Facebook zensiert die Streetart-Künstlerin „Barbara.“

Sie beklebt Hauswände und Schilder, um gegen Diskriminierung vorzugehen. Nun wurden mehrere ihrer Fotos gelöscht.
Foto: Barbara.
Foto: Barbara.
Foto: Barbara.

Barbara.“ gilt als eine der bekanntesten Streetart-Künstlerinnen in Deutschland. Ihr Werkzeug: humorvoll-satirische Papierschilder, die sie mit Klebeband auf Verbots- und Verkehrsschilder, an Haus- und U-Bahnwände klebt. Ihr Motto: „Hass ist krass. Liebe ist krasser.“ Deshalb verklebt sie ihre Schilder immer auch dann, wenn ihr in der Öffentlichkeit ein rassistischer Spruch, ein rechtsextremes Tag begegnet. Hinterher postet sie Fotos davon auf Facebook und Instagram. Insgesamt folgen ihr auf den beiden Plattformen fast eine Million Menschen, 2016 erhielt die anonyme Künstlerin für ihre Arbeit den Grimme Online Award.

Zu Silvester 2017 hatte sie angekündigt, sich eine mehrtägige Social-Media-Auszeit zu nehmen, gestern hat Barbara sich mit einem ausführlichen Statement erstmals wieder zu Wort gemeldet. Der Anlass: Facebook und Instagram hatten in den vergangenen Wochen verschiedene Fotos der Künstlerin gelöscht, „weil sie angeblich gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen“, wie Barbara in ihrem Post schreibt. Ihr sei außerdem gedroht worden, dass ihre Accounts im Falle weiterer Verstöße gelöscht werden.

Auf Anfrage von jetzt schickte Barbara mehrere der gelöschten Fotos. Eines zeigt eine Hauswand, an die mit Filzstift der nationalsozialistische Gruß „Heil Hitler“ geschmiert wurde. Sie hatte den Spruch mit dem Bild eines Kaktus kommentiert, auf dem steht: „Und wenn ein blöder Wicht was Supderdoofes spricht, dann kleb ich einen Kaktus, und der sticht, sticht, sticht.“ Auf einem anderen Foto hat sie dem Verkehrsschild, das auf Unebenheiten auf der Straße hinweist, einen bunten BH umgehängt.

Ebenso strittig für  Facebook: Das Foto eines Parkverbot-Schildes, auf dem ein hämischer, herablassender Text zu lesen ist, der indirekt auf die Erziehungsmethoden an Waldorf-Schulen hinweist. Barbaras Kommentar: „Waldorfschüler können auch 'Arschloch' tanzen und sich vor deinem Schild zum Flashmob treffen.“

Natürlich ist das Wort „Arschloch“ eine Beleidigung, aber „es richtet sich nicht gegen eine greifbare Person“, schreibt die Künstlerin gegenüber jetzt. „Es waren (aus meiner Sicht) völlig harmlose Beiträge, die sich gegen rechtsradikale Schmierereien und diskriminierende Schilderbotschaften gerichtet haben“, schreibt sie in ihrem Post weiter.

In den vergangenen Wochen wurde ausführlich über das neu in Kraft getretene Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) diskutiert. Auch die Frage, inwieweit das Gesetz Zensur Vorschub leistet, wurde kontrovers diskutiert. Barbara bezieht sich nicht wörtlich auf das NetzDG, sie schreibt aber: „Ich sehe die Freiheit im Internet dadurch mehr als nur bedroht, sie wird aus meiner Sich dadurch ruiniert.“ Sie betont dabei, dass gegen Hass und Gewaltandrohungen im Netz vorgegangen werden müsse. Trotzdem werde sie sich künftig „genau überlegen, wie ich mit dem veröffentlichen von Fotos auf Facebook und Instagram umgehe.“ Ob und inwiefern die Löschungen auf das NetzDG zurückzuführen sind, lässt sich nicht verbindlich beurteilen.

Inzwischen hat sich aber eine Sprecherin von Facebook zu dem Fall geäußert. „Die Beiträge wurden versehentlich entfernt und sind mittlerweile wieder auf Facebook und Instagram verfügbar“, sagte sie gegenüber Spiegel Online, „wir stehen mit Barbara in Kontakt und haben uns persönlich für den Fehler entschuldigt.“ Die Künstlerin hat dies bestätigt.

jwh

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