Ding der Woche: Der Corn Dog

Eine Wurst im frittierten Maismehl-Mantel hat bei der Tea Party eigentlich nichts zu suchen. Oder doch?
max-scharnigg
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Illustration: Julia Schubert


Wer sich für die Politik in den USA interessiert, der weiß seit einigen Tagen auch, was ein Corn Dog ist: Eine ebenso arme wie amerikanische Bockwurst, die erst in einem Mantel aus Maismehl verpackt, dann frittiert und schließlich am Stiel serviert wird. Eine Fast-Food-Spezialität, beliebt in Vergnügungsparks und auf Landwirtschaftsmessen des mittleren Westens - mittlerer Kaloriengehalt: 270 kcal pro 100 Gramm.

Dieser gepimpte HotDog führte ein friedliches Dasein, zumindest bis Michele Bachmann beim traditionellen republikanischen Talentwettbewerb in Iowa volksnah einen solchen Corn Dog zu sich nahm. Toby Harnden, US-Korrespondent der britischen Zeitung The Telegraph fotografierte die stets makellose und strenge Rechtaußenverteidigerin der Tea-Party-Bewegung bei dieser Prozedur und heraus kamen, nun ja, typische Corn-Dog-Schnappschüsse. Ein besonders anzüglicher zierte den nächsten Blogeintrag Harndens und beschäftigt seither die Gemüter in den Blogs.

Schließlich muss man kein besonders begabter Phantast sein, um bei der dicken, langen Teigwurst zwischen den verzückten Lippenstift-Lippen an etwas anderes zu denken. Etwas, das eher schlecht zum sauberen Image der Dame passt, die vielleicht mal Präsidentin werden soll. Ihre halbgeschlossenen Augen und der hingebungsvolle Gesamteindruck tun ihr Übriges. Nun beklagen sich die einen über die tendenziöse und sexistische Bildwahl des ehrwürdigen The Telegraph. (Außerdem, möchte man anfügen, sind die Briten auch ganz schön übereifrig beim Frittieren). Zumal vor einigen Wochen schon mal eine Publikation mit einem Bachmann-Bild Kontroversen auslöste – damals zeigte das Cover der Newsweek eine doch deutlich duchgeknallt wirkende Politikerin auf Stimmenfang.

Andere feixen angesichts des kleinen phallischen Vorfalls auf der Iowa State Fair hämisch über die Eigendemontage der umstrittenen Bachmann, die doch genug PR-Schulung gehabt haben sollte, um zu wissen, dass sich derartige Gegenstände im Mund von Führungskräften immer schlecht machen.

Frau Bachmann aber, so erzählen diejenigen, die dabei waren, konnte einfach nicht widerstehen und vollzog die Wurst-Fellatio gewissermaßen ausserprotokollarisch. Das immerhin spricht doch eindeutig für den Corn Dog.

Text: max-scharnigg - Fotos: reuters

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