Leute springen zu Drakes „In my Feelings“ aus fahrenden Autos

Und vergessen anscheinend, wie gefährlich das ist.

Zuerst scheint alles normal: Die Autoboxen dröhnen, Drake singt und die Person hinterm Steuer wird für ihren großen Online-Auftritt gefilmt. Doch statt laut mit zu grölen oder das Lenkrad an zu tanzen, reißt sie die Tür auf und springt aus dem fahrenden Auto. Internettrends sind ja selten logisch und vielleicht ist auch genau das der Reiz daran. Die #inmyfeelings-Challenge ist aber nicht nur dämlich, sondern auch gefährlich. 

Angefangen hat die Challenge mit dem Social-Media Star Shiggy, der nach Drakes Scorpion-Albumsrelease Ende Juni zu „In my Feelings“ seine Moves auf Instagram auspackte. Bei ihm war alles noch harmlos. Er tanzte auf der Straße in seinem rosa Jogginganzug, ohne davor aus einem fahrenden Auto gesprungen zu sein. Der Clip ging sofort viral und so zogen auch andere Künstler nach, wie Ciara. Und irgendwann auch die Ottonormal-Instagrammer. Denn der Tanz ist so simpel, dass ihn jeder problemlos nachahmen kann: Die Hände zu einem Herzchen formen und vor der Brust pumpen lassen zur Textstelle „Kiki, do you love me?“, dann einen Arm nach vorne zum imaginären Lenkrad strecken und hin und her lenken zu „Are you riding?“, dann Step zur Seite zu „Say you'll never ever leave from beside me“ und sonst eben groovy Hip-Hop Moves. Auch da begannen schon ein paar (textbedingt) neben fahrenden Autos herzutanzen, doch immer noch ohne herausgesprungen zu sein. Knapp eine halbe Millionen Menschen haben seitdem an der Challenge teilgenommen. Und mit der Zeit wurden die Videos dann auch immer waghalsiger.

Weltstar Will Smith war der Erste mit einer etwas heikleren Idee. Er kletterte in Budapest auf die berühmte Kettenbrücke und tanzte auf dem Dach eines Torbogens. Doch das war den Instagrammern zum Glück nicht nachahmbar genug. Im Gegensatz zum Tanz von „Pretty Little Liars“-Star Shay Mitchell, die dafür aus einem langsam fahrenden Auto sprang und dann nebenher tanzte.

Ob sie damit die Allererste war, kann sich nicht sicher sagen lassen, aber sie war sicher diejenige die den Trend erst richtig befeuerte. Es hat mehr als fünf Millionen Aufrufe. 

Seitdem haben weitere Hundertmillionen Menschen an der Challenge über Instagram und auch Twitter teilgenommen. Viele davon springen aus einem fahrenden Auto. Dabei vergessen sie aber offensichtlich, dass Shay Mitchells Video perfekt gescriptet war. Und: Dass Shay bei Schrittgeschwindigkeit absprang. Reihenweise sieht man Videos, wie Leute aus den Autos stürzen und auf die Straße knallen. Alarmierend ist daran vor allem, wie sie reagieren, nämlich mit Lachkrämpfen. Das ganze wird ins Lächerliche gezogen, der Abschreckungsmoment bleibt aus und andere User ziehen nach – manche wahrscheinlich sogar mit dem Ziel selbst auf dem Beton zu landen, um viral zu gehen. 

Das Phänomen zeigt wieder einmal, wie weit uns die Sucht nach digitaler Selbstinszenierung treibt. So lange die Kamera läuft und man Content produziert, setzt die Hirnfunktion aus. Es wird nicht darüber nachgedacht,  ob ein Auto angerast kommen könnte, dass einen über den Haufen fährt, ob der Beifahrer es nicht schnell genug auf 

dem anderen Sitz schaffen könnte, um möglichen Hindernissen auszuweichen, ob man mit dem Kopf auf dem Beton aufschlagen könnte und sich dabei ernsthaft verletzt. Nur ist es leider, wie mit dem Rauchen und jeder anderen Sucht: Der Aufweck-Moment kommt immer erst dann, wenn wirklich jemandem etwas passiert, am besten einem selbst. Deshalb dröhnt bestimmt auch in diesem Moment eine Autobox, Drake singt und einer greift an den Griff der Autotür, um abzuspringen.

flpf

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