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Das Ding der Woche: Clog-Sandalen

Ein schwedisches Holzschuhlabel sorgt für den endgültigen Durchbruch nordischer Klotzen - und wir sind um eine Alternative zu Flip-Flops und Gladiatorensandalen reicher.
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Zugegeben: Lederschuhe mit Holzsohle, sogenannte Clogs, stehen schon seit Längerem auf der Warteliste für das nächste große Ding. Zeitgleich zum flächendeckenden Erfolg von Birkenstocks bekamen nämlich auch die hölzernen Dr. Scholls Sandalen vor Jahren einen Klacks Bekanntheit ab - so richtig los ging es bei ihnen in Sachen Durchbruch dann aber doch nie. Die regelmäßigen Versuche großer Designer, Holzschuhe erfolgreich in die Läden zu bringen, scheiterten erst einmal. Vielleicht waren die Dinger ja noch einen Ton zu 90er und brauchten erst einmal diverse Neuauflagen des Plateautrends, sozusagen als sanfte Einstimmung auf die neue Klotzigkeit. Vielleicht lag es aber auch gar nicht an der fehlenden Bereitschaft der Modewelt, sondern an der mangelnden Skandinavität von Scholl und anderen Holzexperimentierfreudigen.

Zumindest schien es erst die Schwedinnen Cilla Wingard Neuman und Emily Blixt mit ihrem 2007 gegründetes Label Swedish Hasbeens zu brauchen, damit die hölzernen Klotzen bei den meinungsbildenen Bloggerinnen im Jahr 2010 für einstimmige Begeisterung sorgten. Von eben diesen wurde die Schuhmacherin nämlich Ende letzten Jahres für eine sehr ansehnliche und überhaupt nicht Scholl-latschige Herbstkollektion gerühmt und geriet damit endgültig in den Fokus der Öffentlichkeit. Weil sie offenbar nicht nur Herbst, sondern auch Sommer sehr gut können, steht Mitte April nun eine von den Modemädchen dieser Welt heißersehnte Sandalenkollaboration mit H&M an.

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In England, Schweden und eigentlich in allen nördlich gelegeneren Gefilden gehören Clogs seit jeher zum Alltag – in den meisten Fällen allerdings aus rein praktischem Motiv: nämlich als billiger Arbeits- oder Gartenschuh, der in den Haushältern auf der Terrasse oder im Kellerabgang direkt neben dem Gummistiefelsortiment der Familie steht.
Swedish Hasbeens beziehen sich allerdings auf die in den 70er Jahren bei Schwedinnen beliebte Schick-Variante mit ein wenig Absatz. Sie sind dabei selbstredend alles andere als billig - dafür aber von einer sehr eleganten Erscheinung und unter ökologisch und gesellschaftlich korrekten Bedingungen hergestellt. Neuman und Blixts Ziel ist es nämlich „Schuhe für eine bessere Welt machen zu wollen". Das ist Balsam für die anhaltende öko-goes-cool Stimmung der Massen.

Kein Wunder, dass H&M dieses Verkaufspotential schnell gewittert hat. Das riesige Modehaus ist seit Längerem dafür bekannt, regelmäßig Exklusivkollektionen mit angesagten Designern herauszubringen. Obwohl man sich erlaubterweise die Frage stellt, wie die gutgemeinte Hasbeens-Philosophie nun genau mit einem Moderiesen zusammengeht, ist es doch wenig überraschend, dass sie es tut: Klingt korrekt, sieht gut aus - Erfolg für beide Seiten ist vorprogrammiert. Da konnten wohl auch Neuman und Blixt nur schlecht Nein sagen. Deshalb wird sich Mitte April, am 20.4 2011 mal wieder alles, was eitle Modefüßchen besitzt, vor einer der ausgewählten Filialen gegenseitig die Hacken eintreten. Warum auch gut 250 Euro für das schicke Ökogewissen abdrücken, wenn H&M und Swedish Hasbeens es einem einmalig für schlappe 50 Euro verkauft.

Doch wie auch immer man das jetzt beurteilt: Dass die Hasbeens im Gegensatz zu früheren Holzschuhmodellen überraschend gut aussehen, ist nicht zu leugnen. Dass sie die eigene Abwechslungslust mit Frühlingsgefühlen beträufeln, auch nicht. Denn nach langen Jahren umgeben von den ewig gleichen Flip-Flop und Gladiator-Variationen sind die Holzsandalen eine willkommene Neuigkeit. Nur eine Frage gilt es dann noch zu klären: Sind die wirklich so gesund und gemütlich, wie ihnen nachgesagt wird? Sieht nämlich eher hart und schwer aus, die neue Fußmode. 

Text: mercedes-lauenstein - Illustration: Christopher Stelmach