Die Grafik zeigt den globalen Temperaturanstieg. 17 der 18 wärmsten Jahre weltweit wurden seit 2001 gemessen.

Die Grafik zeigt den globalen Temperaturanstieg. 17 der 18 wärmsten Jahre weltweit wurden seit 2001 gemessen.

Foto: Screenshot Twitter / Ed Hawkins / Climate Lab Book

Stürme, Überschwemmungen, schmelzende Eisberge: Der Klimawandel ist real, nicht schön und sehr, sehr komplex. Ein Wissenschaftler aus Großbritannien hat es allerdings geschafft, den Anstieg der Durchschnittstemperaturen so darzustellen, dass man das Ausmaß auf nur einen Blick erkennen kann – und das Ganze bei aller Ernsthaftigkeit auch noch aussieht wie ein modernes Kunstwerk.

Ed Hawkins ist Klimaforscher an der University of Reading und betreibt das „Climate Lab Book“, ein Blog für, wie er es nennt, „Open Source Klimaforschung“. Dort veröffentlicht er Beiträge zu aktuellen Forschungsfragen und -ergebnissen, bittet aber auch ausdrücklich um Gastbeiträge, weil jeder an dem Blog mitschreiben können soll.

Dort hat Hawkins in dieser Woche Infografiken veröffentlicht, die die jährliche Durchschnittstemperatur in England, den USA, Toronto und der Welt von der jeweils verfügbaren ersten bis zur aktuellsten Temperaturaufzeichnung zeigen und zwar in Form von farbigen Streifen in Blau- und Rottönen (Infografiken für weitere Orte sollen folgen). „Warming Stripes“ nennt Hawkins seine Grafiken. Auf den ersten Blick ist darauf erkennbar, dass die rechte, also aktuellere Hälfte der Grafiken deutlich röter eingefärbt ist als die linke – weil die Temperaturen stark gestiegen sind. Die „Warming Stripes“-Grafik für England ist am detailliertesten, weil hierfür die meisten Daten vorliegen: von 1772 bis 2017. 

Das Bild mit der weltweiten Durchschnittstemperatur von 1850 bis 2017 ist allerdings am eindrücklichsten, weil hier die roten Streifen vor allem ganz rechts zu sehen sind: 

Sie verdeutlichen, dass die vier wärmsten Jahre innerhalb der vergangenen fünf Jahre augzeichnet wurden – und 17 der 18 wärmsten Jahre im Zeitraum seit 2001.

„Ich wollte die Temperaturveränderungen auf eine simple und intuitive Art wiedergeben“, schrieb Hawkins in einer Mail an die Washington Post. „Diese Visualisierung verzichtet auf sämtliche Ablenkungen der üblichen Diagramme und erlaubt es dem Betrachter, einfach nur die Langzeit-Entwicklung und -Variationen zu erkennen, ohne darüber hinaus noch etwas interpretieren zu müssen.“

Ed Hawkins hat schon einmal mit einer grafischen Darstellung des Klimawandels auf sich aufmerksam gemacht: Er ist der Erfinder der „Climate Spirals“: animierte Spiralen, die ebenfalls die weltweite Temperaturentwicklung zeigen. Mit dieser Arbeit war Hawkins 2016 für die „Information is Beautiful Awards“ nominiert. Die Awards werden jährlich für die besten Visualisierungen von Datenmaterial vergeben.

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