Der Keinohrhase

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Elefanten haben Rüssel, Schildkröten Panzer und Hasen Ohren. Fehlen einem Kaninchen die Ohren, ist etwas faul. Ist es noch dazu in der Nähe eines havarierten Atomkraftwerks auf die Welt gekommen, finden wir das ungemein unheimlich. Vor ein paar Tagen stellte ein Nutzer das Video eines weißen Kaninchens ohne Ohren ins Netz. Dem weißen Tier scheint abgesehen eines für seine Bezeichnung doch recht essentiellen Körperteils nichts zu fehlen. Es hoppelt mit ein paar Kaninchenkollegen durch ein Gehege und tut das, was Kaninchen eben so tun: Es mümmelt. Wäre da nicht seine auffällige Ohrlosigkeit in Kombination mit seinem Geburtsort, würde sich die Welt nicht für den „Nuclear Rabbit" interessieren.
http://www.youtube.com/watch?v=E9XTcmxiANE
Laut seines Besitzers Yuko Sugimoto kam das Tier aber am 7. Mai auf die Welt, angeblich in Namie City, 30 Kilometer von der Sperrzone rund um die havarierten Reaktorblöcke von Fukushima entfernt. Dort wurde am vergangenen Samstag in der Luft die bisher höchste Strahlendosis seit dem Unglück vom 11. März gemessen. Das teilte der Betreiber Tepco mit. Obwohl das öffentliche Interesse an dem Unglück in den letzten Wochen zurückgegangen ist, spitzt sich die Lage dort zu: Rund 100.000 Tonnen verstrahltes Wasser, die dazu verwendet wurden, die Reaktoren zu kühlen, drohen überzulaufen – angesichts der bald beginnenden Taifun-Saison. Ob die fehlenden Ohren des Kaninchens wirklich auf Strahlenschäden zurückzuführen sind, kann man nicht mit Sicherheit sagen. Greenpeace und die US-amerikanische Strahlenbehörde fordern allerdings schon seit langem die Evakuierungszone von 30 auf 60 beziehungsweise 80 Kilometer auszuweiten.

Als 1986 der Reaktor von Tschernobyl explodierte, gingen einige Monate später die Bilder von Kindern mit Wasserköpfen um die Welt. Ein Kaninchen ohne Ohren sieht um einiges niedlicher aus. Wenigstens das. 

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