshooting entstanden, so Alexander Winter, Pressesprecher der Kampagne, am Telefon. Bei einem Foto mit der Künstlerin Jacky-Oh Weinhaus zeigte diese dem Zuschauer den ausgestreckten Mittelfinger - gemeinsam mit der Botschaft „Mut zur Travestie" kam das gut an. Aufgrund des politischen Chaos in der Welt und ihrer Sorge über die erstarkende AfD, entschlossen sich die Berliner gemeinsam mit Art Director Matthias Panitz mit einer Guerilla-Aktion und eben jenem Plakat in den Wahlkampf um das Berliner Abgeordnetenhaus einzusteigen. Die Entscheidung, auch bundespolitisch aktiv zu werden, lieferte dann endgültig die Wahl Donald Trumps.

Travestie für Deutschland VII
Stephen P. Carnarius/ Travestie für Deutschland
Travestie für Deutschland V
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Travestie für Deutschland VIII
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Travestie für Deutschland X
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Travestie für Deutschland III
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Travestie für Deutschland II
Travestie für Deutschland Stephen P. Carnarius/ Travestie für Deutschland
Travestie für Deutschland
Stephen P. Carnarius/ Travestie für Deutschland

Neben der Vorsitzenden der Fake-Partei, Jacky-Oh Weinhaus, zählt die Gruppierung derzeit sieben Mitglieder. Auf ihrer Website veröffentlicht sie Artikel und Gastbeiträge sowie kurze Videos, in denen Politiker wie Volker Beck von den Grünen oder Christine Lüders, Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, befragt werden, was sie von der AfD halten und wie mit ihnen umzugehen ist. 

„Unser Ziel ist es zum einen, die Aufmerksamkeit auf Trans-Personen und die Einschränkungen für die LGBTQ-Community, die noch immer bestehen, zu lenken. Zum anderen wollen wir politisieren. In der LGBTQ-Community sind politische Meinungen ein rares Gut und wir wollen zur Meinungsbildung beitragen”, sagt Alexander Winter. Gerade jetzt, wo die „Ehe für alle” realisiert wurde, hat Winter den Eindruck, viele lehnten sich zurück. „Einige LGBTQ-Menschen haben sich aber auch dem Rechtspopulismus zugewandt. Sie behaupten, die AfD habe nichts gegen Homosexuelle oder Trans-Personen. Aus ihrem Wahlprogramm geht allerdings etwas ganz anderes hervor." Ihr gemeinsames Feindbild sei der Islam. Der böse Muslim, so die irrationale Angstmache, komme nach Deutschland und werde Homosexuellen und Trans-Menschen ihre Rechte wegnehmen, oder sie gar umbringen.

Die TfD wird am Wahltag auf keiner Liste auftauchen und ihre Plakate sind bislang ausschließlich digital zu finden - aber das wird sich bald ändern. Für Berlin gehen die Plakate in den nächsten Tagen in den Druck und auch andere Städte sowie der CSD in Leipzig haben ihr Interesse bekundet. Auch die Forderung, die TfD solle eine richtige Partei werden, wurde laut. Konkrete Pläne dafür gibt es Alexander Winter zufolge noch nicht. Man würde allerdings darüber nachdenken. 

bdie

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