Friert dein Arm auch so wie meiner?

Immer wieder tauchen auf Modeblogs hipstermäßige Kleidungsstücke auf, die niemand jemals anziehen würde. Der Sleeve Scarf ist eines davon.
anja-schauberger

Das letzte Mal, als dem Schal dermaßen Beachtung geschenkt wurde, hatte American Apparel den Circle Scarf in 97 verschiedenen Farben erfunden. Für die nicht ganz neue Idee eines runden Schals, den man je nach Belieben auch als Kleid, Rock oder Turban tragen konnte, musste man schon etwas in die Tasche greifen.  

Es scheint, als wollte das Modelabel Cubist Literature des jungen New Yorker Designers Craig Hunter an diesen Trend anknüpfen. Mit dem Sleeve Scarf, den es in lila, grau und schwarz gibt, setzt Hunter ein Kleidungsstück in die Welt, das sich mittlerweile auf zahlreichen Modeblogs wiederfindet und auf manchen davon sogar als the next big relevant alt fashion accessory bezeichnet wird.  

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Illustration: Julia Schubert

Der Sleeve Scarf von „Cubist Literature".

Der Sleeve Scarf soll eine Mischung aus einem Longsleeve und einem Schal sein. Er wärmt also nicht nur den Hals, sondern auch einen Arm. Richtig gelesen, es ist nur einer von zwei Armen gemeint. Der Sleeve Scarf sieht aus, als hätte man morgens nicht genug Zeit gehabt, in beide Pulloverärmel reinzuschlüpfen.  

"Next fashion accessory" für wen? Wer würde sowas tragen? Wahrscheinlich jene, die sich davor T-Shirts als Halsbänder umbanden und diese schrecklichen Designerhemden trugen, die so aussahen, als wären sie falsch zugeknöpft. Vielleicht auch diejenigen, die in ihrer Freizeit gerne Penisse und Micky-Mouse-Pornocomics zeichnen, um diese auf ihrem Blog zu veröffentlichen, wie es Designer Craig Hunter selbst zu tun pflegt.
 
Mitlerweile bieten auch deutsche Internetseiten wie nelou.com den Ärmelschal in ihrer ganz eigenen Variante an. Der Schal wurde dort schon um mehr als die Hälfte reduziert und ist nun für neun Euro zu haben. Da wird es Craig Hunter doch ein wenig schwerer haben, als er es sich davor auf seinem Blog ausgemalt hat. Denn die Handarbeit, die der Designer selbst über seinen Schals verbringt, lässt er sich gut bezahlen. Die 200 Dollar pro Schal braucht er aber auch dringend, um sein Appartement in Brooklyn finanzieren zu können.


Text: anja-schauberger - Illustration: Christopher Stelmach

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