Das tragbare Bett

Der schlimmste Moment des Tages könnte bald der Vergangenheit angehören: Der "Napsack" ist sowohl Kleidungsstück als auch Schlafsack. Mit ihm muss niemand mehr morgens die warme Bettwäsche verlassen.
jan-stremmel

Beim Camping liegen der wunderbarste Moment des Tages und der schlimmste Moment des Tages besonders dicht zusammen. Nach einer kalten Nacht morgens im Zelt aufwachen, seinen Atem als Wölkchen in Richtung Zeltdecke stoßen und dabei von der Fußsohle bis zur Schädeldecke im gründlich durchgewärmten Schlafsack liegen: wunderbar! Dann aber den Reißverschluss aufziehen, ein Bein nach dem anderen in die kalte Morgenluft heben und reinschlupfen in die ausgekühlte Jeans: schlimm!  

Eine amerikanische Outdoor-Firma macht diesen fiesen Moment überflüssig – mit einem Schlafsack, den man den ganzen Tag nicht verlassen muss. Wer im "Napsack" schläft, öffnet einfach, zipp-zapp, links und rechts der Schultern einen Reißverschluss, steckt die Arme raus, öffnet eine Schnur an den Füßen und stößt die Füße in die frische Luft. Alsdann kann der Insasse des Napsacks bequem aus dem Zelt krabbeln, Kaffee aufsetzen, Zähne putzen oder ein Buch am erloschenen Lagerfeuer lesen. Und nicht mal ein Hauch kühler Morgenluft kommt ins mümmelwarme Innere.  

Bringt Bettkuschelwärme in jede ungemütliche Situation: der tragbare Schlafsack.

Die Menschen, die diesen Schlafsack-Poncho entwickelt haben, stammen aus dem tendenziell gemütlichkeitsbesessenen Portland, Oregon. Die potentielle Tragweite ihrer Erfindung erahnt man aber erst, wenn man sich durch die Fotos klickt, die sie frei Haus auf ihrer Website mitliefern: Da tragen junge Frauen den Napsack, während sie in sorgfältig eingerichteten Wohnzimmern ins iPad starren oder am Tisch vor Laptops sitzen. Der Napsack versöhnt seinen Träger also nicht nur ein bisschen besser mit dem Start in den Outdoor-Tag, er verwischt auch zu Hause die Grenze zwischen Wachsein und Insbettgehen. Die tragbare Bettwäsche verbreitet Campingplatz-Gemütlichkeit überall, Freelancer können am Schreibtisch sitzen und sich im Bett fühlen, Freizeit und Arbeit werden eins, Wachsein und Schlaf rücken näher zusammen.  

Ist das nun ein Problem? Aber nein. Denn noch einen zweiten ewigen Fehler von Schlafsäcken behebt der Napsack: Wer ihn trägt, kann mit geöffneten Armlöchern nämlich seinen Bettnachbar im Schlaf umarmen. Und geniale Sachen müssen ja nicht immer gut aussehen.

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