Airbnb-Gastgeber, seid toleranter!

Unter #AirbnbWhileBlack sprechen Nutzer über Ablehnungen bei der Zimmersuche.
Ein Kommentar von Melanie Wolfmeier

Gerade weil wir so gern und viel in der Welt unterwegs sind wie nie zuvor, ist es wichtig, eine Unterkunft zu haben, in der man sich wohlfühlt. Bei der man nicht, mithilfe eines Blickes durchs Schlüsselloch oder auf das Profilbild, gemustert, aussortiert und abgewiesen wird.

Eigentlich ist Airbnb eine gute Adresse dafür, Städte und Länder auf eine besondere Art kennen zu lernen. Vielleicht hat man auch noch das Glück, nette Gastgeber zu erwischen. Quirtina Crittenden ist das jedoch nicht oft passiert: Die 23-jährige Unternehmensberaterin aus Chicago wurde häufig abgelehnt – aufgrund ihrer Hautfarbe, wie sie sagt.

In einem Interview mit dem Radiosender NPR erklärt sie: "Die Gastgeber hatten immer Entschuldigungen wie 'Oh, jemand hat soeben gebucht', oder 'Oh, einer meiner regelmäßigen Übernachtungsgäste kommt in die Stadt und bleibt hier über Nacht.' Aber ich wurde misstrauisch und als ich ein paar Tage später noch einmal nachsah, waren die Zimmer immer noch frei."

Crittendens Erfahrungen haben sie so enttäuscht und frustriert, dass sie den Hashtag #AirbnbWhileBlack gestartet hat – und unter diesem sammeln sich zahreiche schlechte Erfahrungen anderer Afroamerikaner, die auf Airbnb abgewiesen worden sind. Und das nicht nur in den USA, sondern auch in Europa, in modernen, offenen Hauptstädten wie Paris etwa.

 

Diese Diskriminierungsfälle passen zu einer Harvardstudie aus dem Jahr 2014, in der festgestellt wurde, dass vor allem Menschen mit ausländischen Namen bei Airbnb kein Zimmer vermietet bekommen. Aus dieser Ablehnung spricht Rassismus. Die Angst gegenüber dem Fremden, die Ablehung von Anderen, die nicht so aussehen, wie man selbst.

 

Dabei ist diese Angst zumeist völlig unbegründet. Und dennoch immer wieder in allen möglichen Bereichen unseres Alltags zu finden. Wie die Vorfälle bei Airbnb. Oder, gleich um die Ecke, in Ostdeutschland, wo regelmäßig gegen Andersheit demonstriert wird.

 

Doch gerade jetzt ist wichtig, dass wir dem Fremden nicht mit Angst und Ablehnung, sondern mit Offenheit begegnen. Egal, welchen Namen dieses Unbekannte trägt, egal, in welcher Farbe es an unsere Grenzen und Türen klopft.

 

Jeder von uns ist irgendwo fremd, irgendwo unbekannt und passt irgendwo wegen seines Äußeren nicht in die dortige Kultur und Gesellschaft. Auf das Aussehen jedoch kommt es letztendlich nicht an – sondern darauf, was sich dahinter verbirgt. Und wenn dies etwas Gutes ist, dann sollte man es ohne Vorbehalte an- und aufnehmen. Um aus dem Fremden etwas Eigenes zu machen, muss man es kennen lernen. Dann lässt sich auch erkennen, dass es vielleicht gar nicht so fremd ist. Und die unbegründete Furcht – sie ist das Einzige, das man bei Buchungsanfragen beiseite und draußen vor der Tür stehen lassen sollte.

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