Die Eleganz des Bündchens

Stoff, Bündchen und Bändchen: das Konzept der Jogginghose ist ein gutes, und weil es nun endlich, endlich gesellschaftsfähig werden muss, hängen die Läden derzeit voll davon
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Bündchen kennt man vom sympathischsten, weil gemütlichsten Kleidungsstück der Welt: der Jogginghose. Und die war noch vor kurzem kaum gut genug, um damit kurz vor Ladenschluss schnell eine Dose Tomaten zu besorgen oder auf dem Campingplatz das mobile Klo ausleeren zu gehen. Auch diverse Rappermädchen und Goldkettenjungs halfen nicht unbedingt, das Image der Jogginghose in die etablierte Richtung zu polieren. Ein bisschen Proll blieb immer, und selbst als die Jogginghose unter Modegurus und Hipsterkids vor einiger Zeit einen Aufschwung erlebte, wurde in zahlreichen Modeblogs wild darüber diskutiert, ob diese Lässigkeit nicht irgendwie einen Schritt zu weit gehe. Zu weit, zu einfach, zu faul – so lautete die Stimme der Modemehrheit. Durchgesetzt hat sich die Jogginghose unter besonders eitlen Menschen also bisher nicht, weder im Club noch in der Arbeit.

Doch nun, da es auf den warmen Frühling 2011 zu geht, versuchen Stoff, Bündchen und Kordel erneut ihr Glück: Kaum ein Lieblingsladen kommt derzeit ohne leichte Hosen mit Gummizug aus. Und sie hängen nicht in der Sport- oder Schlafanzugabteilung herum, nein, sie haben ihren Platz zwischen den Seidenkleidchen und Stylersakkos der allerfeinsten Labels gefunden. Natürlich sind die aushängenden Modelle irgendwie eleganter geschnitten, als das verbeulte Nike-Modell vom großen Bruder. Teils sind sie sogar mit Jeans-, Leinen- oder Lederstoffen kombiniert – doch unter dem prüfenden Auge eines jeden Elternteils sind sie immer noch eindeutig als jogginghosenhafte Freizeitklamotten zu identifizieren.

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Illustration: Julia Schubert



Nichts desto trotz sollte man diesem Trend jubelnd und mit spendabler Gesinnung entgegenlaufen. Denn: Unser armes, stressiges, von viel zu vielen Ansprüchen, Träumen, Wünschen und Karrierebemühungen geprägtes Leben hat ein wenig Lässigkeit verdient. Und seinen Körper in die heimelige Geborgenheit einer Jogginghose gewandt zu wissen, während man den ganzen Tag herumrennt wie ein Blöder, um irgendwelchen Aufgaben und Jobs gerecht zu werden, verleiht einem die nötige Wärme im rauen Alltag.

Selbst einige paar Zentimeter zugenommenen Körperumfang rechnet sie uns nicht merklich an. Sie wächst stillschweigend und verzeihlich mit uns mit. Faulheit? Prolltum? Entspann' dich mal, flüstert die Bündchenhose uns zu und schmiegt sich um unsere Beine und um unsere Hüften. Aber ja, gerne doch. 

Text: mercedes-lauenstein - Illustration: Katharina Bitzl

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