Ein trojanisches T-Shirt gegen Nazis

Schwupp, da ist er weg, der Nazi-Spruch - nach einem Rockfestival wunderten sich ein paar Rechtsradikale, was man ihnen da untergejubelt hatte
christian-helten

Man weiß, dass manchmal unvorhergesehene Dinge passieren, wenn man seine Kleidung wäscht. Die Lieblingsmütze läuft ein, das Lieblings-Shirt hat plötzlich eine andere Farbe – alles bekannte Szenarien. Was in den vergangenen Tagen in ein paar Waschmaschinen rechter Jugendlicher passiert ist, geht allerdings weit darüber hinaus.

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Illustration: Julia Schubert



Auf dem Rechtsrockfestival „Rock für Deutschland“ in Gera treffen seit Jahren Bands aus der Neonazi-Szene zusammen, NPD-Mitglieder halten Reden und verbreiten ihr Gedankengut, rechte Organisationen verteilen ihr Werbematerial. Am vergangenen Wochenende war es wieder soweit. Rund 600 Rechtsextreme waren gekommen (ebenso wie rund 1000 Gegendemonstranten), und die Rechtsrock-Fans bekamen Geschenke. Ein Spender verteilte 250 T-Shirts kostenlos an die Festivalbesucher, die Aktion hatte er der NPD zuvor als anonyme Unterstützung angeboten. Die Partei nahm dankend an, denn der martialische Aufdruck der T-Shirts war sicherlich sehr nach ihrem Geschmack: ein weißer Totenkopf auf schwarzem Hintergrund, darunter prangte die Aufschrift „Hardcore Rebellen – National und Frei“. Ein klassisches Neonazi-Kleidungsstück – bis die beschenkten Festivalbesucher es in die Waschmaschine steckten.

Denn das T-Shirt war ein trojanisches Pferd in Textilform. Der Nazi-Aufdruck war abwaschbar und verschwand in der Trommel der Waschmaschine. Darunter kam eine neue, nicht wasserlösliche Botschaft zum Vorschein: „Was dein T-Shirt kann, kannst du auch – wir helfen Dir, Dich vom Rechtsextremismus zu lösen.“

Hinter dem anonymen Spender verbarg sich die Initiative „Exit Deutschland“. Sie wurde im Sommer 2000 vom ehemaligen Kriminaloberrat Bernd Wagner gegründet und bietet Aussteigern aus der rechtsradikalen Szene Hilfe. „Mit den T-Shirts wollten wir unser Angebot in der Szene bekannter machen und vor allem die jungen und noch nicht so gefestigten Rechtsextremen ansprechen“, sagte Wagner der Nachrichtenagentur afp. Er wertete die Aktion mit den Trojaner-T-Shirts als Erfolg, auch wenn nicht zu erwarten sei, dass die Aussteiger „jetzt in Scharen anklingeln“.

Immerhin wurde die Aktion laut Exit relativ schnell in einigen rechten Internetforen herumerzählt und verbreitete sich per SMS. Man kann also davon ausgehen, dass Wagner die Aufmerksamkeit bekommen hat, die er erreichen wollte.

Text: christian-helten - Foto: dpa

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